Grey Skies, Green Eyes

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Als ich aufwachte, begrüßte mich der graue Himmel. Aus Gewohnheit wollte ich auf mein Handy schauen, doch erinnerte ich mich daran, dass ich ja gar keins hatte.

Und ich hatte nicht einmal Geld, mir ein neues zu holen. Ich zog mir meine beige Strickjacke über und lief die Treppen herunter. Unten in der Küche lag ein Zettel.

Bin für eine Woche im Einsatz in Miami. Mach keinen Scheiß.
Drew

Daneben lagen 100$. Die broke Seite von mir wollte das Geld nehmen und mir davon ein Handy kaufen - wenn auch nur ein gebrauchtes. Die stolze Seite in mir wollte das Geld nicht einmal ansehen.

Ich dachte daran, mir einen Job zu suchen. Aber ich hatte Zimmerarrest. Ich brauchte das Geld dennoch dringender denn je. Ich war schon über eine Woche ohne Handy. Der Entzug tat mir auf einer Seite zwar gut, aber auf der anderen Seite wollte ich erreichbar sein. Ich kam mir vor, als würde ich auf dem Mond leben. Ohne Handy war es eigentlich unmöglich in Zeiten wie diesen.

Aber - ich war Drew für eine Woche los! Innerlich ließ ich die Korken knallen.

Ich beschloss direkt nach der Uni zum Secondhandhandshop zu gehen, um dort nach einer Stelle zu fragen.

Ich schlüpfte in meine Docs und verließ das Haus.

Auf dem Weg zum Philosophiekurs begegnete ich Barrie.

"Na, Carmen. Wie läuft's?"

"Alles bestens", sagte ich daher. "Und bei dir?"

"Könnte besser nicht sein, jetzt wo ich dich sehe."

Ich verdrehte grinsend die Augen. Was für ein Idiot.

"Wie wärs", sagte er. "Heute Abend - du und ich?" Er hob fragend eine Braue, als er mich ansah. "Es hat ein neues Restaurant an der Jersey Shore geöffnet - hast du Lust, mit mir dahin zu gehen?"

Wenn ich an das neue Restaurant dachte, wurde mir übel. Ich assoziierte es mit Appetitlosigkeit, einem gewalttätigen Vormund und der Chandlers-Family. Zudem hatte die Margarita nicht besonders lecker geschmeckt.

Ich schluckte und wollte gerade antworten, da riss uns eine Stimme hinter uns aus dem Gespräch. Sie klang gelangweilt, aber auch drohend.
"Carmen."

Ich drehte mich um. Und sah in die stechen grünen Augen von Jared. Verächtlich sah ich ihn an. Heiß war er ja, aber mehr auch nicht.

"Was ist?", fragte ich genervt.

Kurz veränderte sich seine Miene von gelangweilt zu überrascht. Zu kurz, denn in einem Bruchteil einer Sekunde war er wieder ganz der Alte.

"Ich will mit dir reden."

Irgendwie kam mir dieser Moment bekannt vor - ich hatte ein Dejavu.

"Ich aber nicht mit dir." Ich wusste nicht, warum ich ihn jetzt noch weniger leiden konnte als vorher.

Lag es an seiner arroganten Art? Oder daran, dass er mir bei meinem Kreislaufzusammenbruch geholfen hatte und ich ihm somit ein Danke schuldete? Aber das war Zivilcourage - das mindeste, was ich von ihm erwarten konnte in solch einer Situation.

Nein, es war etwas anderes. Es war die Art, wie respektvoll er gegenüber Drew war. Das war etwas, was mich bis ins Knochenmark traf und einfach nicht loslies.

Er grinste abfällig und schüttelte leicht seinen Kopf. "Du wirst mit mir reden." Er war sich dessen so bewusst, dass ich das Bedürfnis verspürte, seine Siegessicherheit aus seinem Gesicht zu prügeln.

"Jared", betonte ich seinen Namen äußerst langsam und lobte mich innerlich für meine Geduld. "Du magst mir geholfen haben - Dankeschön. Aber das heißt nicht, dass ich dir jetzt etwas schuldig bin oder so. Ich würde dir am liebsten einfach aus dem Weg gehen, wenn du so freundlich wärst?"

"Carmen", betonte er meinen Namen in genau den Ton, den ich gerade angeschlagen hatte. "Es wäre schön, wenn du deinen BH abholst, den du bei mir vergessen hast." Als er das sagte, sah er mich herausfordernd an. Dann glitt sein Blick rechts von mir. Zu Barrie.

Was? Ich kochte vor Wut. Was dachte er, wer er ist? Wieso tat er das? Für Einen Moment war ich wirklich sprachlos. Er wollte es wirklich so aussehen lassen, als hätte ich mit ihm geschlafen?

Vor Barrie? Er sah zwar unbeeindruckt aus, aber trotzdem.

Ich meine, warum sonst sollte Jared es extra so betonen? Was war sein Ziel? Es standen schon einige Studenten um uns herum und hatten die Situation beobachtet. Wollte er mich demütigen? Wir haben Flaschendrehen gespielt - und ich habe vergessen, den BH mitzunehmen, den ich zum trocknen hatte liegenlassen.

Ich spürte, wie mir die Hitze in die Wangen stieg und knirschte mit den Zähnen. Dann platzte es aus mir heraus, ohne dass ich über den Sinn meiner Worte nachdenken konnte. "Behalte ihn doch als Andenken, du Freak."

Und die Leute um uns herum tuschelten und machten große Augen.

Jared sah nicht mehr aus wie der gelangweilte, unbekümmert Typ, der er eben noch war. Er sah angepisst aus. Wütend. Doch er überspielte es mit seinem ach so süßen Grinsen.

Ich schenkte ihm dieses Grinsen zurück.

Und ging an ihn vorbei in den Kursraum. Gefolgt von Barrie.

Catch me if I fallWo Geschichten leben. Entdecke jetzt