Ein leises Summen. Stimmen, weit weg.
Dann plötzlich Licht. Grell, blendend, schmerzhaft.
Ich blinzele. Alles ist verschwommen, unscharf, als wäre ich unter Wasser. Mein Kopf fühlt sich schwer an, mein Körper ... fremd. Ich will mich bewegen, aber mein Körper gehorcht mir nicht richtig. Es ist, als würde ich durch dichten Nebel treiben, irgendwo zwischen Traum und Realität.
Dann höre ich es.
„Scheiße. Sie ... sie wacht auf."
Die Stimme ist erst unklar, dann kommt sie näher. Ich blinzele erneut, kämpfe mich durch die Schwere, und langsam schälen sich Gesichter aus dem Licht.
Drei Gestalten. Erst nur Umrisse, dann erkenne ich sie.
Karim steht am nächsten am Bett, die Augen weit aufgerissen, als hätte er gerade etwas vollkommen Unwirkliches gesehen. Neben ihm Nico, der sich abrupt aufrichtet, als könne er nicht glauben, was er sieht. Und dann ... Mats. Der still dasteht, den Blick fest auf mich gerichtet, als versuche er herauszufinden, ob ich wirklich da bin oder ob sein Verstand ihm einen Streich spielt.
Ich versuche, meinen Mund zu öffnen, etwas zu sagen, aber meine Kehle ist trocken, als hätte ich tagelang nichts getrunken. Ein Kratzen, ein mühsames Räuspern, mehr bekomme ich nicht hin.
„Olivia?" Karims Stimme ist vorsichtig, als könne jede falsche Bewegung mich wieder in die Dunkelheit reißen. „Hörst du mich?"
Ich will nicken, aber mein Körper fühlt sich so träge an, so schwer. Also blinzele ich nur, langsam, mühsam.
Karim stößt hörbar die Luft aus, dreht sich dann ruckartig zu Mats und Nico. „Holt jemand eine Ärztin! Jetzt!"
Nico zögert keine Sekunde, stürmt aus dem Raum, während Mats immer noch regungslos dasteht. Sein Blick ist ernst, angespannt.
Ich will etwas fragen. Will wissen, wo ich bin, warum ich hier bin, was passiert ist. Aber die Worte kommen nicht. Nur ein leises, heiseres Kratzen.
Karim setzt sich auf die Bettkante, vorsichtig, als hätte er Angst, mich zu verletzen. „Ganz ruhig", sagt er leise. „Du bist im Krankenhaus. Du ..." Er bricht ab, holt tief Luft. „Du hattest einen Unfall."
Unfall.
Das Wort prallt gegen mich, aber es fühlt sich fremd an. Wie eine vage Erinnerung, die ich nicht richtig greifen kann.
Ich schließe die Augen, versuche mich zu konzentrieren. Bilder flackern auf. Regen. Straßenlichter. Der Druck auf meiner Brust, als etwas von der Seite kommt. Ein Aufprall. Dann ... nichts mehr.
Als ich meine Augen wieder öffne, sieht Karim mich eindringlich an. „Du warst eine Woche im Koma, Olivia." Seine Stimme ist rau, als wäre es ihm selbst erst jetzt wirklich bewusst.
Eine Woche.
Mein Herzschlag beschleunigt sich, ein dumpfes Pochen in meinem Kopf.
„Es ..." Ich versuche zu sprechen, aber es kommt nur ein krächzender Laut. Mats reicht mir wortlos eine Wasserflasche, öffnet sie, hält sie mir hin. Ich nehme einen winzigen Schluck. Das Wasser ist kühl, tut weh in meinem trockenen Hals, aber es hilft.
„Es tut mir leid", flüstere ich schließlich.
Karim runzelt die Stirn. „Was?"
Ich schlucke mühsam. „Dass ihr euch Sorgen gemacht habt."
Für einen Moment ist es still. Dann schnaubt Karim leise, aber es klingt nicht nach echter Erleichterung. Eher nach dieser Art von Frust, die entsteht, wenn jemand, den man liebt, sich selbst nicht genug wertschätzt.
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When we meet again
FanfictionOlivia hat in ihrem Leben mehr Kämpfe ausgefochten, als sie zählen kann. Aufgewachsen, immer mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen, statt wirklich zu leben. Julian, den sie wegstößt, weil sie glaubt, nicht gut genug zu sein. Julian, mit dem sie v...
