Es war kaum zu fassen, aber die Hochzeit rückte immer näher. Eine Woche war vergangen, und Julian und ich hatten so gut wie alles abgehakt, was noch auf unserer Liste stand. Die Location war fest, das Essen war entschieden, die Dekoration hatte ihren Platz gefunden, und der Trauredner stand auch schon. Wir hatten wirklich alles im Griff, bis auf eines, die Ringe.
Das war der eine Punkt, der uns noch Kopfzerbrechen bereitete. Beim ersten Mal, als wir uns Ringe ausgesucht hatten, war es eine komplette Enttäuschung gewesen. Nichts hatte uns so richtig gefallen. Entweder war der Stil zu altmodisch, die Ringe zu dick oder einfach zu auffällig. Wir hatten uns beide sehr viel erhofft und waren doch ohne den erhofften „Wow"-Moment wieder nach Hause gefahren.
Ich saß auf dem Sofa, mein Laptop auf dem Schoß, und klickte erneut durch unzählige Seiten. Die Ringe, die ich sah, waren entweder zu viel des Guten oder einfach nicht genug. Ich hatte das Gefühl, als ob keiner dieser Ringe das war, was wir suchten. Und das frustrierte mich zunehmend.
„Also, wie sieht's aus? Immer noch keine Ringe gefunden, die dir gefallen?" Julian grinste mich an, während er sich auf das Sofa setzte und mich ansah.
„Ich weiß nicht, Julian..." Ich seufzte und schloss einen weiteren Tab. „Es ist einfach so schwer, die richtigen zu finden. Entweder sind sie zu auffällig, oder sie wirken viel zu simpel. Und der hier...", ich zeigte ihm einen Ring auf dem Bildschirm, „der ist eigentlich ganz hübsch, aber er wirkt irgendwie zu filigran. Ich will nicht, dass er nach ein paar Wochen aussieht, als könnte er gleich auseinanderfallen."
Julian lachte leise, und ich konnte sehen, dass er versuchte, die Sache mit etwas Humor zu nehmen. „Das könnte tatsächlich problematisch werden, wenn der Ring ständig an deinem Finger ist, und du dann auch noch die Hände wäschst", sagte er, und ich konnte mir förmlich vorstellen, wie der Ring irgendwann verbogen wäre, wenn es zu filigran war.
Ich kicherte. „Ja, das wäre irgendwie komisch, wenn er dann so aussieht, als hätte er schon den halben Kampf verloren."
„Aber im Ernst", sagte Julian, „ich verstehe, was du meinst. Du willst, dass die Ringe zu uns passen. Dass sie irgendwie unser Ding sind. Aber du musst auch nicht stressen. Wir finden sie schon."
Ich nickte, aber das Gefühl, dass ich einfach nicht die richtigen Ringe fand, ließ mich nicht los. Ich scrollte weiter und konnte mich einfach nicht entscheiden. Irgendwann sagte ich: „Vielleicht stelle ich mir das Ganze einfach zu kompliziert vor. Als ob die Ringe alles entscheiden könnten. Aber eigentlich geht es doch darum, was er für uns bedeutet, oder?"
„Ganz genau", sagte Julian, und ich spürte, wie er sich mir näherte. „Am Ende sind es nur Ringe, aber sie sollen uns widerspiegeln. Wir müssen uns einfach die Zeit nehmen, die es braucht. Und auch wenn wir heute noch nicht den richtigen gefunden haben, ist das okay."
„Vielleicht hast du recht", murmelte ich und legte den Laptop zur Seite. „Ich dachte, wir würden einfach in den Laden gehen, und die Ringe würden uns schon anspringen. Aber so fühlt es sich irgendwie nicht an."
„Es ist okay, wenn es nicht sofort der perfekte Moment ist", sagte er und setzte sich neben mich. „Du weißt, wir haben noch genug Zeit, und am Ende werde es die richtigen sein. Vielleicht ist das hier einfach nur ein Moment, in dem wir uns noch ein bisschen mehr Zeit lassen sollten."
Ich lehnte mich an ihn und schloss für einen Moment die Augen. „Ja, du hast recht. Ich mache mir einfach zu viele Gedanken. Es geht nicht darum, alles sofort zu finden."
„Genau", sagte er sanft und strich mir über den Arm. „Und wir haben noch jede Menge Zeit, das gemeinsam zu entscheiden. Wenn wir die Ringe jetzt noch nicht finden, dann ist das okay. Aber wir werden sie finden."
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When we meet again
FanfictionOlivia hat in ihrem Leben mehr Kämpfe ausgefochten, als sie zählen kann. Aufgewachsen, immer mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen, statt wirklich zu leben. Julian, den sie wegstößt, weil sie glaubt, nicht gut genug zu sein. Julian, mit dem sie v...
