Coffee And Cigarettes

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Der Geruch von Kaffee und Zigaretten weckte mich.

"Du weißt, dass du gestern mein Heroin im Wert von 25$ konsumiert hast. Du kannst froh sein, dass es dich nicht mit deinem Leben bestraft hat."

Auf dem Sessel vor mir saß Eliah mit einem Kaffee in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand.

Er setzte den dampfenden Kaffee auf den Glastisch und zog an seiner Zigarette.

"Es tut mir leid", sagte ich schwach und räusperte mich. Ich richtete mich auf und verspürte einen unbeschreiblichen Durst in mir. Ich lief zur Küche und goss mir am Wasserhahn ein Glas nach dem anderen ein, die ich alle hintereinander austrank.

Mit meinem Handgelenk wischte ich mir über den Mund. Eliah stellte sich in den Türrahmen der Küche und schüttelte tadelnt den Kopf. "Das kommt davon, wenn man einfach Drogen nimmt, von denen man keine Ahnung hat. Das nächste Mal fragst du mich einfach vorher."

Wieder nahm er einen kräftigen Schluck aus seiner Tasse und stellte sie dann auf die Küchentheke. "Und es wird ein nächstes Mal geben."

Das sagte er mit einer übertriebenen Selbstverständlichkeit, die mir wie ein eiskalter Eimer Wasser den Rücken herunter lief.

Ich wusste, dass er Recht hatte. Auch wenn alles in mir nach meinem Verstand flehte.

Auch wenn ich körperlich noch  keine Anzeichen spürte, so konnte ich doch meine Seele danach schreien hören. Ich dachte schon darüber nach, wie es nächstes Mal sein würde.

Ich hatte das Gefühl, dass er Recht hatte.

Und es war schon traurig - im Anbetracht wie lange ich schon lebte, kam kein Gefühl was ich je hatte, auch nur ansatzweise dem nahe, was ich gestern gefühlt hatte.

Nicht mal das Gefühl, das ich bei meinem ersten Cannabis-High auf dem Dach hatte. Nicht einmal mein erster Kuss mit Jared kam auch nur in die Nähe dieses Gefühls.

Auch nicht die Zusage für das Studium. Auch nicht, als ich vor Stolz fast geplatzt bin, als ich das Schwimmen gelernt habe. Auch nicht das Gefühl bei meiner ersten Pyjamaparty und auch nicht das Gefühl, Geburtstag zu haben. Die Momente, die mir so groß erschienen, waren so klein im Gegensatz zu dem Gefühl, das diese Droge mir geschenkt hatte.

***

Bei der Vorlesung von Mr. Harris konnte ich an nichts anderes denken. Und mir war auch aufgefallen, dass ich in dieser Nacht keine Alpträume hatte. Vielleicht sollte ich es wieder zum einschlafen nehmen.

Ich biss mir auf die Lippen. Nein. Das konnte ich nicht machen. Dann würde sich eine Abhängigkeit entwickeln und ich würde nicht mehr ohne können.

"Du wirkst... Anders", kommentierte Barrie, als er sich neben mich setzte.

"Was ist los mit dir? Mal kommst du zur Uni, mal nicht. Wo ist die ambitionierte Carmen, die ihren Träumen folgt?", fragte er und sah mich fragend an.

Als wäre ich ihm eine Erklärung schuldig. Trotzdem wollte ich gerade zur Antwort ansetzen, da unterbrach er mich.

"Und? Hast du mittlerweile ein neues Handy?", setzte er seinen Verhör fort.

Ich schüttelte nur den Kopf. "Nein, nach wie vor kein Handy." Ich brauchte auch ehrlich gesagt keins. Ich hatte nicht einmal Freunde oder Familie, die ich erreichen könnte.

Auch Apps wie Instagram kamen mir unnötig vor. Als würde man nur die schönen Ausschnitte in seinem Leben zeigen - und selbst die nicht ohne Filter oder Photoshop. Vielleicht folgte ich auch nur den falschen Accounts, doch alles kam mir inszeniert vor. Perfektion zum neidisch werden.

Catch me if I fallWo Geschichten leben. Entdecke jetzt