Ich sah mich um und konnte außer den Weiten des Meeres nichts erkennen. Weit und breit sah ich kein Ufer, auf das ich zu schwimmen konnte. Die Wellen wurden immer größer und schienen mich herunterzuschlucken. Das Wasser war eiskalt und bohrte sich wie tausende Nadelstiche in mein Fleisch.
Etwas zog mich nach Unten, bis mir die Luft abgeschnitten wurde und ich nur schwarz vor Augen sah. Ich versuchte nach Luft zu schnappen, doch war das einzige, was meine Lunge füllte, kratzendes, schweres Wasser, was mich nur noch tiefer auf den Grund des Meeres zog.
Mit aller Kraft strampelte ich nach oben, doch es war mir einfach nicht möglich, egal wie stark ich es versuchte. Irgendwas griff nach meinem Handgelenk und zog mich mit einem Ruck an die Oberfläche, wo ich gierig und großzügig nach Luft schnappte.
Smaragdgrün blickte mir trüb und traurig ins Gesicht. Ohne zu wissen wie, lag ich plötzlich in seinen starken Armen. Nichts fühlte sich wärmer und wohliger an, als seine Arme um mich zu haben. Doch – eine Sache gab es da, die dieses Gefühl toppte. „Du stirbst mir weg", flüsterte er so dicht an meinen Ohr, dass ich
aufschreckte. Schweißgebadet, als wäre ich gerade wirklich in diesem Ozean ertrunken. Ich war ernsthaft auf einer Bank nahe der Tankstelle eingeschlafen - und das trotz dieser eisigen Kälte.
Ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken, als ich realisierte, wie einsam ich eigentlich war. Ich hatte Niemanden.
Eliah war mein Zuhause und jetzt konnte ich mich nicht mal mehr darauf verlassen. Doch auch mit ihm hatte ich mich allein gefühlt. Allein, aber mit so viel mehr Selbstakzeptanz.
Er hatte mich in die Hölle geführt und das absurde daran war, dass er sie so wie ein Zuhause für mich gestaltete. Ich wusste, dass seine Tür immer offen für mich stand.
Ein kurzer Fick mit ihm und ich wäre wieder drauf. Ich wäre wieder in der Hölle, die sich als Himmel tarnte. Mein letzter Schuss war vor fünf Stunden und ich spürte langsam dieses unangenehme Kribbeln unter meiner Haut.
Doch Jared in meinem Traum gesehen zu haben, hatte etwas bittersüßes an sich.
Ich erhob mich und ging auf das Haus der Tankstelle zu. Meine Glieder schienen alle taub zu sein, ich war kurz vor dem Erfrieren. Mein ganzer Körper bebte vor Kälte.
"Ach du meine Güte", hörte ich eine mir nur all zu bekannte, helle Stimme. "Carmen!"
Ich drehte mich um und sah sie auch schon. Wie sie den Schlauch der Zapfsäule fallen ließ und auf mich zu rannte, mit ihrem Fake-Pelzmantel und perfekt gestylten, braunen Haaren.
Vanessa zog mich in eine Umarmung, die ich nur genießen konnte. Diese Wärme, die von ihrem Mantel Ausgang, zusammen mit dem Duft ihres süßen Vanillaparfüm, gaben mir das Gefühl, an einem sicheren Ort zu sein.
"Ich hab dich so vermisst!", rief sie, obwohl ich direkt vor ihr stand. Ich konnte immer noch nicht sprechen. Ich war zu überfordert mit dieser Situation.
"Bist du allein hier?", fragte sie.
Ich nickte.
Sie weitete ihre schönen, braunen Augen. "Wo ist dein Auto?"
Ich blieb stumm. Ich wusste nicht, ob ich sie dafür schlagen sollte, dass sie einfach ohne ein Wort geflohen war, oder ob ich sie umarmen und nie wieder loslassen soll, dafür, dass sie gerade jetzt hier bei mir war.
"Sag nicht, du bist ohne Auto hier...", sagte sie ungläubig und streifte meine Oberarme mit ihren warmen Händen. Ihre Fingernägel waren im transparentem rosa und lang, wie immer perfekt.
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Catch me if I fall
Chick-LitAbgeschlossen ✔️ Er verachtet sie. Er schmeckt sie. Er stürzt sie in den Abgrund. Sie fällt. Wir lagen auf den Rücken und brauchten nichts zu sagen. Ich glaubte, genau das brauchte er gerade - und ich konnte klar verstehen, wieso. Was immer ihn bedr...
