Sydney:
Ich saß einfach immernoch in der selben Position und starrte auf den roten Stoff, das auf meiner Haut klebte. Auch wenn ich es wegen den Tränen nicht wirklich erkennen konnte.
Ich wollte es nicht anziehen. Ich wurde dazu gezwungen.
Logischerweise.
Ich hatte weder vorgehabt, eine Dusche zu nehmen, noch dieses Ding hier anzuziehen.
Aber einer dieser Gorillas war reingekommen. Und als er gesehen hatte, dass ich immernoch nicht bereit bin hatte er Fernando höchstpersönlich gerufen.
Und ich glaube, es ist verständlich, dass ich mich dann schließlich selber geduscht und angezogen hab, als auf sein Vorschlag einzugehen und mich von ihm alles machen zu lassen.
Obwohl ich mir ja eigentlich so gut wie bewusst war, dass es keine Flucht mehr für mich gab und er mich dann schlussendlich irgendwann doch nackt sehen würde.
Der Gedanke bescherte mir eine Gänsehaut und ich weinte noch mehr.
Wie schon vermutet war das Kleid auch eng und bedeckte nur geradenoch so meinen Hintern, als müsste man an Stoff sparen.
Ich wischte mir schluchzend über die Wangen.
Alles was mir Matteo bis jetzt angetan hatte, war halb so schlimm wie das alles hier. Und es würde noch schlimmer kommen. Das wusste ich.
Und obwohl ich Matteo eigentlich verbascheute, wollte ich neben ihm sein.
Ob er sich schon auf den Weg gemacht hatte, mich zu finden?
Ob er schon wusste wo ich war?
Oder hatte er es gar nicht erst vor, mich hier rauszuholen?
Die Tür ging auf und der Gorilla von vorhin kam rein.
Kurz hob er leicht die Augenbraue, als er mein Anblick sah. Ich hatte das Gefühl, dass er leicht grinste, was aber sofort aus seinem Gesicht verschwand.
Er kam auf mich zu und zog mich auf die Beine.
Kurz verlor ich dabei den Halt wegen den verdammten High Heels.
Als er nach meinem verletzten Arm griff, das jetzt in einem frischen Verband steckte, zischte ich auf.
Er beachtete mich jedoch nicht, bis ich auf seine Hand schlug.
,,Du tust mir weh!", zischte ich ihn an.
Genervt seufzte er auf und griff diesmal nach meinem anderen Arm.
Nur wiederwillig ließ ich mich mitziehen.
Ich fühlte mich unwohl in dem Kleid. Die Männer die in den Gängen standen richteten ihre Aufmerksamkeit direkt mir, als ich an ihnen vorbeilief. Ich konnte schon deutlich deren Blicke auf meinem Hintern spüren.
An einer großen Tür stoppte mich der Mann. Dann öffnete er die Tür und schob mich etwas unsanft rein.
,,Sie ist fertig, Boss", sagte er noch.
Dann schloss sich die Tür.
Gequält schloss ich meine Augen und stand nur da.
Zitternd atmete ich ein. Ich wollte ihm schon gar nicht ins Gesicht schauen.
,,Schau mich an!", drang plötzlich seine Stimme zu mir. Es klang bedrohlich und eisig.
Wiederstrebend hob ich mein Kopf und suchte ihn im Raum.
Er saß direkt einige Meter vor mir.
Aber er war nicht allein.
Der Anblick ließ mich erstarren.
Frauen.
Überall in dem Zimmer waren Frauen.
Oder wohl eher gesagt... Mädchen.
Ich schluckte und ließ mein Blick langsam umher schweifen.
Es waren 5 Mädchen.
Alle etwa in meinem Alter.
Das sah ich direkt.
Alle unterschiedlich gekleidet.
Aber alle viel zu freizügig gekleidet.
,,Jung ist immer zärtlicher"
Das hatte er ja gesagt.
Der Typ war mehr als nur krank und gestört.
Mitleidig, geschockt und hilflos sah ich die Mädchen an.
Aber keiner von ihnen schien in der selben Lage zu sein wie ich.
Keiner von ihnen hatte eine betrübte Miene.
Es schien so, als ob sie mit ihrer Lage ganz zufrieden wären.
Wer weiß, wie sie manipuliert wurden.
Vielleicht hatten sie jetzt auch gerade Drogenintus.
Wer weiß.
Das war eine Mafia.
Vielleicht waren sie alle mit Drogen vollgepumt.
,,Komm her", riss mich seine ekeleregende Stimme aus den Gedanken.
Mit einem finsteren, emotionslosen Blick sah ich ihn an und bewegte mich nicht von der Stelle.
Er fuhr meine Körper auf und ab und starrte dabei zu lang und zu intensiv auf meine Beine.
Fernando schob das Mädchen neben ihm ein wenig auf die Seite und stand schließlich auf. Ohne mich dabei aus dem Blick zu verlieren kam er auf mich zu.
Er legte seine Hand auf mein Oberarm.
,,Du sollst das machen was ich dir sage", hauchte er mir zu.
Mit abwertendem Block sah ich ihn an. Dann stoß ich seine Hand von meinem Arm.
Woher der Mut kam?
Fragt nicht.
Ich merkte, wie Fernando sauer wurde.
Im nächsten Moment packte er mich an den Haaren.
Ich zischte auf und legte mein Kopf in den Nacken.
,,Du gehörst mir. Weder dir selber noch jemand anderem! Mir gehörst du! Hast du mich verstanden!"
Ich wimmerte leicht auf.
Er ließ mich schließlich mit einem kleinen Ruck los. Ich wackelte kurz und taumelte ein paar Schritte zurück.
,,Das denkst du!", wurde ich plötzlich laut.
,,Ich werde hier rauskommen!", war mein nächster Satz.
Jetzt wurde er noch wütender. Plötzlich packte er mich am Nacken, öffnete die Tür und trat raus.
Er zog mich mit schnellen Schritten den Gang entlang. Wegen meinen Schuhen fand ich mein Gleichgewicht nicht mehr und knickte um.
Doch ich wurde direkt wieder am Arm gepackt und mitgeschlürft.
Vergebens versuchte ich sein Griff loszuwerden.
Er zog mich die Treppen runter.
,,Mach die Tür auf!", rief er plötzlich einem der Männer zu.
Im nächsten Moment schubste er mich unsanft auf den Boden.
Ich sah auf.
Ich war hinter Gittern.
Er kniete sich zu mit und packte mich am Kinn.
,,Du wirst hier verschmoren, solange Du Dich nicht benimmst!", zischte er.
Dann stand er auf und verließ die Zelle.
Ich stand auf und packte die Gitterstäbe.
,,Du Bastard!", schrie ich ihm hinterher.
Ich rüttelte an den Stangen.
Dann schrie ich auf.
Ich fiel auf meine Knie.
Meine Unterlippe fing an zu beben.
Dann weinte ich los.
,,Ich kann nicht mehr", hauchte ich unter den Tränen.
,,Ich will nicht mehr."
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Gib mir deine Seele
ChickLitFlucht für ein besseres Leben? Ohne Eltern, die einen erniedrigen? Das ist Sydneys Ziel. Ein freies, sorgloses, elternloses Leben. Nur deswegen entscheidet sie sich sogar, ihre zwei besten Freunde loszulassen und ihre kleine Schwester zu verlassen. ...
