Samstagmorgen.
Heute hätten wir „Ja" gesagt.
Der Gedanke fühlt sich wie ein stechender Schmerz an. Ich starre an die Decke und versuche, meinen Geist zu ordnen, doch er ist ein einziges Chaos. Mein Kopf fühlt sich schwer an, der Körper erschöpft. Aber Schlaf? Den gab es nicht. Wie auch? Nach allem, was passiert ist?
Ich drehe mich zur Seite und greife nach meinem Handy, meine Finger zögern, als würden sie wissen, was mich erwartet. Mein Herz setzt einen Schlag aus, als ich die Nachricht von Julian auf dem Display sehe. Ein langer Text. Ein elend langer Text.
Langsam entsperre ich das Display und beginne zu lesen. Die Worte, die er in seine Nachricht gepackt hat, fühlen sich wie eine ungewollte Reise durch all meine Gefühle an.
—
Livi,
ich weiß nicht, ob du diese Nachricht überhaupt lesen wirst oder ob du mein Name auf dem Bildschirm siehst und einfach wegklickst. Vielleicht hast du das Handy schon in eine Ecke geworfen und dich entschieden, mich ganz aus deinem Leben zu löschen und ehrlich gesagt, ich könnte es dir nicht mal übel nehmen, wenn du das tust. Ich habe dir so viel Schmerz zugefügt, und ich weiß, dass ich dafür verantwortlich bin. Wenn du nichts mehr von mir hören willst, dann verstehe ich das.
Aber ich hoffe, du liest diese Zeilen trotzdem.
Ich habe die ganze Nacht nachgedacht, fast die ganze Zeit. Über alles, was passiert ist, über uns, über dich. Und je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, wie sehr ich dich enttäuscht habe. Und wie sehr ich mich selbst enttäuscht habe. Ich habe dich verletzt, Livi. Ich habe dir Vorwürfe gemacht, dich unterbrochen, dir nicht die Chance gegeben, dich zu erklären. Ich habe deine Worte nicht gehört, weil ich mich nur mit meinen eigenen Ängsten beschäftigt habe. Aber du, du hast immer nur versucht, uns zu retten, uns eine Chance zu geben. Und ich habe dich einfach verletzt, als du das allerwenigste von mir gebraucht hast: Verständnis und Geduld.
Ich weiß, dass keine Entschuldigung die Wunden heilen kann, die ich dir zugefügt habe. Worte allein sind zu wenig, um das Vertrauen wieder aufzubauen, das ich zerbrochen habe. Aber wenn du mich fragst, was ich tun kann, dann gibt es nur eine Antwort: Ich werde warten. Solange du es brauchst. Solange du mir die Chance gibst, dir zu beweisen, dass ich es besser machen kann. Dass ich dir die Liebe gebe, die du verdienst, ohne Zweifel, ohne Vorwürfe, ohne diese verdammten Ängste.
Du bist die Frau, die ich liebe, Livi. Die Frau, die ich immer lieben werde, auch wenn du das gerade vielleicht nicht sehen kannst. Es gibt nichts an dir, was ich nicht liebe. Ich liebe dein Lachen, wie es mich immer zum Lächeln bringt, selbst an den schlechtesten Tagen. Ich liebe das Augenrollen, das du machst, wenn ich mal wieder einen dieser dummen Sprüche bringe. Ich liebe die kleinen Dinge, wie du in meinen Armen einschläfst, wie du deinen Kaffee trinkst, als wäre der Tag ohne ihn nicht lebenswert. Ich liebe, wie du mich manchmal in den Wahnsinn treibst, und wie du mich gleichzeitig wieder zur Ruhe bringst, weil du die Ruhe in mir weckst, die ich nicht ohne dich finden kann.
Livi, du bist alles für mich.
Und deshalb werde ich heute da sein, wo wir eigentlich „Ja" sagen wollten. Am Phoenix-See. Ich habe nichts abgesagt. Und jeder, der kommen wollte, wird da sein. Ich werde da sein. Und ob diese Hochzeit stattfindet oder nicht, das entscheidest nur du. Ich werde dort auf dich warten, Livi. Ich werde einfach warten, bis du mir sagst, was du wirklich willst.
Ich weiß, dass es nicht einfach ist. Dass du wahrscheinlich viele Zweifel hast. Aber weißt du, was ich glaube? Ich glaube, dass wir es schaffen können, wenn wir es wirklich wollen. Ich habe diese Zweifel immer mit dir geteilt, aber jetzt weiß ich, dass es nicht nur deine Ängste waren. Es war auch meine Angst, dich zu verlieren, Livi. Meine eigene Unsicherheit, die mich dazu gebracht hat, uns und alles, was wir hatten, infrage zu stellen.
YOU ARE READING
When we meet again
Fiksi PenggemarOlivia hat in ihrem Leben mehr Kämpfe ausgefochten, als sie zählen kann. Aufgewachsen, immer mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen, statt wirklich zu leben. Julian, den sie wegstößt, weil sie glaubt, nicht gut genug zu sein. Julian, mit dem sie v...
