Kaum hatte ich die Wohnungstür hinter mir geschlossen, erwischte ich mich dabei, wie ich lächelte. Einfach so. Ohne es bewusst zu wollen.
Ich blieb für einen Moment stehen, lehnte mich gegen die Tür und atmete tief durch. Wann war das letzte Mal gewesen, dass ich mich so gefühlt hatte? So... leicht? Ich wusste es nicht. Vielleicht war es die Normalität, die sich langsam wieder einschlich. Oder vielleicht war es einfach nur Julian.
Ich schüttelte leicht den Kopf, drückte mich von der Tür ab und sah mich in meiner Wohnung um. Chaos war es nicht direkt, aber es war genug Unordnung, dass ich wusste, was als Nächstes anstand.
„Na dann", murmelte ich zu mir selbst und krempelte innerlich die Ärmel hoch.
Eigentlich wollte ich nur schnell aufräumen. Ein paar Dinge wegräumen, Kissen aufschütteln, vielleicht die Küche ein wenig ordnen. Doch sobald ich einmal angefangen hatte, rutschte ich in diesen Modus, in dem aus einem simplen Aufräumen plötzlich eine komplette Putzaktion wurde.
Ich startete im Wohnzimmer, räumte herumliegende Decken zusammen, stellte die Kissen ordentlich hin und sortierte Zeitschriften und Notizen, die ich in den letzten Wochen einfach nur auf den Couchtisch gelegt hatte. Dann wischte ich den Tisch ab, saugte den Teppich und machte mich an die Fenster – weil sie mich plötzlich störten.
Danach wanderte ich in die Küche. Ich räumte die Spülmaschine aus, putzte die Arbeitsflächen, wischte den Boden. Während ich das tat, lief im Hintergrund Musik, und ich erwischte mich dabei, wie ich leise mit summte.
Von dort aus ging es weiter ins Bad. Spiegel putzen, Waschbecken schrubben, Handtücher austauschen. Und dann, weil ich ohnehin schon dabei war, sortierte ich meine Schubladen neu.
Irgendwann stellte ich fest, dass ich auch dringend Wäsche machen musste. Also sammelte ich alles ein, startete eine Maschine und nutzte die Wartezeit, um Staub zu wischen.
So verging Stunde um Stunde, ohne dass ich es wirklich bemerkte.
Als ich schließlich das letzte Kissen auf die Couch legte und einen Schritt zurücktrat, um mein Werk zu begutachten, fühlte ich mich erschöpft – aber auf eine gute Art. Eine Art, die mir zeigte, dass ich etwas getan hatte, das ich in den letzten Monaten viel zu oft vernachlässigt hatte: für mich selbst sorgen.
Ich ließ mich auf die frisch aufgeschüttelte Couch fallen, streckte die Beine aus und atmete tief durch.
Vier Stunden hatte ich gebraucht. Vier Stunden, in denen mein Kopf komplett ausgeschaltet war, in denen ich einfach nur gemacht hatte, ohne nachzudenken. Und jetzt? Jetzt war meine Wohnung blitzblank – und mein Kopf ein wenig klarer.
Ich griff nach meinem Handy, sah auf die Uhr.
Noch keine Nachricht von Julian.
Ich grinste leicht. Vielleicht wartete er darauf, dass ich mich zuerst meldete. Vielleicht hatte er mich aber auch einfach durchschaut und wusste genau, dass ich länger brauchen würde als gedacht.
Ich nahm mein Handy vom Tisch, entsperrte den Bildschirm und tippte eine kurze Nachricht.
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Bereit zum Versacken?
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Kaum hatte ich die Nachricht abgeschickt, wurde mir bewusst, dass ich tatsächlich auf seine Antwort wartete, mit einer Aufregung, die ich lange nicht mehr gespürt hatte.
Es dauerte nicht einmal eine Minute, bis mein Handy vibrierte.
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Immer. Tür ist offen?
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Ich schmunzelte.
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Kommt drauf an. Muss ich dich erst durch einen Sicherheitscheck lassen?
Glaube, du würdest mich so oder so reinlassen.
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When we meet again
FanfictionOlivia hat in ihrem Leben mehr Kämpfe ausgefochten, als sie zählen kann. Aufgewachsen, immer mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen, statt wirklich zu leben. Julian, den sie wegstößt, weil sie glaubt, nicht gut genug zu sein. Julian, mit dem sie v...
