Ein leises klopfen, fast zögerlich, aber es reicht, und reißt mich aus dem Schlaf. Mein Körper fühlt sich schwer an, als würde ich immer noch zwischen Traum und Realität feststecken. Die letzten Tage waren ein einziger Nebel aus Schmerzen, Medikamenten und kurzen Gesprächen, die mich kaum erreichten.
Ich blinzele, versuche mich zu orientieren. Es ist dunkler als vorhin, nur das matte Licht der Straßenlaternen fällt durch das Fenster. Mein Hals ist trocken, meine Muskeln schmerzen bei jeder Bewegung.
Dann klopft es wieder.
Langsam drehe ich meinen Kopf zur Tür. „Ja?" Meine Stimme ist rau, kaum mehr als ein Flüstern.
Die Tür öffnet sich leise.
Und dann steht er da.
Julian.
Für einen Moment passiert gar nichts. Ich starre ihn einfach nur an, mein Herz setzt einen Schlag aus, bevor es unruhig weiterklopft. Er trägt eine schwarze Jogginghose, einen schlichten Hoodie, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Die dunklen Schatten unter seinen Augen sind selbst bei dem schwachen Licht nicht zu übersehen.
Ich weiß nicht, was ich erwartet habe. Vielleicht, dass er sich anders anfühlt. Entfernt. Kalt. Schließlich war er nicht hier, als ich aufgewacht bin.
Aber jetzt ... jetzt sieht er mich an, und alles in mir zieht sich zusammen.
„Hey", sagt er leise.
Ich schlucke. „Hey."
Ein kurzer Moment vergeht, in dem er nur in der Tür steht, als wäre er sich nicht sicher, ob er wirklich näherkommen soll.
„Kann ich ...?" Er deutet vage in Richtung des Stuhls neben meinem Bett.
Ich nicke, weil meine Stimme mir nicht gehorcht.
Vorsichtig schließt er die Tür hinter sich, geht langsam zu dem Stuhl und setzt sich. Ich beobachte jede seiner Bewegungen. Irgendetwas an ihm wirkt ... müde. Müder, als ich ihn je gesehen habe.
Er stützt die Ellbogen auf die Knie, reibt sich mit einer Hand über das Gesicht. Dann sieht er mich an.
„Wie geht es dir?" Seine Stimme ist rau, fast brüchig.
Ich weiß nicht, was ich darauf sagen soll. Also zucke ich leicht mit den Schultern. „Ging mir schon besser."
Er atmet langsam aus, als hätte er genau diese Antwort erwartet.
„Ich ..." Er hält inne, fährt sich durch die Haare. „Ich war hier."
Meine Finger krallen sich ins Bettlaken.
„Jeden Tag", sagt er leise. „Ich wollte nur, dass du das weißt."
Etwas in mir zieht sich schmerzhaft zusammen. Ich weiß nicht, was ich darauf erwidern soll. Also sage ich nichts.
Er sieht mich an, als würde er nach etwas suchen. Nach einem Zeichen. Einer Antwort.
Ich schlucke schwer und sehe ihn an. Seine Augen sind müde, seine Schultern hängen, als hätte er seit Tagen nicht richtig geschlafen. Und wahrscheinlich hat er das auch nicht.
„Ich hatte solche Angst um dich, Olivia", sagt er plötzlich, leise, fast wie ein Geständnis. „Als ich gehört habe, was passiert ist ... Ich konnte nicht atmen. Ich war jeden Tag hier, aber ich ..." Er bricht ab, schüttelt den Kopf. „Ich wusste nicht, ob du mich überhaupt sehen willst."
Etwas in mir wird warm und schwer zugleich. Ich hatte geglaubt, er wäre nicht da gewesen. Aber er war es. Nur eben nicht in dem Moment, als ich aufgewacht bin.
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When we meet again
FanfictionOlivia hat in ihrem Leben mehr Kämpfe ausgefochten, als sie zählen kann. Aufgewachsen, immer mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen, statt wirklich zu leben. Julian, den sie wegstößt, weil sie glaubt, nicht gut genug zu sein. Julian, mit dem sie v...
