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Ich hätte es wissen müssen. Ich hätte ahnen müssen, dass die Jungs nicht so schnell aufgeben würden. Seit Tagen versuchten sie, mich irgendwie aus meinem Schneckenhaus zu locken, mich dazu zu bringen, wieder „normal" zu sein – was auch immer das bedeuten sollte. Ich hatte mich immer wieder geweigert, ihre Versuche höflich, aber bestimmt abgewehrt. Doch heute? Heute hatten sie mich einfach überrumpelt.

„Olivia, du kommst mit, Ende der Diskussion", hatte Karim mir am Nachmittag mit einem breiten Grinsen gesagt, als ich mich nach dem Training auf den Weg nach Hause machen wollte.

„Nein, tue ich nicht."

„Doch, tust du."

Ich schüttelte den Kopf, aber noch bevor ich etwas erwidern konnte, stand plötzlich Nico neben mir, die Arme vor der Brust verschränkt. „Oli, bitte. Ein Abend. Einfach was essen, ein bisschen abschalten. Du musst ja nicht reden, wenn du nicht willst."

„Aber ich habe keine Lust."

„Das ist uns egal." Gregor grinste mich an und Mats, der wenige Meter entfernt stand, nickte nur zustimmend.

Ich seufzte. „Ich kann nicht, ich bin müde."

„Gute Ausrede, aber leider ungültig", konterte Mats. „Du hast den ganzen Tag gearbeitet, ja, aber das haben wir alle. Wir gehen nur was essen, mehr nicht. Und du kommst mit."

„Muss ich?"

„Ja."

Vier gegen einen. Ich hatte keine Chance. Also gab ich irgendwann entnervt auf und murmelte: „Okay, aber nicht lange."

Sie grinsten, als hätten sie gerade das Spiel ihres Lebens gewonnen.

Ich hatte es versucht. Versucht mich doch noch zu drücken. Wirklich. Ich hatte jede Ausrede genutzt, die mir eingefallen war. Doch gegen Nico hatte ich keine Chance.

„Ich hol dich ab. Punkt." Seine Stimme klang so bestimmt, dass ich wusste, es war zwecklos, weiter zu diskutieren.

„Nico, ich weiß nicht ..."

„Doch, weißt du. Und du weißt auch, dass du mitkommst. Also erspar mir das Hin und Her."

Ich seufzte. Mein Kopf sagte Nein, mein Körper schrie Nein, aber Nico? Nico hörte nicht auf ein Nein.

„Ich bin in zwanzig Minuten da." Damit legte er auf.

Großartig.

Meine Ausreden waren nicht gut genug.

Später am Abend stand ich mit verschränkten Armen vor meinem Kleiderschrank. Ich wusste nicht mal, warum ich so lange brauchte. Es war nur ein Abendessen. Und doch fühlte es sich an, als würde ich eine Entscheidung treffen, die mehr bedeutete als nur ein gemeinsames Essen mit den Jungs.

Ich entschied mich für etwas Schlichtes – Jeans, ein lockeres Oberteil, eine Jacke. Nichts Besonderes. Nichts, das andeutete, dass mir dieser Abend irgendetwas bedeutete.

Dann klopfte es an der Tür.

Ich öffnete – und da stand Nico.

„Bereit?" Er grinste, als wüsste er genau, wie schwer es mir fiel, mitzukommen.

Ich rollte mit den Augen. „Du hättest mich auch einfach dort treffen können."

„Klar. Und dann hättest du kurz vorher abgesagt."

Ich sagte nichts. Weil er recht hatte.

Also stieg ich wortlos in sein Auto.

Das Restaurant war gemütlich, die Atmosphäre entspannt. Und trotzdem fühlte ich mich fehl am Platz.

When we meet againWhere stories live. Discover now