Haunted Wheel

3.7K 117 12
                                        

Jared fuhr die nächste Abfahrt von der Autobahn herunter. Auf grünen Schildern stand mit weißer Schrift geschrieben, dass es nur noch ein paar Meilen bis nach Wildwood war.

Gemischte Gefühle begannen in mir zu brodeln. Zum einen war Wildwood ein Ort, an dem ich viele schöne Erinnerungen gesammelt hatte - zum anderen ein Ort, an dem etwas passiert ist, an das ich nicht gerne zurück dachte. „Wir fahren nach Wildwood?", fragte ich.

„Lass dich überraschen", sagte er und versuchte nicht zu lächeln.

Nach weiteren 10 Minuten fuhren wir in Wildwood ein. Wir fuhren an Reihenhäusern vorbei, an Alleen, Bäumen, Straßenschildern und Gassen. All das schien mir so ... vertraut. Die Vorgärten kamen mir so bekannt vor.

In mir begann es zu kribbeln - ein elektrisches Kribbeln, welches sich über meinen ganzen Körper ausbreitete. Ich konnte es nicht wahrhaben.

Das hier war unmöglich echt. Diese Gegend in Wildwood war mir bekannt, doch hatte ich sie lange verdrängt.

„Jared?",fragte ich und merkte, dass meine Stimme kehlig und rau klang. Ich hatte keine Luft mehr geschnappt, nach dem mir bewusst wurde, wo ich gerade war.

Es war nicht der Fakt, dass wir uns gerade in North Wildwood befanden. Es war die große Aufgeregtheit darüber, wo genauer er mit mir hin wollte. Das könnte nicht wahr sein.

Der Strand - nicht irgendein Strand - es war der Strand. Der Boardwalk - von weitem konnte ich ihn schon erkennen. Der Boardwalk, der von Freizeitpark zu Freizeitpark führte und voller Attraktionen, Bars, Spielhallen, Eiscafés und Wasserbahnen nur so wimmelte. Ich war Ewigkeiten nicht mehr dagewesen. Nicht mehr nach meinem 6. Geburtstag.

„Das kann unmöglich dein Ernst sein", sagte ich perplex. Ich konnte nicht aufhören, mit dem Kopf zu schütteln. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll."

„Ein Danke reicht", sagte Jared und fuhr auf die Auffahrt eines riesigen Parkplatzes. Er hatte keine Ahnung darüber, was das für mich bedeutete, was es in mir auslöste, hier zu sein.

„Danke", sagte ich voller Ehrfurcht.

Er hielt und zog den Schlüssel. Auf dem Parkplatz parkten sehr viele Autos, jedoch könnten drei Mal so viele Autos auf dem Parkplatz stehen und er wäre trotzdem nicht überfüllt.

Er stieg aus und knallte seine Tür zu. Ich saß auf meinem Sitz wie erstarrt - dabei wartete das Paradies, von mir erkundet zu werden.

Als Jared die Beifahrertür öffnete, holte er mich in die Realität zurück. Er streckte seine Hand nach meiner aus und führte mich aus dem Auto.

Vielleicht musste ich lernen, loszulassen. Über meinen Schatten zu springen und Vergangenes Vergangenes sein zulassen, ohne dass es meinen jetzigen Gefühlszustand beeinflusste. Ich nahm meine Herzförmige Sonnenbrille aus meiner Tasche und setzte sie auf.

Wie paralysiert ging ich neben Jared  auf den Boardwalk zu. Ich wollte ihm nichts von meinem inneren Gefühlschaos wissen lassen. Wieder hier zu sein, ließ mich verschiedene Emotionen auf einmal durchleben. Aber das Gefühl der Nostalgie überwog am stärksten.

Nostalgie war bloß eine Mischung aus Gefühlen. Dankbarkeit und Liebe, für den Moment, der geschehen ist. Tiefe Trauer dafür, dass dieser Moment für immer in der Vergangenheit bleibt und nie wieder erlebt werden kann.

Der Boardwalk war nicht wirklich mit Menschenmassen überfüllt - was mich ziemlich erleichterte.

Trotzdem begannen meine Augen leicht zu brennen. Wenn meine Augen jetzt glasig waren, würde er es durch die leicht verdunkelten, rosafarbenen Gläser meiner Sonnenbrille nicht sehen. Die Touristenshops an denen wir vorbei gingen, erschienen mir wie eine Illusion aus der Vergangenheit.

Catch me if I fallWo Geschichten leben. Entdecke jetzt