Als ich Zuhause ankam, wollte ich mich erstmal ins Bett legen. Doch als ich in mein Zimmer stürmte, lag da schon Eliah in meinem Bett. Das Fenster war auf Kipp und man konnte das Meer leise rauschen hören. Sein lautes Schnarchen übertönte das Rauschen aber fast.
Seine Schuhe hatte er diesmal Gott sei Dank nicht an. Er hatte ein Loch in seiner Socke - da, wo sein großer Zeh herausguckte. Innerlich musste ich darüber schmunzeln.
Ich ließ ihn fürs erste in Ruhe und ging die Treppen hinab ins Wohnzimmer, um mich zwischen die Zierkissen auf das Sofa zu schmeißen. Dann schaltete ich den Fernseher an. Es lief nichts besonderes, also ließ ich den Kochkanal laufen. Der Koch war ein älterer Herr, der gerade einen Truthanbraten mit einer Gewürzmischung garnierte. Ich aß kein Fleisch, aber lecker aussehen tat es auf jeden Fall.
Als der Koch eine Zitrone über die Rosmarienkartoffeln auspresste, riss mich das Vibrieren meines Handys in die Realität zurück. Ich kramte es aus meiner Hosentasche und schaute auf das Display.
Was genau hat er getan? kam es von Jareds Nummer. Ich hatte sie immer noch nicht eingespeichert, änderte das aber schnell. Ich speicherte ihn nicht unter Jared sondern unter Idiot - sein Zweitname - ein und grinste in mich hinein.
Ich wusste direkt, dass er von Vince redete. Ist doch nicht wichtig, schrieb ich zurück, solange ich es für mich behalte.
Jetzt machte ich mir aber ernsthafte Sorgen um Jared. War er bei Vince? Was hatte er vor? Aus Angst, sie würden wieder eine Prügelei anfangen, fügte ich schnell hinzu: er hat sich im Bus nur neben mich hingesetzt.
Das hörte sich harmloser an, als es sich angefühlt hatte. In diesem Moment hatte ich wirklich Angst vor ihm gehabt. Das mit dem ungewollten Streicheln und dem Pokniff erwähnte ich nicht, da es mir zu peinlich war, das zuzugeben. Außerdem musste er ja nicht alles wissen. Und vielleicht hätte er von mir erwartet, dass ich mich besser zur Wehr setzte.
Carmen. kam es promt von ihm. Die ganze Wahrheit. Jetzt.
Ich schüttelte den Kopf und drückte auf seine Nummer, um ihn anzurufen.
Nach dem ersten Tuten ging er schon ran.
"Carmen", hörte ich seine Stimme - sie klang außer Atem, aber auch besorgt. Die Art, wie er meinen Namen sagte, jagte mir Schmetterlinge in den Bauch. "Sag mir nicht...", keuchte er, "dass ich ihn umsonst durchgelassen habe."
"Was?!", hörte ich meine schrille Stimme. Vor Schock ließ ich fast mein Handy fallen. Er hatte ihn verprügelt? Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich es ihm nie gesagt. Aber man lernt ja aus Fehlern. Ich hatte es ihm eigentlich nur aus Trotz gesagt, weil er mich gekränkt hatte.
"Willst du mich verarschen?", fragte ich harsch.
"Ich meine es ernst", sagte er. "Sonst komme ich höchst persönlich zu dir und -"
Ich schüttelte ungläubig den Kopf, doch fiel mir ein, dass er das nicht sehen konnte. "Du kannst mich mal", fauchte ich, bevor ich auflegte.
Nur noch eine Stunde bis meine Schicht begann. Ich ging die Treppen hinauf in mein Badezimmer und kämmte mir das Haar.
Dann ging ich in mein Schlafzimmer und näherte mich dem Bett, auf dem Eliah friedlich lag und schnarchte. In meinem kleinen Bett wirkte er wie ein Riese im Zwergenbett.
Ich kitzelte ihn am Fuß. Eliah sah so unschuldig aus, wenn er schlief. Ein krasser Kontrast zu seiner wachen Präsenz, die alles andere als unschuldig wirkte. Er zuckte zusammen und trat nach mir, als er seine Augen öffnete. "Was willst du?", pampte er mich an.
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Catch me if I fall
Chick-LitAbgeschlossen ✔️ Er verachtet sie. Er schmeckt sie. Er stürzt sie in den Abgrund. Sie fällt. Wir lagen auf den Rücken und brauchten nichts zu sagen. Ich glaubte, genau das brauchte er gerade - und ich konnte klar verstehen, wieso. Was immer ihn bedr...
