Kaum hatten wir das Restaurant wieder betreten, richteten sich alle Blicke auf uns.
„Da seid ihr ja endlich", rief Mats und lehnte sich mit verschränkten Armen zurück. Sein Blick wanderte zwischen Julian und mir hin und her, und das Grinsen, das sich langsam auf seinem Gesicht ausbreitete, verhieß nichts Gutes.
Karim verdrehte theatralisch die Augen. „Wurde ja auch Zeit. Wir dachten schon, ihr seid einfach abgehauen."
„Hm." Gregor zog die Augenbrauen hoch. „Oder wart ihr zu beschäftigt?"
Julian seufzte leise, ließ sich aber nichts anmerken, während ich mich wortlos auf meinen Platz setzte. Mein Herz klopfte noch immer zu schnell, meine Gedanken waren ein einziges Durcheinander, und obwohl ich mich so langsam wieder zu fangen versuchte, fühlte sich alles noch viel zu frisch an.
Mats beugte sich über den Tisch, musterte mich aufmerksam und sagte dann direkt: „Warum hast du geweint?"
Ich erstarrte.
Natürlich hatte er es bemerkt. Natürlich hatte er sofort gesehen, dass meine Augen noch leicht gerötet waren. Ich sollte es besser wissen – vor Mats konnte man nichts verstecken.
Ich spürte, wie Julian sich leicht neben mir bewegte, als wollte er etwas sagen, aber ich kam ihm zuvor.
„Ich ..." Ich fuhr mir mit den Fingern durch die Haare, atmete tief durch und versuchte, meine Gedanken zu ordnen. „Es war einfach ... viel. Das Gespräch. Alles, was die letzten Monate passiert ist."
Mats schnaubte. „Das ist eine ziemlich schwammige Antwort, Olivia."
Karim grinste. „Ja, klingt fast so, als würdest du versuchen, uns was zu verheimlichen."
Julian räusperte sich und verschränkte die Arme. „Es geht Olivia gut. Und mehr müsst ihr nicht wissen."
„Mhm." Mats musterte uns beide weiterhin skeptisch. „Sicher, dass wir nicht doch noch ein paar Details bekommen?"
Ich stieß ein trockenes Lachen aus und schüttelte den Kopf. „Nein, Mats, sicher nicht."
Gregor hob grinsend die Hände. „Okay, okay, wir lassen euch in Ruhe. Erstmal."
Ich konnte nicht anders, als leise zu lachen.
Und irgendwie fühlte sich das plötzlich ... gut an.
Fast wie früher.
Ich spürte Julians Blick auf mir, aber ich drehte mich nicht zu ihm um. Ich wusste auch so, dass er lächelte.
Die Gespräche wurden wieder lockerer, das Essen war längst kalt, aber niemanden schien es zu stören. Wir lachten, Mats und Karim erzählten Geschichten aus dem Training, Gregor beschwerte sich darüber, dass ihm keiner gesagt hatte, wie schlecht sein neuer Haarschnitt aussah, und Nico – der sonst oft derjenige war, der sich zurückhielt – war derjenige, der die Witze am lautesten kommentierte.
Und ich?
Ich war mittendrin.
Nicht mehr nur die stille Beobachterin am Rand.
Nicht mehr diejenige, die sich zwang, distanziert zu bleiben.
Julian saß neben mir, unsere Schultern berührten sich leicht, und jedes Mal, wenn ich mich bewegte, spürte ich, dass er da war.
Und das Verrückteste daran?
Es fühlte sich nicht falsch an.
Es fühlte sich an, als könnte ich endlich wieder atmen.
Nico lehnte sich in seinem Stuhl zurück, sein Blick war direkt auf mich gerichtet, während er mit einem zufriedenen Grinsen die Arme vor der Brust verschränkte.
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When we meet again
FanfictionOlivia hat in ihrem Leben mehr Kämpfe ausgefochten, als sie zählen kann. Aufgewachsen, immer mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen, statt wirklich zu leben. Julian, den sie wegstößt, weil sie glaubt, nicht gut genug zu sein. Julian, mit dem sie v...
