Mir fehlten einfach die Worte. Für mich war es verwirrend, ihn wieder um mich zu haben.
Warum?
Diese Frage hatte er mir gestellt, doch ich war noch ratloser als er.
Es wäre zu hart, ihm ins Gesicht zu schauen, deshalb richtete ich meinen Blick auf meine Finger. "Warum bist du gegangen?", fragte ich und schluckte. "Und noch wichtiger: Warum bist du wieder hier?"
"Du willst, dass ich ehrlich zu dir bin?", fragte er herausfordernd und rieb sich mit einer Hand über sein Gesicht, während die andere das Steuer festhielt.
Ich nickte.
"Gut", fuhr er fort. Dann zögerte er und machte seine Augen schmal, bevor er mich für einen Augenblick ansah.
Ich nickte ihm zu, damit er endlich erklärte. Doch er nahm sich seine Zeit.
"Vom ersten Moment, als ich dich gesehen habe, habe ich dich gehasst", sagte er und schüttelte traurig den Kopf. "Du warst so kindisch, so naiv, so das Gegenteil von dem, was ich war und womit ich mich umgeben habe. Du hast einfach nicht in meine Welt gepasst."
Zögernd sah er mich an, wahrscheinlich um sicher zu gehen, dass seine Worte mich nicht zu hart verletzten. Ich nickte ihm aufmunternd zu.
Seufzend fuhr er fort. "Doch immer wieder hast du den Weg in meine Welt gefunden. Du warst wie das Gefühl, etwas zwischen den Zähnen zu haben und es einfach nicht loswerden zu können." Mit einer Hand fuhr er sich durch sein dunkles Haar und atmete lang aus. "Und auch als du nicht in meiner Nähe warst. Du warst in meinem Kopf, hast alles, was ich kannte, in Frage gestellt. Als hättest du mich mit deiner Art kontaminiert, habe ich wieder angefangen zu leben."
"Wenn das wahr ist, wieso bist du dann gegangen?", flüsterte ich und hoffte, er hatte mich nicht gehört.
"Weil ich dich nicht ruinieren wollte, verdammt", zischte er. "Ich bin nicht gut für dich, raffst du es nicht? Du warst wie Sonnenlicht für mich. Und ich habe dir nur Regen gebracht. Ich bin kaputt, Carmen. Ich will dich nicht in mein Familiendrama reinziehen."
Ich würde lieber seinen Regen ertragen, als das Sonnenlicht von irgendwem anders. Aber das würde ich ihm jetzt nicht unter die Nase reiben.
"Eliah wusste eher als ich, dass ich mich in dich verlieben würde", fuhr Jared mit zusammengebissenen Zähnen fort. Mein Herz blieb für einen Moment stehen, als er das sagte. "Deshalb hat er dich nach Hause gebracht, am Tag nach meiner Party. Weil er sehen konnte, dass du genau das warst, was ich in meinem Leben brauche."
Hatte er das wirklich gerade gesagt? In mich verliebt? Jared? Meine Atmung wurde zittrig.
"Wieso solltest du mich brauchen?" Anstatt dass dieses Gespräch mir Antworten gab, warf es nur noch mehr Fragen auf.
Er schüttelte wieder seinen Kopf, als er die Spur wechselte und einen roten Mercedes überholte. "Du bist der stärkste Mensch, den ich kenne", sagte er dann. Ich versuchte in seinem Gesicht den Witz zu lesen, doch seine Lippen waren ernst aufeinander gepresst und seine Augen starrten wüst auf die Straße vor uns.
Ich lachte verächtlich auf. Das sollte doch ein Witz sein. Wollte er mich verarschen? "Gut. Wir können das Reden auch ganz sein lassen, wenn du mich nur verarschen willst", sagte ich und biss mir enttäuscht auf die Lippe.
Er ignorierte meine Aussage komplett, hob nur seine Augenbrauen an und erzählte weiter. "Deine Mom ist gestorben. Du bist bei einem Dad groß geworden, der nie ein richtiger Vater sein konnte und dich Sachen hat sehen lassen, die für Kinderaugen nicht zu sehen sein sollten. Der jetzt im Gefängnis sitzt und dich allein zurück gelassen hat. Du ziehst zurück nach New Jersey und wirst direkt von Stace und mir schikaniert. Und trotzdem bist du immer optimistisch, siehst das gute im Leben und ergreifst deine Chancen. Du gehst zur Uni, strebst ambitioniert deinen Träumen nach, so als würde dein Leben nicht das reinste Chaos sein. Du strahlst Frieden aus, obwohl dein Leben die reinste Kriegszone ist. Du siehst dich nicht als Opfer an, sondern als jemand, der sein Leben selbst aktiv gestalten kann. Ich habe dich beneidet, Carmen."
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Catch me if I fall
Chick-LitAbgeschlossen ✔️ Er verachtet sie. Er schmeckt sie. Er stürzt sie in den Abgrund. Sie fällt. Wir lagen auf den Rücken und brauchten nichts zu sagen. Ich glaubte, genau das brauchte er gerade - und ich konnte klar verstehen, wieso. Was immer ihn bedr...
