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Die Nacht war längst hereingebrochen, als Julian und ich die Feier verließen. Der Himmel über Dortmund war klar, und die Sterne funkelten wie tausende kleine Erinnerungen an diesen perfekten Tag. Mein Herz klopfte heftig in meiner Brust, während ich Julians Hand in meiner spürte. Es fühlte sich surreal an. Ich war jetzt seine Frau. Olivia Brandt. Allein dieser Gedanke ließ eine warme Gänsehaut über meine Haut laufen.

Das Auto rollte leise durch die nächtlichen Straßen. Im Inneren herrschte eine angenehme Stille – keine unangenehme, sondern eine, die von Bedeutung schien. Ich lehnte meinen Kopf gegen den Sitz, beobachtete Julian aus dem Augenwinkel. Seine Hand lag locker auf dem Lenkrad, aber sein Daumen trommelte nervös gegen das Leder. Er wirkte konzentriert, aber gleichzeitig konnte ich sehen, wie er immer wieder kurz zu mir rüberschaute.

Dann, ohne seinen Blick von der Straße zu nehmen, griff er nach meiner Hand. Einfach so. Verstrickte seine Finger mit meinen. Ein stilles Zeichen, dass er mich fühlte, genau wie ich ihn fühlte.

„Wie geht's dir?" fragte er leise, fast ehrfürchtig.

Ich schloss kurz die Augen. „Glücklich."

Mehr musste ich nicht sagen.

Als wir endlich auf die Einfahrt seines—nein, unseres Hauses abbogen, kribbelte mein gesamter Körper vor Nervosität. Die Realität dieser Nacht traf mich mit voller Wucht. Ich war keine Braut mehr. Ich war seine Ehefrau. Und diese Nacht würde unsere erste als Mann und Frau sein.

Julian schaltete den Motor aus und drehte sich zu mir. Das sanfte Licht der Straßenlaterne fiel durch die Windschutzscheibe und tauchte sein Gesicht in einen weichen Glanz. Seine Augen funkelten, als er mich ansah – voller Liebe, voller Verlangen.

„Bereit?" fragte er leise.

Ich schluckte, fühlte, wie sich meine Kehle zuschnürte. Aber es war kein Zögern. Es war die Bedeutung dieses Moments, die mich überwältigte. Also nickte ich.

Langsam stieg ich aus dem Auto, spürte die Kühle der Nacht auf meiner Haut, als Julian bereits um das Fahrzeug herumging, um mir die Tür aufzuhalten. So, wie er es immer tat. Er streckte mir seine Hand entgegen, und als ich sie nahm, zog er mich sanft zu sich. Sein Gesicht war nur Zentimeter von meinem entfernt.

„Ich liebe dich, Frau Brandt."

Mein Herz setzte einen Schlag aus.

„Ich liebe dich auch, Herr Brandt."

Ein Lächeln umspielte seine Lippen, bevor er sich nach vorne beugte und mich küsste. Sanft. Langsam. Doch ich spürte die Hitze, die sich darunter verbarg, das Feuer, das er zurückhielt. Noch.

Er löste sich von mir und zog mich mit sich zur Haustür. Er schloss sie auf, und kaum, dass sie ins Schloss fiel, drehte er sich blitzschnell um. Seine Hände legten sich an meine Taille, dann hob er mich einfach hoch. Ich keuchte überrascht auf, aber bevor ich protestieren konnte, fing er an zu grinsen.

„Ich trage dich über die Schwelle. Tradition, du weißt schon."

Ein Lachen entwich mir, während ich meine Arme um seinen Nacken legte. „Das ist mir neu, aber ich beschwere mich nicht."

Mit spielerischer Leichtigkeit trug er mich ins Haus, durch das schummrige Licht des Flurs, vorbei an den Bildern an der Wand. Dann trat er ins Schlafzimmer.

Ich spürte, wie mein Herz raste. Alles in mir schrie nach ihm, nach seiner Berührung, nach seiner Nähe. Ich war nicht nur aufgeregt, sondern tief berührt von dem, was vor uns lag.

Julian ließ mich vorsichtig auf den Boden gleiten, aber seine Hände blieben auf meinen Hüften. Sein Blick wanderte langsam über mich – von meinen Augen über mein Gesicht, meinen Hals, mein Hochzeitskleid. Er fuhr mit seinen Fingern über den Stoff, so sanft, dass es mir eine Gänsehaut bescherte.

When we meet againWhere stories live. Discover now