Ich wachte auf, noch bevor mein Wecker klingelte. Nicht, weil ich ausgeschlafen war, im Gegenteil. Ich hatte kaum geschlafen. Mein Kopf war voll mit Gedanken wegen diesem einem Spiel. Das Spiel, das alles entscheiden würde.
Was, wenn wir verlieren? Was, wenn es nicht reicht? Keine Champions League nächste Saison. Keine großen Nächte unter Flutlicht. Keine Reise zu den besten Teams Europas. Ich wollte gar nicht erst daran denken, wie sich die Jungs fühlen mussten. Ich war ja nur Betreuerin, aber selbst mir schnürte allein der Gedanke daran die Kehle zu.
Ich zog die Decke über meinen Kopf und versuchte, mich zu beruhigen. Tief durchatmen. Es bringt nichts, sich jetzt schon verrückt zu machen. Aber das war leichter gesagt als getan.
Nach ein paar Minuten gab ich es auf, stand auf und schlurfte ins Bad. Kaltes Wasser ins Gesicht. Vielleicht half das gegen das beklemmende Gefühl in meiner Brust. Ich starrte mein Spiegelbild an. Ich sah müde aus, kein Wunder.
Nach einer schnellen Dusche und einer Tasse Kaffee, die ich mehr runterkippte als genoss, zog ich mich an. Ich versuchte, mich irgendwie auf etwas anderes zu konzentrieren, aber egal, woran ich dachte, mein Kopf landete immer wieder beim Spiel.
Als ich meine Sachen nahm und zur Tür ging, vibrierte mein Handy. Eine Nachricht von Julian.
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Guten Morgen. Nervös?
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Ich seufzte und tippte zurück:
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Sehr.
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Fast sofort kam eine Antwort.
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Vertrau uns.
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Ich biss mir auf die Lippe und steckte das Handy ein. Ja, ich vertraute ihnen. Aber Fußball war manchmal einfach unberechenbar. Das haben wir in den letzten Wochen leider viel zu oft zu spüren bekommen.
Eine halbe Stunde später stand ich mit den Jungs am Trainingsgelände. Keiner redete viel. Man konnte die Anspannung in der Luft spüren. Normalerweise war hier immer jemand, der einen dummen Spruch brachte oder eine kleine Kabbelei anfing. Aber heute? Nichts.
Als der Mannschaftsbus endlich vorfuhr, stiegen alle ein, und die Stille begleitete uns weiter. Ich setzte mich ans Fenster und beobachtete die Stadt, während wir Richtung Stadion fuhren. Neben mir saß Nico, die Arme verschränkt, den Blick starr nach vorne gerichtet. Julian saß ein paar Reihen vor mir, die Kopfhörer auf den Ohren, das Bein wippte leicht.
Niemand sagte ein Wort. Keine Musik, kein Gelächter, nicht mal ein Flüstern. Nur das leise Brummen des Motors und das dumpfe Rumpeln der Straße unter den Reifen.
Mir wurde noch bewusster, was dieses Spiel bedeutete. Es ging nicht nur um Punkte. Es ging um alles. Es ging um das Internationale.
Als wir schließlich am Stadion ankamen, war die Stille fast schon erdrückend. Normalerweise wären die Jungs sofort ausgestiegen, hätten gelacht, sich aufgewärmt, vielleicht ein paar Späße gemacht. Heute nicht.
Ich nahm meine Tasche und stieg als eine der Letzten aus. Die Jungs gingen direkt in die Kabine, und ich folgte ihnen mit ein paar Schritten Abstand. Niemand redete. Jeder war in seinen eigenen Gedanken gefangen.
In der Kabine wurde es nicht besser. Manche saßen einfach nur da, starrten auf den Boden oder an die Wand. Andere schnürten ihre Schuhe zu, als wäre das das Einzige, worauf sie sich konzentrieren konnten. Ich lehnte mich an die Wand, verschränkte die Arme vor der Brust und beobachtete sie.
Dann kam Edin.
Er stellte sich in die Mitte der Kabine, ließ seinen Blick über die Mannschaft schweifen und wartete, bis ihn alle ansahen. Als er sprach, war seine Stimme ruhig, aber bestimmt.
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When we meet again
Fiksi PenggemarOlivia hat in ihrem Leben mehr Kämpfe ausgefochten, als sie zählen kann. Aufgewachsen, immer mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen, statt wirklich zu leben. Julian, den sie wegstößt, weil sie glaubt, nicht gut genug zu sein. Julian, mit dem sie v...
