Als ich am nächsten Tag zu Fuß zur Uni ging und dabei ab und zu an meinem umweltfreundlichen To-Go Becher mit grünem Tee nippte, gesellte sich zu meiner Überraschung Barrie zu mir und begleitete mich.
"Ness hat mir erzählt, dass du neu hier hin gezogen bist", erzählte er beiläufig. "Komischerweise wirkst du nicht so. Du wirkst wie das geborene New Jersey Girl."
Ich grinste über seine Formulierung. "Woran machst du das fest?"
"An die Art, wie du dich kleidest-" Er deutete auf mein Bandshirt und die gerissene Jeans. "An der Art, wie du sprichst. Aber vor allem an der Art, wie du dich hier orientierst."
"Ich bin auch eine Einheimische", sagte ich stolz, wollte aber nicht mehr über meine Lebensgeschichte preisgeben. Dann würde ich wieder dieses ungewollte Mitleid bekommen und jede meiner Antworten würde den Boden für weitere Fragen ebnen.
"Am Freitag spielt meine Band im Ocean Pub, eine Bar an der Jersey Shore."
"Du hast eine Band?“, fragte ich beeindruckt.
Er nickte. "Ja. Ich würde mich freuen wenn du mitkommst."
Oh nein, bitte nicht. Er sah gut aus und war auch wirklich nett. Aber die Regeln meines Vormunds wollte ich auf keinen Fall brechen. Außerdem war ich zu schüchtern. Und noch nicht volljährig.
Ich zögerte und er deutete mein Zögern richtig. "Natürlich musst du nicht", warf er ein. "Ich dachte nur, wegen der Wahl deines T-Shirts..."
Der rote Schriftzug von Panic! at the Dicso zierte mein schwarzes Shirt. "Uhm.. Hörst du auch-?“
Er beantwortete mir die Frage, indem er anfing zu singen: "I chimed in, haven't you people ever heard of, closing the goddamn door-"
Lachend stimmte ich mit ein: "No, it's much better to face these kind of things with a sense of poise and rationality!"
In Gelächter ließen wir den Song ausklingen.
"Du bist echt süß", sagte er, als wir uns wieder einkriegten. Sein Tonfall war ruhig, aber auch gelassen. Einen Moment später wurde uns beiden bewusst, was er gesagt hat.
Mein Grinsen verstummte.
Er räusperte sich, strich über seinen Kopf und sah zur Seite. Auch ich sah zur Seite und lachte leicht. "Äh, danke..."
Noch nie hatte ein Typ das zu mir gesagt. Ich kratzte mich am Nacken. "Also, ich würde ziemlich gerne kommen, aber ich habe keine Zeit. Ich muss noch meine restlichen Kartons auspacken, für die Uni lernen und mir einen Job suchen. Aber ein anderes Mal gerne."
In Wirklichkeit würde es kein anderes Mal geben. Schließlich hatte ich eine Ausgangssperre. Und selbst wenn ich diese nicht hätte, würde ich mir irgendeine Ausrede überlegen, nicht zu kommen. Ich war viel zu schüchtern, um in einen Pub zu gehen.
"Kein Problem, wir spielen öfters hier in der Gegend", meinte er achselzuckend.
"Oh. Mein. Gott. Bist du es?! Barrie Orlando?!?! Lunatic Lions?" Einem Mädchen, das in schnellen Schritten auf uns zukam, schien alles aus dem Gesicht zu fallen. Ihre blauen Augen waren weit aufgerissen und ein schwarzes Bandana war um ihren blonden Haarschopf gebunden. Sie trug eine kurze Shorts mit Löchern an den Seiten und ein neongrünes Top mit tiefem Ausschnitt. Sie hob ihre Sonnenbrille an ihren Haaransatz.
"Ja, tatsächlich, der bin ich", sagte er fast verlegen. Als er lächelte, konnte ich seine Grübchen in den Wangen sehen.
"Nice! Ich bin Vicky! Kannst du mir ein Autogramm geben?“
"Klar..", sagte er, sichtlich überfordert mit der Situation. "Wieso nicht?" schon wieder sein bescheidenes Lächeln.
Während die Blondine in ihrer Bauchtasche nach einem Edding kramte, ließ sie ihrer Begeisterung freien Lauf:
"Ich stand in der ersten Reihe. Hast du den Leopard BH erwischt? Ich fand euch wirklich klasse. Ihr werdet es noch zu was bringen, ich habe ein Gespür für sowas."
Barrie nahm ihr den Edding entgegen und öffnete ihn.
Er streckte seine Hand für ein Stück Papier entgegen, aber sie schüttelte den Kopf. "Hier drauf, bitte", sagte sie und deutete auf ihre Oberweite.
Nach einem kurzen Zögern und hilflosen Blick in meine Richtung, nickte er schließlich und legte los.
"Aaaww!! Danke!", quikte das Mädchen und umarmte ihr Idol, als er fertig war. Zögernd legte er auch seine Arme um sie.
"Wir sehen uns am Freitag!“ Trällernd, in die Hände klatschend hüpfte das Mädchen in die andere Richtung.
"Das war... Strange", murmelte Barrie. Wir betraten das große Unigebäude.
"Ich wusste nicht dass du so berühmt bist." Ich nickte ihm anerkennend zu.
"Ich auch nicht." Er zuckte mit den Achseln und lehnte sich an sein Schließfach. "Scheinbar hat das Festival letzte Woche viel geändert."
"Welches Festival?", fragte ich neugierig.
"Letzte Woche wurde am Strand ein Festival veranstaltet. Alle möglichen Bands konnten sich einschreiben und mitmachen. Die Einnahmen wurden für einen guten Zweck an eine Entzugsklinik gespendet."
"Wow, das ist ja cool!"
Barrie zwinkerte mir zu und streifte mit seiner Hand meine Schulter. "Wir sehen uns, Carmen." Dann machte er sich auf den Weg zu seinem Kurs.
In Kursaal setzte ich mich auf die endlos lange Bank. Ich kramte meinen Notizblock und einen Kugelschreiber heraus, bis der Lautsprecher den Dozenten zum Schweigen brachte.
"Carmen Haverlin, bitte erscheinen Sie im Büro. Ich Wiederhole: Carmen Haverlin, bitte erscheinen Sie umgehend im Büro."
Oh Shit.
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Catch me if I fall
أدب نسائيAbgeschlossen ✔️ Er verachtet sie. Er schmeckt sie. Er stürzt sie in den Abgrund. Sie fällt. Wir lagen auf den Rücken und brauchten nichts zu sagen. Ich glaubte, genau das brauchte er gerade - und ich konnte klar verstehen, wieso. Was immer ihn bedr...
