19

23.9K 528 51
                                        

3 Tage später:

Saß ich immernoch in diesem Zimmer rum?
Ja.
Hatte mir Matteo gesagt, dass ich nicht nochmal versuchen soll zu flüchten?
Ja.
Saß ich gerade hier und machte Fluchtpläne?
Vielleicht.

Da gab es natürlich aber noch Sachen, die sich mit Nein beantworten ließen.
Wie zum Beispiel:
Hatte ich Matteo seit dem letzten Reden zu Gesicht bekommen?
Nein.
Hatte ich in den letzten Tagen duschen können?
Nein.
Hatte ich meine Kleidung schon wechseln können?
Nein.
Fühlte ich mich dreckig und ekelhaft.
Ja.

Okay, die letzte Frage ließ sich wieder mit Ja beantworten.
Aber wieder zurück zum Eigentlichen.

Ich saß grübelnd auf meinem Bett und versuchte mir einen sicheren und nützlichen Fluchtplan auszudenken.
Seit Tagen hatte ich die ganzen Männer draußen beobachtet und ich hatte so vieles bemerkt.

Zu allererst mal ging ich sehr stark davon aus, dass mein Fenster auf der hinteren Seite vom Gebäude war.
Ungefähr mit 4 Meter Abstand wurde ein Zaun angebracht, das wahrscheinlich um das ganze Gebäude rumging.
Und hinter dem Zaun standen 4 Männer, die alle paar Stunden die Schicht mit anderen wechselten.
Außer denen gab es noch rechts wo das Gebäude einen Knick machte 2 Männer und links ebenfalls.

Und sonst gab es hier keine von den Männern.
Ich hatte mir vorgenommen, mitten in der Nacht zu flüchten. So konnte ich logischerweise am wenigsten gesehen werden.

Mein Fluchtplan war nicht sonderlich kompliziert.
Die Männer, die rechts und links an der Häuserwand standen liefen immer hin und her. Das heißt, sie verschwanden ab und zu aus meinem Sichtfeld. Genau in dem Moment wo auf beiden Seiten die Männer verschwanden musste ich aus dem Fenster springen und eilig geradeaus zum Zaun rennen.

Die Männer die hinter dem Zaun standen, sahen sowieso nur in eine Richtung. Sie standen also dauernd mit dem Rücken zu mir. Also konnte ich nur hoffen, dass sie sich diesmal nicht umdrehten.

Sobald ich am Zaun stand müsste ich diese nach rechts entlang rennen, bis zu der Stelle, an dem das Gebüsch am Zaun deutlich viel war. Wenn ich es bis dahin schaffen würde ohne dass die Security wieder in meinem Sichtfeld erschien hatte ich es danach leicht. Denn der Gebüsch würde mich eigentlich gut verstecken. Im dunkeln könnte man mich dort nicht sehen.

Von dort aus müsste ich dann nur noch wenige Schritte weiterrennen bis zu einer Stelle am Zaun, die ich undeutlich aus dem Fenster identifizieren konnte. Dort hatte der Zaun nämlich eine Stelle, durch die ich mit Mühe durchschlüpfen könnte.  Die Gorillas würden da nie im Leben durchpassen. Da könnte ich gerade von Glück reden, dass ich dünn war. Und in den letzten Tagen hatte ich auch abgenommen.

Vor Aufregung musste ich schon wieder aufs Klo. Ich löste mein Blick vom Fenster und lief schnell in das WC.
Ich entleerte schon zum tausendsten Mal meine Blase.
Gründlich wusch ich mir die Hände und lief schließlich wieder in das Zimmer.

Erschrocken blieb ich jedoch kurz stehen.
Der Mafia Boss saß auf dem Bett und sah mir entgegen.
Wann war er bitte gekommen?

Ich blieb einfach an der gleichen Stelle stehen und sah ihn an.
Ohne mich aus seinem Blick zu verlieren stand er auf und kam auf mich zu.
Irgendwie hatte ich nicht mehr so viel Angst und Panik vor ihm, wenn er vor mir stand, wie ich es am Anfang hatte. Vielleicht lag es daran, dass ich ganz andere Sachen von ihm erwartet hatte aber er mich anders behandelte.

Er blieb vor mir stehen ohne ein Wort zu sagen. Also öffnete ich mein Mund.
,,Warum bist du hier?"
Er hob seine Augenbraue. ,,Weil ich es so wollte."
Er griff mit seinen Fingern nach einer Strähne.
Warum machte er das dauernd?!

Erst jetzt fiel mir auf, dass sein ganzer linker Arm tätowiert war.
Warum hatte ich das zuvor nicht gesehen? Ich glaube ich lief blind durch die Gegend. Oder weil er sonst ein Hemd anhatte?

Immernoch meine Strähne zwischen seinen Fingern stand er da, ohne was zu sagen.
Seufzend machte ich eine rasche Bewegung und löste mein Haar aus seinen Händen. Dann ging ich an ihm vorbei auf das Bett zu und setzte mich hin.

