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Würdet ihr es glauben, wenn ich sagen würde, dass ich gerade jetzt durch das große Tor den riesen Umkreis des Lagers verließ.
Natürlich nicht alleine. Matteo lief direkt neben mir.

Aber trotzdem war ich gerade wirklich so verwundert über dieses Geschehnis, dass ich mich nochmal umdrehte und zum Tor sah, um auch wirklich sicher zu gehen, dass ich draußen stand.

Ich blickte zu Matteo, der uninterssiert ein paar Schritte weiterlief.
,,Wenn du das Gebäude weiter ansiehst können wir auch wieder rein.", hörte ich ihn sagen.
Sofort löste ich mein Blick und lief die wenigen Schritten zu ihm rüber.

Ich fühlte mich gerade wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal mit Sand spielen durfte.
Und ich konnte es wirklich nicht lassen noch einmal zum Tor zu sehen.
Matteo blieb stehen und sah mich augenverdrehend an.
,,Ich war seit, ich glaube Wochen, nicht mehr draußen.", verteidigte ich mich.
Ohne was zu erwiedern setzte Matteo sein Weg fort.

,,Warum machst du das überhaupt?", fragte ich ihm nach und kniff dabei leicht die Augen, da mich die Sonne blendete.
Fragend sah mich Matteo an.
,,Na, ich meine warum du mich jetzt rausgelassen hast. Du sperrt mich ja immer gerne ein."
Matteo seufzte genervt auf. ,,Solange die Tür nicht abgesperrt ist kannst du das nicht einsperren nennen. Und wenn du noch mehr so unnötige Sachen von dir gibst kannst du dir weiterhin deine Zimmerwände ansehen."

Sofort verstummte ich und folgte ihm.
Er ging Richtung Wald. Was anderes gab es hier gefühlt sowieso nicht. Wir waren eindeutig abseits von der Stadt.

Zwischen den ganzen Bäumen schien die Sonne ein wenig durch.
Schweigend folgte ich Matteo mit einem kleinen Abstand.
Der Wald erinnerte mich an die Flucht. An die Flucht aus dem Auto und an die Flucht aus dem Fenster.
Und ich konnte es nicht verhindern, dass meine Gedanken wieder sowas dachten.

Das Laufen tat mir wirklich gut. Nach tagelangem rumsitzen und rumliegen war das wirklich eine ausgewogene Abwechslung.
Allerdings war das einzige ungewohnte daran, dass ich von einem Mafiaboss begleitet wurde.
Aber inzwischen wsr ich es ja gewohnt, lauter Mafiosos in meiner Umgebung zu haben.

Ironie lässt grüßen.

Ich atmete tief die frische Luft ein. Für einen Moment vergaß ich, in welcher Lage ich steckte und wo ich war und genoss einfach die Stille und die Sonnenstrahlen.

Mein Blick huschte zu Matteo.
Kein Ton verließ sein Mund.
Kein einziges Mal sah er um sich.
Und kein einziges Mal zog er seine Hände aus den Hosentaschen.

Ich sah nur leicht sein Seitenprofil.
Sollte ich was zugeben?
Er sah gut aus.

Aber er hatte einen beschissenen Charakter.
Das musste gesagt werden.

Plötzlich stolperte ich über etwas, doch ich konnte mich noch rechtzeitig davon bewahren, auf die Schnauze zu fliegen, indem ich an einem Baum Halt suchte.

Matteo hatte sich bei meinem Ungeschick umgedreht und sah mich jetzt stirnrunzelnd an.
,,Du solltest eher aufpassen wohin Du tretest, anstatt unnötige Sachen zu denken.", äußerte er.

Ich wischte die Baumkrümmel von meiner Hand und blickte in seine grünen Augen.
Er blickte mir entgegen. Es sah so aus als wollte er noch was sagen.
Aber anscheinend täuschte ich mich, denn er drehte sich um und setzte sein Weg fort.
Wenige Schritte weiter blieb er jedoch stehen.
Dann lehnte er sich an ein Baumstamm und setzte sich schließlich hin.

