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Als ich zurück zum Trainingsgelände komme, sehe ich, dass die Jungs immer noch fleißig trainieren. Die Luft fühlt sich irgendwie klarer an, als hätte der kurze Moment für mich geholfen. Nico bemerkt mich sofort und kommt auf mich zu.

„Alles gut bei dir?", fragt er, als er mein leichtes Lächeln sieht.

Ich nicke und versuche, die Sache schnell abzuhaken. „Ja, danke. Es geht besser", sage ich und schiebe ihm ein dankbares Lächeln zu.

„Gut zu hören", meint er und klopft mir auf die Schulter, bevor er wieder zurückgeht. Ich bleibe einen Moment stehen, atme tief durch und versuche, mich zu sammeln. Es ist alles okay. Wirklich.

Ich gehe zurück, die Wasserflaschen verteilen und alles für das Training vorbereiten. Die Jungs machen gerade eine kurze Pause, lachen miteinander und plaudern über irgendetwas. Ich schaffe es, mich wieder zu konzentrieren, auch wenn dieser kurze Moment des Unwohlseins noch immer in meinem Hinterkopf bleibt. Aber jetzt ist alles wieder normal.

Die restliche Zeit beim Training verläuft ziemlich ruhig. Julian bleibt weiterhin distanziert. Nicht einmal eine Wasserflasche nimmt er von mir, was mich irgendwie kränkt, aber ich versuche, es nicht anmerken zu lassen. Ich bleibe professionell, verteile die Flaschen an die anderen und lasse die Situation einfach an mir abprallen.

Als das Training zu Ende ist, versammeln sich alle in der Kabine für das kurze Teamgespräch.

Edin steht vor uns, alle haben sich versammelt, und die Stimmung ist eigentlich ganz entspannt. Er schaut einmal kurz durch die Runde, dann beginnt er zu sprechen. „Ich muss nochmal sagen, wie gut jeder heute dabei war. Das hat echt Spaß gemacht. Morgen sehen wir uns alle noch mal bei der Hochzeit von Olivia und Julian."

Ich spürte plötzlich einen Kloß in meinem Hals. Die Tränen steigen mir in die Augen, auch wenn ich es unbedingt vermeiden will. Es tut einfach so weh, an all das zu denken, was noch vor ein paar Tagen so klar war. Ich drehe mich schnell weg, versuche, das Gefühl runterzuschlucken, aber irgendwie will das nicht so recht gelingen.

Ich will einfach raus aus der Kabine, so schnell wie möglich, um mich zusammenzureißen. Doch gerade als ich zur Tür gehe, höre ich Julian sprechen. „Die Hochzeit wird nicht stattfinden."

Ich bleibe abrupt stehen. Was? Die Worte hängen wie ein Schlag in der Luft. Es dauert einen Moment, bis der Raum wirklich still wird. Die Jungs starren zuerst ihn, dann mich an. Nico schaut ratlos, Mats zieht fragend eine Augenbraue hoch und Edin scheint das Ganze irgendwie auch nicht zu fassen.

„Was? Wie jetzt?", fragt Nico, fast schon zu leise, als ob er es nicht glauben kann.

„Ich hab's mir anders überlegt", sagt Julian in einem Ton, der so kalt klingt, dass es mich fast erstarrt.

„Aber, Julian, morgen...", sagt Mats und schaut ihn dann entsetzt an. „Du hast doch allen erzählt, dass es morgen die Hochzeit ist!"

Julian zuckt mit den Schultern, als ob es das Einfachste auf der Welt wäre. „Es gibt da einfach zu viele Sachen... wir verschieben das."

Ich merke, wie alle Blicke auf mir lasten. Die Jungs wissen nicht, was sie sagen sollen, keiner weiß, wie er reagieren soll. Edin sieht von Julian zu mir und wieder zurück, als ob er sich fragt, ob er das wirklich richtig gehört hat.

Ich kann es nicht mehr ertragen, diese Blicke, die verwirrten Gesichter. „Ich... ich muss raus", sage ich und will einfach nur weg. Ich kann mich gerade nicht mehr zusammenreißen, es tut einfach zu weh.

Ich gehe zur Tür, höre noch, wie Nico leise hinter mir ruft: „Olivia, warte..."

Aber ich gehe einfach. Ich brauche frische Luft, ich brauche Raum, um klarzukommen.

When we meet againWhere stories live. Discover now