Er schob seine Hände in die Hosentasche. Kurz konnte ich dabei sehen, dass eine Waffe in seinem Gurt steckte, ehe er sich zu mir umdrehte.
,,Ich wollte dir nur mal Bescheid geben, dass du kein Unfug anrichten sollst. Oder, ich wollte dich eher daran erinnern."

Ich versuchte mir nicht anmerken lassen, dass ich mich damit wirklich angesprochen fühlte.
,,Ich hab das schon verstanden.", murmelte ich.
,,Wenn du meinst.", sprach er und ging schon Richtung Tür.
,,Nicht dass du nachher wo anders landest.", sagte er noch. Dann verschwand er.

Was hatte er jetzt bitte damit gemeint?
Verwirrt schüttelte ich nur den Kopf und ging dann zum Lichtschalter, um das Licht auszuknipsen.
Dann lief ich zum Fenster.
Es war eigentlich schon recht dunkel, aber ich würde mit meiner Flucht noch ein wenig warten.

●●●
Ich weiß nicht, wie lange ich schon am Fenster saß und stumm nach draußen sah. Aber jetzt stand ich auf und ging nochmal aufs Klo.
Denn jetzt würde ich tatsächlich mit meiner Flucht beginnen.

Ich sah erst zur Tür, während ich so leise wie möglich das Fenster öffnete.
Dabei verlor ich auch kein einziges Mal die Tür aus meinen Augen.
Ich hoffte einfach, dass mitten in der Nacht niemand herkam.

Sobald das Fenster offen stand streckte ich mein Kopf ein wenig raus.
Nach unten hin konnte ich locker springen. Es waren ungefähr 2 Meter.
Mein Herz pochte schon ganz schnell und vor Aufregung zitterte ich schon ein wenig.

Ich sah kurz nach rechts und links. Tatsächlich standen dort unten zwei Männer.
Jetzt musste ich nur darauf warten, dass beide Seiten im gleichen Moment aus meinen Sichtfeld verschwanden.
Ungeduldig wartete ich darauf, dass das endlich geschah und Für einen Moment dachte ich schon, dass das nie der Fall sein würde.

Doch dann verschwanden die Männer tatsächlich gleichzeitig aus meiner Sicht. Ich würde jetzt ganz sicher nicht länger überlegen. Diesen Moment konnte ich mir wirklich nicht entgehen lassen.
Ohne noch einmal runterzusehen schwang ich eilig meine Füße aus dem Fenster.

Mein Herz pochte immer schneller. Ich konnte die Schläge schon deutlich hören.
Hektisch schwang ich mein Kopf hin und her, um sicher zu gehen, dass sich wirklich niemand hier befand. Dann sprang ich ab.
Ein Kloß bildete sich in meinem Hals.
Sicher kam ich auf dem Boden auf. Es war nur was dumpfes zu hören. Aber ich dachte nicht länger darüber nach sondern rannte zum Zaun, um von dort dann mein Weg fortzusetzen.
Innerlich betete ich einfach, dass wenigstens diesmal alles so laufen sollte, wie ich es wollte.

Ich rannte weiter. Diese paar Meter bis zu dem Gebüsch kamen mir dabei wie eine qualvolle lange Strecke vor.
Doch sobald ich sie erreicht hatte blieb ich ein wenig erleichtert stehen.
Noch konnte ich aber nicht laut aus atmen. Ich musste erst komplett hier raus.

Genau in dem Moment wo ich mich so gut es ging am Gebüsch versteckte kamen die Männer wieder zurück.
Die Männer links waren nicht mehr wirklich relevant für mich. Eher musste ich mir den beiden rechts aufpassen, denn ich war ihnen so nach, dass ich sie hören könnte, wenn sie in einer normalen Lautstärke sprechen würden.

Mein Blick huschte zu dem Fenster, aus dem ich rausgeklettert. Und ehrlich gesagt war ich stolz auf mich.
Ungeduldig beobachtete ich die Männer und wartete darauf, dass sie verschwanden damit ich mein Weg fortsetzen konnte.

Eigentlich hatte ich Panik. Dementsprechend war ich auch gelähmt. Aber das Adrenalin in meinem Körper war stärker als die Angst und so lief ich wieder los, als die Männer verschwanden.

Sobald ich an der Lücke am Zaun stand sah ich mir die Stelle flüchtig an. Ich musste mich dafür beugen um durchzugehen. Aus dem Zaun schauten ein paar Drähte raus, die mir ganz sicher wehtun würden, wenn ich jetzt durchging. Trotzdem tat ich es.
Die Drähte kratzten schmerzhaft an meinem Körper und ich war mir sicher, dass ich mir blutige Verletzungen geholt hatte, die vielleicht auch Narben hinterlassen würden.

Schmerzhaft zog ich noch mein Bein durch die Lücke und versuchte dabei einen schmerzhaften Laut zu vermeiden.
Ungläubig lächelte ich auf. Ich war jetzt wirklich draußen.
Ich hatte es wirklich geschafft ohne gesehen zu werden.
Aber ich konnte jetzt nicht hier rumstehen.
Also rannte ich los.

Und plötzlich knallte ich gegen etwas.

Gib mir deine SeeleGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt