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Sydney:

Immer wieder drehte ich mich um um zu schauen ob mich jemand vielleicht doch verfolgte.
Nach 5 Minuten war ich schließlich zum Entschluss gekommen, dass das nicht der Fall war.

Jetzt lief ich schon seit wahrscheinlich 20 Minuten und meine Beine taten schon weh.
Ich lehnte mich seufzend an eine Hauswand.
Ich konnte es wirklich nicht glauben dass Matteo mich gehen lassen hat.
Schließlich hatte er mich ja Wochenlang immer irgendwo eingesperrt.

Deswegen wusste ich gerade nicht ob ich mich freuen sollte oder ob ich doch Angst davor haben sollte.

Ich erblickte ein Park in der Nähe wo ich noch die letzten Schritte hinlief.
Dort setzte ich mich auf eine Bank schließlich hin.
Was sollte ich jetzt machen?
Ich hatte nichts.
Ich hatte kein Geld um irgendwo im Motel zu übernachten.
Und es wurde schon dunkel.

Trotz der Wärme bekam ich eine Gänsehaut.
Ich war völlig alleine.
Ich hatte wirklich niemanden.
Ich fühlte mich einsam.
Ich bekam Tränen.
Wer hätte denn gedacht dass ich mal in so ein Zustand gerate.

Ich fing an zu weinen.
Es musste gerade einfach alles raus.
Die ganze Last auf meinen Schultern.
Die ganzen Sorgen.
Der ganze Leid.

Ich saß schon eine Ewigkeit auf der Bank.
Als ich zu mir kam erschrak ich dass es so plötzlich dunkel war.
Nur wenige Leute konnte ich ab und zu sehen, die sich beeilten nach Hause zu gehen.
Ein zu Hause was ich gar nicht mehr hatte.
Schon lange nicht mehr.
Aber wenigstens hatte ich für die letzten Wochen ein Dach über dem Kopf gehabt, sozusagen.

Unsicher sah ich umher.
Ich war wirklich müde.
Ich sah mir die Umgebung an.
Schließlich entschied ich mich dazu, mich auf die Bank zu legen.
Es war nicht kalt und ich hatte nichts was mir geklaut werden könnte.
Also musste ich mir keine Sorgen machen.
Dass ich mal auf einer Bank schlafen müsste wäre mir nie im Leben eingefallen.

Ich blinzelte die Tränen weg.
Dann legte ich mich langsam auf die Bank und rollte meine Füße ein wenig zusammen, damit ich auch drauf passte.
Es war sichtlich unangenehm, aber trotzdem versuchte ich zu schlafen.

Nach minutenlangem rumliegen stand ich jedoch auf. Es machte mich unbehaglich einfach auf einer Bank zu schlafen.
Seufzend stand ich auf und lief aus dem Park.
Wie viel Uhr war es wohl?

Während dem Laufen fiel mir plötzlich ein dass ich eventuell in öffentlichen Gebäuden schlafen könnte. Heimlich natürlich.
Sofort hellte sich mein Gesicht auf.
Als ich eine Frau mir entgegenkommen sah hielt ich sie kurz auf.
,,Wissen Sie wo das nächste Krankenhaus ist?", fragte ich sie hoffnungsvoll.
Sie überlegte kurz.
,,Ja, wenn du den Bus nimmst musst du nach vier Stationen aussteigen. Dann siehst du es sofort", meinte sie.

Dankend verabschiedete ich mich von ihr.
Von wegen Bus.
Ich hatte kein Geld dafür.
Also musste ich laufen.
Völlig erschöpft lief ich also los.

Als ich jedoch an der ersten Haltestation ankam konnte ich wirklich nicht mehr und setzte mich auf die Wiese.
Ich rutschte an ein Baum und lehnte mich dagegen.

Meine Augen schlossen sich von selber.
Meine Beine taten weh.
Ich hatte Hunger.
Und Durst hatte ich erst Recht.

Matteo.

Wie aus dem Nichts kam er mir in den Sinn als ich an Essen dachte.
Wie er mich immer ausgefragt hatte ob ich gegessen hatte. Ob es mir wirklich wichtig gewesen war dass ich aß?

Alles lief mir plötzlich in Zeitraffer vor meinen Augen ab.
Von dem Moment wo ich im Taxi gewesen war, bis zu dem Moment wo wir uns am Strand geküsst hatten.

Und dann wie ich auf ihn geschossen hatte.
Ich zuckte leicht zusammen als ich den Schuss nochmal hörte.
Und dann der Kuss im Krankenhaus.
Und Elenas Aussage dass er auf mich stand.

Das war doch völliger Quatsch. Wäre das der Fall gewesen hätte er mich nicht angeschrien und mir schließlich gesagt dass ich verschwinden soll.
Ja, ich wollte verschwinden. Aber es hatte wehgetan, dass er mich dort so angeschrien hatte.

Trotz dem vermisste ich ihn gerade.
Ich wollte dass er jetzt neben mir wäre.
Dass er neben mir saß und mit mir sprach.
Ich wollte ihn neben mir sehen.

Er hat dir deine letzten Wochen ruiniert!

Ja, das stimmte. Aber im Moment konnte ich nicht daran denken.
Im Moment konnte ich kein bisschen Hass auf ihn aufbauen.
Im Moment konnte ich kein bisschen an die schlechten Momente denken.
Denn ich vermisste ihn.
Jetzt schon.
Nach wenigen Stunden.

Ich hatte gar nicht gemerkt dass ich angefangen hatte zu weinen.
Schnell wischte ich mir die Tränen weg und lehnte mich noch gemütlicher an den Baum.
Die Nacht musste ich wohl hier verbringen.

Morgen sollte ich wirklich eine Möglichkeit finden um von hier wegzukommen.

Gib mir deine SeeleWo Geschichten leben. Entdecke jetzt