Es war ein recht friedlicher, verschneiter Wintertag. Dicke Flocken tanzten vom Himmel herab und ließen sich auf die Schneeschicht über den Rasen der Vorgärten und den Straßen voller grauen Matsch nieder. Der Schnee auf dem Bürgersteig hatte eine dünnere Schicht. Ich konnte Fußspuren von Männerschuhen und von kleinen Vogelfüßen erkennen.
Ich hatte das Gefühl, zum ersten Mal seit Tagen wieder Licht zu sehen, wieder ein Teil dieser Erde zu sein. Winter luft tat wirklich gut und ich hatte dieses typische Wintergefühl, was man hat, wenn man im Winter spazieren geht, seine Schritte im Schnee knirschen hört und die kühle Luft ein leichtes prickeln im Gesicht hervor ruft.
Der graue Rauch der aus den Schornsteinen kam, stieg zu den weißen Wolken empor – klar, die Kamine wurden hier in der Gegend in dieser Jahreszeit jeden Tag angezündet.
Mein warmer Atem traf auch in Form eines weißen Schleiers auf die elektrische, kalte Luft.
Als ich an der Bushaltestelle ankam, musste ich noch ein paar Minuten warten. Der Bus hatte wahrscheinlich Verspätung wegen der vereisten Straßen. Als er dann endlich kam, stellte ich fest, dass ich fast alleine in diesem Bus war.
Eine junge Frau mit zwei Kleinkindern saß auf einem Viererplatz und hinten in der letzten Reihe, saß ein bildschönes Mädchen meines Alters. Sie war vielleicht ein oder zwei Jahre älter, mehr aber nicht.
Ihre Lippen waren voll und trugen einen matten Ton von dunkelrot. Sie hatte einen sehr symmetrischen Mittelscheitel und ihre langen, dunkelbraunen Haare hingen ihr bis über ihren Schoß. Sie trug einen schwarzen Mantel, eine schwarze skinny Jeans und schwarze, hochhackige Stiefel.
Ich setzte mich auf einen Platz eher Mittig und wartete die zwanzig Minuten ab, bis der Bus in dem Viertel hielt, wo Eliah wohnte. Die Manhattenstreet.
Das Mädchen stieg zufällig an der selben Haltestelle wie ich aus. Und ging hinter mir den selben Fußweg, bis hin zu den Wolkenkratzer, in dem Eliah wohnte. Ich hörte ihre Schritte hinter mir und spürte ihren Blick in meinem Nacken.
Als ich vor dem riesigen, schäbig aussehenden Wolkenkratzer stand, blieb auch sie stehen. Da die untere Tür diesmal nicht auf war, musste ich klingeln.
Ich suchte Eliah Nachnamen – Rex – und presste meinen Finger auf die Klingel. Drei Mal hintereinander – unser Geheimcode.
Als ich mich umdrehte, um zu schauen, ob das Mädchen immer noch hinter mir stand, kreuzten sich für einen ganz kleinen Moment unsere Blicke – mit einer so starken Intensität, als würden wir uns kennen. Dann machte sie prompt auf dem Absatz kehrt und ging den ganzen Weg wieder zurück. Ich zog meine Stirn in Argwohn zusammen.
Die Tür ließ sich nun öffnen und ich lief die Treppen hinauf. Eliah hatte die Wohnungstür einen Spalt weit für mich auf gelassen. Ich trat ein, zog meine nassen Stiefel und meine Winterjacke aus und hing sie an den Kleiderhaken im Flur, obwohl es nicht viel wärmer war als draußen.
Ich ging ins abgedunkelte Wohnzimmer, was mir so vertraut war, als wäre es mein eigenes. Der würzige Duft von Cannabis lag in der Luft und auf dem Glastisch stand der Aschenbecher voll mit Stummeln von Zigaretten und Haschzigaretten.
"Hast du kein schlechtes Gewissen", kam es vom Sofaende, von dem Eliah aus Heroin kochte. Ich konnte es nicht ansehen, suchte den Augenkontakt, doch fand ihn nicht.
„Ich wollte nur fragen, wie es dir geht. Ob alles noch gut ist ... zwischen uns?"
Er lachte zynisch auf, ohne mich auch nur einmal angesehen zu haben. Dieser Typ trug Desinteresse wie ein Accessoire. „Mir geht es wie immer, Carmen. Als ob du das nicht wüsstest. Es ist gerade Mal einen Monat her, seit dem wir uns das letzte Mal gesehen haben. Ob alles gut zwischen uns ist? Naja, war denn überhaupt mal alles gut zwischen uns? Ich glaube nicht das irgendwas an unserer Beziehung rütteln könnte. Kein Monat, auch nicht zwei Jahre. Auch kein Streit. Wir werden uns immer so begegnen, als hätten wir uns gestern erst gesehen."
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Catch me if I fall
ChickLitAbgeschlossen ✔️ Er verachtet sie. Er schmeckt sie. Er stürzt sie in den Abgrund. Sie fällt. Wir lagen auf den Rücken und brauchten nichts zu sagen. Ich glaubte, genau das brauchte er gerade - und ich konnte klar verstehen, wieso. Was immer ihn bedr...
