Ein Hut singt

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„Und jetzt?"
Theo sah sich fragend um und Draco zuckte mit den Schultern.
Es herrschte ein furchtbares Gedränge auf dem Bahnsteig.
Sie hatten, wie es in der Durchsage im Zug verlangt worden war, ihr Gepäck im Hogwarts Express gelassen.
Nun standen sie unsicher da, Theo neben Draco, Greg und Vince hinter ihnen.
Es war dunkel, und von den älteren Schülerinnen und Schülern schienen alle zu wissen, was als nächstes passierte. Sie schwatzten und einige begrüßten sich, da sie sich während der Zugfahrt wohl nicht gesehen hatten.
Draco sah gelbe, grüne, blaue und rote Krawatten.
„Na Jungs, aufgeregt?"
Draco sah auf.
Neben ihnen waren Marcus Flint und Adrian Pucey mit ein paar anderen älteren Jungs aufgetaucht. Die meisten davon waren Draco bekannt.
„Nö", schnarrte Draco möglichst lässig und Marcus lachte schallend los.
„Na dann... Ich habe während der Auswahlzeremonie ein Auge auf euch. Mal sehen, ob ihr nachher bei uns am Tisch sitzt."
„Oh nein, Vollpfosten auf drei Uhr", stöhnte einer von Marcus' Freunden und ihre Köpfe ruckten gleichzeitig in die angegebene Richtung.
Eine Gruppe Jungen mit rot-gold gestreiften Krawatten ging lachend und miteinander schwatzend in der Nähe vorbei.
„Hey, Wood!", brüllte Marcus lautstark.
Ein Junge aus der Gruppe - hochgewachsen, sehr schlank, gutaussehend - wandte den Kopf.
Als er Marcus erblickte, verfinsterte sich sein Gesicht und er verdrehte genervt die Augen.
„Bist du schon gut vorbereitet auf die nächste Niederlage, du Warmduscher?", feixte Marcus.
Wood verzog das Gesicht halb wütend, halb abfällig, hob lediglich den Arm und zeigte Marcus mit einer Geste, die scheinbar aus tiefstem Herzen kam, den Mittelfinger.
„Arschgeige!", rief Marcus ihm noch hinterher, aber Wood und seine kleine Gruppe ging einfach weiter.
„Oliver Wood, der Kapitän der Gryffindor Hausmannschaft", erklärte Adrian, als er Dracos fragenden Blick bemerkte.
„Die machen wir dieses Jahr wieder platt", behauptete Marcus. „Gryffindors! Alles dämliche, eingebildete Wichser."
Er wandte sich an Draco und seine Freunde.
„Jedenfalls... Ihr habt ein wenig verloren ausgesehen. Ihr müsst da rüber, Jungs."
Mit dem Blick folgten sie seinem Fingerzeig und sahen, etwa hundert Meter entfernt, eine Ansammlung von Erstklässlern, die sich um eine große Gestalt drängten, die eine Laterne hochhielt.
„Nächstes Jahr fahrt ihr mit uns mit den Kutschen", ergänzte Marcus noch, und dann: „Wir sehen uns im Schloss."
„Erstklässler zu mir!"
Nun, da sie näher kamen, konnten sie den Ruf hören.
Draco erkannte die große Gestalt mit der Laterne. Es war dieser Wildhüter, Hagrid.
„Nun mal los, mir nach", sagte der riesige Mann in diesem Moment, und dann, als Draco und seine Freunde sich der Gruppe angeschlossen hatten: „Huh, noch mehr Erstklässler? Gut, passt auf, wo ihr hintretet. Wir gehen los. Erstklässler mir nach!"
Rutschend und stolpernd folgten sie Hagrid einen steilen, schmalen Pfad hinunter. Kaum jemand sprach ein Wort. Ab und an hörte Draco ein leises Schniefen, und als er nach dem Urheber des Geräuschs suchte, entdeckte er den rundgesichtigen Jungen, der vorhin seine Kröte gesucht hatte. Er heulte schon wieder.
„Augenblick noch, und ihr seht zum ersten Mal in eurem Leben Hogwarts", tönte der Riese. „Nur noch um diese Biegung hier."
Draco hörte ein lautes „Ooooooohhhh" von den Kindern, die ganz vorne gingen und als erstes um die Biegung schauen konnten.
Der enge Pfad war zu Ende und sie standen an den Ufern eines großen Sees.
Drüben, auf der anderen Seite, auf der Spitze eines hohen Berges, thronte ein gewaltiges Schloss.
„Cool...", hörte Draco Theo neben sich flüstern, und auch er war ein wenig beeindruckt.
Am Rand des Sees dümpelte eine Flotte kleiner Boote.
„Rein da", befahl Hagrid und deutete auf die Boote. „Nicht mehr als vier in einem Boot!"
Vincent und Gregory stiegen in eins, aber bevor Draco und Theo dazu steigen konnten, kletterten zwei ihnen unbekannte Jungs hinein, so dass sie das Boot daneben nahmen.
Sie hatten es sich gerade einigermaßen gemütlich gemacht, als das Boot kurz schunkelte und sich jemand bei ihnen niederließ.
„Hey! Gute Zugfahrt gehabt?"
Blaise' helle Zähne strahlten ihnen sogar in der Dunkelheit entgegen.
Hartnäckig war er, das musste man ihm lassen.
„Hmh", machte Theo knapp und Draco nickte lediglich.
„Alle drin?", hörten sie den Wildhüter. „Gut, dann - vorwärts!"
Die Boote setzten sich von alleine in Bewegung und erschrocken griff Draco nach dem Rand des Bootes, um sich festzuhalten, ehe er bemerkte, dass überhaupt nichts Schlimmes passierte.
Sanft glitten sie dahin.
Durch sein hastiges Zupacken hatte Draco sich zur Seite gedreht und sein Blick blieb an einem Boot, wenige Meter entfernt, hängen.
Dort saß dieser arrogante Potter und der dämliche Weasley zusammen in einem Boot. Vielleicht hatte er ja das Glück, und die beiden würden einfach absaufen.
Dann sah er, wer noch im Boot saß.
Der Krötenjunge heulte immer noch, und das Mädchen mit den wilden Locken hatte einen Arm um ihn gelegt und tröstete ihn.
Als hätte sie seinen Blick gespürt, sah sie zu ihm herüber.
Sie lächelte, als sie ihn erkannte und hob, beinahe schüchtern, die Hand zu Gruß.
Dracos einer Mundwinkel hob sich automatisch, und er ruckte kurz, aber freundlich mit dem Kopf, ehe er wieder nach vorne blickte, um Hogwarts zu betrachten.

A Death Eater's Tale Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt