Heute stand etwas an, wovor ich am liebsten flüchten würde. Die Fahrt nach Bremen. Julians Eltern kennenlernen. Ein ganzes Wochenende dort verbringen. Und ich hatte ziemlich große Angst davor. Was, wenn sie mich nicht mögen? Wenn sie mich nicht akzeptieren? Ich liebe Julian, und ich will ihn nicht verlieren.
Mein Blick wanderte zum offenen Koffer auf dem Bett. Ich hatte ihn zwar schon fast gepackt, aber meine Hände zitterten, als ich mein Lieblingsshirt noch dazulegte. Vielleicht ein bisschen übertrieben, so viel einzupacken – aber ich wollte für jede Situation vorbereitet sein.
„Livi, wir fahren nur für zwei Tage, nicht für drei Wochen."
Ich drehte mich um und sah Julian im Türrahmen stehen. Er grinste mich an, die Arme vor der Brust verschränkt. Er wirkte so entspannt, als wäre das hier die einfachste Sache der Welt.
„Ich weiß", murmelte ich und seufzte. „Aber was ist, wenn sie mich nicht mögen?"
Julian kam näher, nahm meine Hände in seine und drückte sie sanft. „Das wird nicht passieren."
„Und wenn doch?"
„Dann ist mir das egal, denn ich liebe dich." Er küsste mich kurz auf die Stirn. „Aber ich verspreche dir, meine Eltern sind keine Monster. Meine Mutter wird dich sofort in den Arm nehmen, mein Vater wird dich erst mal beobachten, aber das bedeutet nichts. Er ist halt so."
Ich seufzte. „Na großartig. Das klingt ja nach einem richtig entspannten Wochenende."
Julian lachte und zog mich an sich. „Wir überstehen das zusammen, okay?"
Ich nickte zögerlich. Zusammen. Das klang gut.
Draußen zog die Landschaft an uns vorbei, während das Radio leise lief. Julian hatte eine Hand locker am Lenkrad, die andere lag beruhigend auf meinem Oberschenkel. Sein Daumen strich sanft über den Stoff meiner Jeans, als wollte er mich unauffällig beruhigen.
„Also", sagte er schließlich. „Kleines Briefing: Meine Mutter, Heike, wird dich sofort ins Herz schließen. Sie ist ein total herzlicher Mensch. Mein Vater, Jürgen... na ja, der ist etwas reservierter. Er redet nicht viel, aber das heißt nicht, dass er dich nicht mag. Er braucht einfach länger, um mit jemandem warm zu werden."
Ich schluckte. „Super. Und wenn ich direkt irgendwas Blödes sage?"
„Dann lachen wir drüber."
„Julian, ich meine das ernst!"
Er grinste, sein Blick kurz zu mir huschend. „Ich weiß. Aber glaub mir, du machst dir viel zu viele Gedanken. Sie werden dich mögen."
Ich starrte auf meine Hände. „Ich hoffe es."
Er drückte kurz meinen Oberschenkel. „Wird schon. Und wenn nicht, dann entführe ich dich einfach und wir fahren zurück."
Ich konnte nicht anders, als zu lächeln.
Als wir auf die Einfahrt fuhren, spürte ich, wie mein Herz schneller schlug. Das Haus war ein hübsches, zweistöckiges Gebäude mit weißen Wänden und blauen Fensterläden. Im Vorgarten blühten bunte Blumen, und eine kleine Holzbank stand unter einem großen Baum.
Kaum hatte Julian den Motor abgestellt, flog die Haustür auf – und eine Frau mit kurzen, dunkelblonden Haaren kam herausgestürmt.
„Julian!"
Sie eilte auf uns zu, doch als ihr Blick auf mich fiel, hielt sie kurz inne. Dann strahlte sie. „Und du musst Olivia sein!"
Bevor ich etwas sagen konnte, zog sie mich in eine feste Umarmung.
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When we meet again
FanfictionOlivia hat in ihrem Leben mehr Kämpfe ausgefochten, als sie zählen kann. Aufgewachsen, immer mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen, statt wirklich zu leben. Julian, den sie wegstößt, weil sie glaubt, nicht gut genug zu sein. Julian, mit dem sie v...
