Es war eine Erleichterung, als wir zurück ins Brautmodengeschäft gingen und Marie uns das Kleid zurückbrachte. Ich war immer noch nervös, als ich es anzog, aber nach der kurzen Anprobe konnte ich es kaum fassen: Es passte wie angegossen. Kein Ziehen, kein Zupfen, nichts, was unangenehm war. Ich drehte mich vor dem Spiegel und konnte kaum glauben, dass in diesem Kleid bald „Ja" sagen würde.
„Es sieht einfach perfekt aus", sagte Sophia begeistert, als sie mich anstarrte. Marie stand daneben und schaute mich ebenfalls stolz an.
„Das freut mich, wirklich", sagte sie und wirkte ein wenig erleichtert, dass alles so gut passte. „Du siehst einfach wunderschön aus, Olivia."
Ich konnte ihr gar nicht genug danken. „Danke, danke, danke", sagte ich immer wieder und umarmte sie dann. Ich war wirklich froh, dass sie sich so viel Mühe gegeben hatte.
Sophia und ich machten uns nach kurzer Verabschiedung auf den Weg zurück zu uns nach Hause. Der Weg schien viel schneller als auf dem Hinweg, die Sonne hatte sich mittlerweile ganz durchgesetzt, und wir plauderten locker über den Tag. Aber mein Kopf war noch bei den vielen Gedanken, die mich beschäftigten.
Als wir das Haus erreichten, öffnete Julian uns die Tür,Sophia schob ihn schnell an die Seite, damit ich vorbei gehen konnte. Schließlich hatte ich das Kleid in der Hand und der durfte es noch nicht sehen. Die Überraschung sollte ja noch ein bisschen geheim bleiben.
„Ich komme gleich wieder runter", sagte ich noch, als ich den Weg zur Treppe antrat. „Will nur kurz das Kleid hochbringen."
„Alles klar", rief Sophia mir nach, doch dann hörte ich, wie sie mir leise hinterherkam. Kaum hatte ich die Tür zu meinem Zimmer geschlossen, hielt sie mir plötzlich etwas entgegen.
„Du weißt, was du jetzt machen musst, oder?" Sophia hielt mir einen kleinen weißen Test entgegen – den Schwangerschaftstest. Mein Herz setzte einen Schlag aus.
„Sophia... nicht jetzt", sagte ich sofort, als ich das Ding in ihrer Hand sah. „Ich... ich weiß nicht, ob ich das will."
„Olivia, du kannst nicht weiter in diesem Kreis rumdenken", sagte sie bestimmt. „Jetzt hast du alles, was du brauchst. Du hast den Test, du hast die Zeit. Mach es einfach."
Ich starrte auf den Test und spürte, wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete. Nervosität stieg in mir auf, gemischt mit Angst. Was, wenn der Test positiv wäre? Was, wenn er negativ wäre, und ich immer noch keine Antwort auf meine ganzen Fragen hatte?
„Ich weiß nicht, ob ich das kann", murmelte ich.
„Komm schon", sagte sie sanft, aber bestimmt. „Du musst das für dich selbst tun. Du bist schon so lange unsicher. Egal, was kommt – du weißt es dann endlich."
Ich schloss für einen Moment die Augen und versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Aber meine Gedanken wirbelten weiter, wie ein Wirbelsturm, und der Gedanke, den Test zu machen, war irgendwie beängstigend.
„Es tut mir leid", sagte ich schließlich. „Ich bin einfach nervös. Was, wenn..."
„Dann ist es so, wie es ist. Aber du wirst wissen, was zu tun ist", sagte Sophia mit einem ruhigen Lächeln und legte eine Hand auf meine Schulter. „Und ganz ehrlich? Du bist nicht allein. Egal was passiert, Julian wird dich unterstützen. Hey! Ihr Heiratet schließlich übermorgen."
Ich nickte langsam, atmete tief ein und nahm den Test, den sie mir anbot. Und so merkte ich, dass Sophia recht hatte – es war an der Zeit, Antworten zu bekommen.
Ich stand im Bad, der Schwangerschaftstest in meinen Händen, und mein Herz raste wie verrückt. Die kleine Box fühlte sich plötzlich so schwer an, als würde sie alles entscheiden – alles, was mein Leben in den letzten Wochen und vielleicht sogar in den nächsten Jahren betreffen würde. Ich blickte auf den Test und dann wieder zu Sophia, die ruhig hinter mir stand, ihre Augen sanft, aber voller Verständnis.
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When we meet again
FanfictionOlivia hat in ihrem Leben mehr Kämpfe ausgefochten, als sie zählen kann. Aufgewachsen, immer mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen, statt wirklich zu leben. Julian, den sie wegstößt, weil sie glaubt, nicht gut genug zu sein. Julian, mit dem sie v...