Ich stand währenddessen planlos da.
Sollte ich mich auch hinsetzen?
Nein, lieber stand ich. Ich saß schließlich genug rum.
Unauffällig beobachtete ich Matteo.
Nach etlichen Sekunden schlossen sich seine Augen.
Irgendwie sah er nachdenklich aus.

Ich sah mich um. Ja, außer Wald konnte ich sowieso nichts anderes sehen, aber ich dachte mal wieder daran zu flüchten. Jetzt wo er ja die Augen geschlossen hatte...

Vergiss es Sydney!

Okay, meine innere Stimme hatte Recht. Ich hatte keine Lust auf Schmerzen. Ich hatte auch verstanden, dass ich nicht flüchten werden kann.
Außerdem würde mich Matteo nach 2 Metern schon einholen.
Und so richtig danach war mir gerade auch nicht.

Mit langsamen Schritten schlenderte ich ein wenig weiter.
Es war gerade wirklich so still hier, dass ich mich kaum traute zu atmen.
Nur meine Schritte konnte man hören und ganz leichte Vogelgezwitscher.

Herrlich!

Ein zwei Minuten lief ich so weiter, ohne mich umzudrehen und zu schauen, was Matteo gerade machte und wie weit weg ich schon von ihm war.
Dann hörte ich Schritte hinter mir.
Ich lief noch ein wenig. Dann blieb ich an einer Stelle stehen, wo die Sonne genug durch die Bäume durchschien.
Ich schloss die Augen und genoss die Wärme.
Für einen Moment wollte ich wirklich alles vergessen.

Doch plötzlich blockierte etwas das ganze Licht. Ich öffnete meine Augen und sah direkt hoch zu Matteo.
Feindselig schaute ich zu ihm.
,,Du blockierst die Sonne", sagte ich schließlich.
,,Wir gehen",meinte er befehlerisch.
Sofort verschwand meine gute Laune.
,,So schnell?", fragte ich leise.
,,Du erwartest wohl nicht, dass ich dich ewig draußen lasse."

,,Noch ein wenig.", bittete ich ihn.
Mit einem ausdruckslosen Blick sah er mich an.
,,Aber du bist doch auch hier. Also kann ich sowieso nichts anstellen.", versuchte ich weiter.
,,Ich hab zu tun.", gab er energisch von sich.
,,Dann lass mich von den Go.. Männern beaufsichtigen. Ich bitte dich.", flehte ich schon beinahe.
Und wenn ich weiter flehen würde konnte ich davon ausgehen, dass ich auch feuchte Augen bekam. So sehr wollte ich gerade draußen verweilen.

,,Du bist so anstrengend", murmelte Matteo.
Dann griff er mich am Arm und lief los.
Seufzend schloss ich die Augen und atmete tief ein.
Dann entzog ich ihm energisch mein Arm.
Er drehte sich mit einem zu ernsten Blick zu mir.
Aber diesmal würde ich nicht die Klappe halten.

,,Ich verstehe dich nicht", sagte ich hilflos.
,,Was hab ich denn jetzt gemacht, dass du mich so ansiehst? Warum bist du so zu mir?"
Jetzt bekam ich vor Verzweiflung wirklich feuchte Augen.
Matteo fuhr sich durch sein Gesicht.
,,Sydney, streng mich nicht an und Lauf."

Ich musste erst mal blinzeln, um meine Tränen zu verhindern.
Dann lief ich mit einem hasserfüllten Blick an ihm vorbei.
Mit schnellen Schritten lief ich aus dem Wald.
Ich lief gerade wirklich eigenhändig, freiwillig in dieses Gebäude zurück.

Unsere Blicke kreuzten sich, als ich in meinem Zimmer verschwand.

Fragt mich nicht warum zurzeit soviel von mir kommt. 😄
Aber das ist das letzte Kapitel für heute.

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