The Knowing

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Ein Alptraum nach dem anderen jagte mich. Jared ist immer wieder mit mir zusammen wach geworden und fragte mich, ob alles in Ordnung sei und ich irgendwas bräuchte. Er war so liebevoll, dass mir das schlechte Gewissen die Kehle zu schnürte.

Ich hatte meinen kalten Entzug schon hinter mir und bin wieder clean gewesen, doch wollte meine Seele immer wieder zurück. Zurück in den Zustand der vollkommenen Glückseligkeit, die ich niemals auf andere Weise herbei rufen könnte. Hätte ich gewusst, dass nach über zehn Tagen Entzug bei erneutem Konsum wieder die ganzen Entzugserscheinungen zurück kommen, hätte ich es auf jeden Fall gelassen. Wer hätte gedacht, dass bei nur einem Rückfall alles wieder von Vorne beginnt?

Mein Magen zog sich zusammen und ich zitterte am ganzen Körper. Ich versuchte es zu unterdrücken, damit Jared nichts davon mitbekam, doch wusste er wahrscheinlich schon längst, was abging.

„Carmen, du glühst ja. Dein Oberteil ist komplett nassgeschwitzt..." Jared streifte mir über den Rücken und ich spürte die klebrige Feuchtigkeit an der Stelle, wo seine Hand entlang fuhr. „Lass mich das ausziehen."

Ich konnte seine Züge kaum erkennen, konnte nur die Wärme seiner Hände auf mir spüren. Er griff den Saum meines Pyjama-Oberteils und zog es mir über den Kopf.

„Ich hab schlecht geträumt ...", krächzte ich leise. „Es ist Vollmond. Ich reagiere besonders empfindlich auf Vollmondnächte." Ich war wirr im Kopf, aber klar genug, um meine Symptome vor Jared zuverbergen. Es zumindest zu versuchen.

Ich konnte seinen Gesichtsausdruck nicht sehen – der ganze Raum war stockdunkel. Er antwortete nicht, doch sein Misstrauen war spürbar. Ich ließ mir nichts anmerken, drehte mein feucht-warmes Kissen um und ließ meinen Kopf auf die kühle Baumwolle gleiten. Nach wenigen Sekunden war ich wieder eingeschlafen.

Ich war in absoluter Dunkelheit gefangen und irgendetwas saß auf meiner Brust und drückte dermaßen auf meine Lungen, so dass ich nur mit Mühe atmen konnte. Ich versuchte mich aufzusetzen, doch blieb ich liegen – so als wäre ich ein schwerer, regloser Stein. Das Gefühl, weder atmen, noch etwas sehen und mich regen zu können, ließ Panik in mir aufsteigen. Dieses unbekannte Erleben erschien mir endlos und ich hatte Angst, für immer so zu verharren. Jared, versuchte ich mit meinen Lippen zu formen, doch hörte ich seinen Namen nur dicht neben mir, so als würde ihn jemand in mein Ohr flüstern und nicht ich ihn selber denken. Ich presste meine Augenlider aufeinander und hoffte, dem so unangenehmen Geschehen ein Ende zu setzen.

Als ich sie wieder aufriss, fand ich wieder Dunkelheit vor mir. Doch ich besaß die Fähigkeit, mich aufzusetzen und mich zu bewegen. Atmen konnte ich auch noch, denn war mein Atem das einzige Geräusch, was ich hören konnte.

Langsam vernahmen meine Augen die Umrisse der Möbel in Jareds Zimmer. Ganz klar konnte ich sie zwar nicht sehen, aber wenigstens konnte ich einschätzen, wo ich mich befand und dieses Wissen beruhigte mich und ließ mich etwas sicherer fühlen.

Das Erleben von gerade saß mir noch in den Gliedern und ich wusste nicht, wie ich diesen Alptraum benennen konnte. Es fühlte sich so real an. Es konnte kein Traum sein, zu hundert Prozent nicht. Ich befand mich an der gleichen Stelle als ich aufwachte, also musste es real gewesen sein.

Ich sah Jared neben mir liegen. Er schien zu schlafen und als ich aus dem Bett stieg, versuchte ich ihn diesmal nicht aufzuwecken. Ich hatte ihm diese Nacht genug Schlaf geraubt. Deshalb tappte ich mich besonders leise bis zur Tür, machte das Flurlicht an und ging ins Badezimmer.

Das erste, was ich tat, war mich im Spiegel zu betrachten. Ich hatte Augenringe bis nach Manhattan und eine schweißnasse Stirn. Ich sah alles andere als gesund aus. Wie eine Untote.

Catch me if I fallWo Geschichten leben. Entdecke jetzt