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Sophia und Kai kamen am späten Mittwochabend an, als es schon fast dunkel war. Wir hatten uns noch kurz unterhalten, aber weil sie beide einen langen Flug hinter sich hatten, fielen sie ziemlich schnell ins Bett. Das hatte ich ihnen nicht übel genommen, wir würden ja die nächsten Tage noch genug Zeit zum Quatschen haben. Es war irgendwie surreal, dass alles so schnell ging. Zwei Tage bis zur Hochzeit – und noch immer dieses Kribbeln im Bauch. Ich hatte das Gefühl, dass die Zeit wie im Flug verging, als könnte ich es nicht ganz fassen, dass ich bald Julian heiraten würde.

Am Donnerstagmorgen, nach einer kurzen Tasse Kaffee und einem schnellen Frühstück, machte ich mich zusammen mit Sophia auf den Weg zum Brautmodengeschäft. Das war der Tag, an dem ich mein Kleid noch einmal anprobieren musste. Der Termin war fest eingeplant, alles sollte endgültig passen, aber irgendwie konnte ich nicht verhindern, dass die Nervosität in mir hochstieg. Was, wenn es nicht mehr richtig saß? Oder wenn es mir doch nicht mehr gefallen würde?

„Ich bin echt nervös", murmelte ich, als wir im Auto auf dem Weg zum Geschäft waren.

„Das geht vorbei, sobald du das Kleid siehst, du wirst sehen", sagte Sophia mit einem fast schon mutigen Lächeln und schaltete das Radio leise. Sie schien überhaupt nicht beunruhigt, im Gegenteil. „Du hast das Kleid ausgesucht, du hast alles richtig gemacht."

„Ja, aber was, wenn es plötzlich... nicht mehr so passt? Oder wenn es mir jetzt doch nicht gefällt?" fragte ich und sah aus dem Fenster. Das Ganze fühlte sich immer mehr wie ein Riesen-Schritt an. Das Kleid war ein riesiger Teil dieses ganzen Vorhabens. Ich konnte den Gedanken kaum ertragen, dass es in den letzten Momenten noch schiefgehen könnte.

Sophia drehte sich zu mir und stieß mir mit dem Ellbogen in die Seite. „Du machst dir viel zu viele Gedanken. Vertraue mir, du wirst großartig aussehen. Und falls es irgendwie nicht passt, dann bekommen wir das auch noch hin. Aber du wirst sehen, das wird perfekt."

Wir parkten vor dem Geschäft und gingen zusammen hinein. Die Atmosphäre war genauso beruhigend wie beim letzten Mal. Als wir die Tür öffneten, kam Marie, die Verkäuferin, sofort auf uns zu, mit einem strahlenden Lächeln.

„Ah, ihr seid wieder da! Ich freue mich so, euch zu sehen. Kommt rein, wir haben alles vorbereitet!", sagte sie, ihre Stimme klang immer so freundlich und beruhigend.

„Hallo, Marie!", sagte ich und zwang mich zu einem Lächeln. Aber die Nervosität war immer noch da, drückte mir auf die Brust.

„Bereit, das Kleid nochmal zu probieren?" fragte sie mit einem spürbaren Lächeln, als sie uns zu dem Bereich führte, wo mein Kleid hing.

„Ich hoffe, es passt", antwortete ich, meine Stimme zitterte ein bisschen, obwohl ich versuchte, cool zu wirken.

Sophia klopfte mir leicht auf den Rücken. „Wirst du schon sehen, keine Panik. Es wird alles gut."

„Genau, mach dir keinen Kopf", sagte Marie, als sie das Kleid vorsichtig vom Haken nahm. „Es wird wieder perfekt sitzen, da bin ich mir sicher."

Doch als ich in das Kleid schlüpfte, merkte ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Es fühlte sich... eng an. Zu eng. Ich drehte mich vorsichtig vor dem Spiegel und spürte die Unruhe in mir aufsteigen. Das Kleid saß nicht wie beim letzten Mal.

„Marie, stimmt etwas nicht?", fragte ich unsicher und trat näher an den Spiegel.

Marie trat ebenfalls näher, betrachtete mich und runzelte dann die Stirn. „Das ist seltsam", murmelte sie. „Es sollte wirklich perfekt passen. Wir haben die Maße doch so genau genommen, ich habe es auch extra so angepasst, wie wir es besprochen hatten."

„Es ist wirklich viel zu eng hier oben", sagte ich und deutete auf die Brustpartie. „Und es fühlt sich auch an, als ob es hier am Oberkörper viel enger sitzt als vorher."

When we meet againWhere stories live. Discover now