"So, dann kommt mal rein."
Sie folgten den Vertrauensschülern in den Gemeinschaftsraum.
Sie hatten das Passwort erfahren, um diesen Bereich überhaupt betreten zu können, und Draco hatte fasziniert dabei zugesehen, wie eine Schlange mit komplizierten Windungen die Tür entriegelte.
Sie befanden sich im Kerkerbereich des Schlosses, so viel hatte er verstanden.
Theo pfiff leise durch die Zähne, als sie den Gemeinschaftsraum der Slytherins zum ersten Mal in Augenschein nahmen und Blaise ließ ein leises „Oooohhhh" vernehmen.
„Wow", entfuhr es auch Draco selbst im Flüsterton.
Ja, man hatte ihm davon erzählt. Ja, er hatte darüber gelesen. Und ja, er hatte sogar ein paar wenige Bilder gesehen.
Trotzdem war es etwas vollkommen anderes, selbst hier zu sein.
Der riesige Raum mit der hohen Decke war in dunklen Tönen gehalten, grau und schwarz waren die vorherrschenden Farben, aber Draco sah natürlich auch viel Silber und grün.
Über einem riesigen Kamin, der sogar noch größer war als der größte Kamin in Malfoy Manor und in dem ein freundliches Feuer flackerte, sah Draco ein imposantes Porträt von Salazar Slytherin, dem Gründer des Hauses der Schlangen, der streng auf sie hinabzublicken schien.
Vor dem Kamin befanden sich etliche, schwarze Sofagarnituren und Sessel.
Draco entdeckte eine zweite, etwas kleinere Sofaecke neben einem im Vergleich winzigen Kamin, über dem ein riesengroßes, dreidimensionales Bildnis einer grünen Schlange hing, die das Maul aufsperrte und scharfe Giftzähne entblößte. Diese Sofaecke war ein wenig verborgen durch Pflanzen, und in der gleichen Ecke sah Draco ein paar befüllte Bücherregale.
Der Raum wurde erhellt durch Fackeln, aber auch durch eine andere, sicherlich magische Lichtquelle, denn es war nicht wirklich dunkel und anders konnte er sich auch nicht erklären, wieso Pflanzen hier wachsen konnten.
Am faszinierendsten waren die Fenster. Man hatte einen Blick auf grünlich schimmerndes Wasser, ein paar Wasserpflanzen bewegten sich träge und Draco sah vereinzelt auch ein paar hübsche Fische vorbeihuschen. Sie mussten sich im Großen See befinden, den sie auch mit den Booten überquert hatten.
Der Raum war übervoll mit Jugendlichen.
Die älteren Schülerinnen und Schüler saßen zusammen, lachten und redeten, stießen mit Getränken an. Von irgendwo kam leise Musik mit überraschend schnellem Rhythmus.
„Hey, ihr Neuen, zuhören!"
Erschrocken richtete sich Dracos Blick auf den Vertrauensschüler, der gebrüllt hatte.
Kurz hatte er Angst, einen schlechten Eindruck gemacht zu haben, weil er sich so verträumt umgesehen hatte, aber ein Blick in das Gesicht des älteren Jungen zeigte ihm, dass dem nicht so war.
Er hatte sie allgemein als Gruppe angesprochen und grinste breit und freundlich.
Der Junge war hochgewachsen und fast so muskulös wie Marcus Flint, hatte kurzgeschorene, helle Haare, seine grün-silberne Krawatte war locker gebunden und er trug zwar eine Schuluniform, aber keinen Umhang.
„Willkommen, Erstklässler", ergriff nun die Vertrauensschülerin das Wort.
Sie war vom Hauttyp ziemlich dunkel, trug ihr Haar, das sich zu winzigen Locken kräuselte, fast so kurz wie ein Junge, hatte eine auffallend breite Nase mit einem Ring und einem Stecker darin und so viele Ohrstecker, von ihrem Ohrläppchen die ganze Ohrmuschel hinauf, dass Draco sie nicht zählen konnte.
„Wir sind die Vertrauensschüler des Hauses Slytherin", erklärte sie ernst. „Und wir sind daher natürlich in der Pflicht, euch darüber aufzuklären, dass ihr euch an die Schulregeln zu halten habt, pünktlich beim Unterricht erscheinen müsst und die vorgegebenen Ruhezeiten einhaltet."
Während sie redete, legte sie ihren Umhang ab und lockerte ihre Krawatte.
Draco und auch alle anderen Erstklässler standen still und lauschten schweigend und verunsichert den strengen Worten der älteren Schülerin.
„Aber", fuhr sie fort, und während sie redete, krempelte sie erst den einen Ärmel ihrer Bluse, dann den anderen hoch, und entblößte zu Dracos Erstaunen zahlreiche, farbige Tattoos auf ihren ziemlich trainierten Unterarmen. „Genau genommen ist uns das alles scheiß egal. Macht, was ihr wollt, solange ihr unserem Haus nicht schadet."
Die Erstklässler tuschelte unsicher, aber als die Vertrauensschülerin sie angrinste, begannen die ersten, vorsichtig und leise zu lachen.
„Im Ernst. Macht unserem Haus einfach Ehre. Sorgt dafür, dass wir Punkte gewinnen, egal wie. Feuert unsere Quidditchmannschaft an..."
„Das besonders, habt ihr gehört!", brüllte Marcus Flint im Vorbeigehen dazwischen.
„Schnauze, Flint!", blaffte die Vertrauensschülerin ihn an und Draco rechnete damit, dass Marcus zurückpöbeln würde, wusste er doch nur zu gut, wie dominant und bedrohlich der Ältere wirken konnte, aber zu seiner Überraschung schwieg er einfach und setzte sich grinsend zu anderen Jungs auf ein Sofa.
„Also", fuhr das ältere Mädchen fort. „Unser Haus steht für uns an erster Stelle, das meine ich wirklich ernst. Nicht umsonst haben wir in den letzten Jahren so viel Erfolg gehabt. Wie ihr unser Haus am besten unterstützen könnt und wie wir Punkte gewinnen können, erzählen wir euch morgen."
Sie machte eine kurze Pause und sah abwartend in die Runde, so als wollte sie sicher gehen, dass niemand Fragen hatte.
„Und noch eine wichtige Sache", ergänzte sie dann. „Mein Name ist Ava Scott, ich bin in der Sechsten, ebenso wie dieser stumme Felsen hier neben mir."
Der kurzhaarige Junge neben ihr grinste flüchtig.
„Aber glaubt mir, der kann auch laut werden, habt ihr ja eben kurz erlebt. Sein Name ist Lucian Bole. Und, ganz ernsthaft, Leute: Wenn ihr Fragen habt, bei Problemen oder wenn euch ein Schokofrosch quer sitzt, dann kommt zu uns. Dafür sind wir da."
Draco und die anderen nickten.
„Ihr könnt euch aber auch an andere ältere Schüler wenden - wir sind alle Slytherins, wir halten immer zusammen. Habt ihr gehört? Immer. Also erzählt uns auch, wenn ihr Scheiße gebaut habt, wir überlegen dann zusammen, was wir tun können und verpetzen euch schon nicht."
Freudiges Gemurmel kam kurz unter den Erstklässlern auf.
„Gut, wenn ihr jetzt keine Fragen habt, dann zeigen wir euch erstmal eure Schlafräume. Mädchen, zu mir."
„Jungs, ihr kommt mit mir", sagte Lucian ernst und ruckte kurz mit dem Kopf.
Draco folgte mit Vincent, Blaise, Theo und Gregory dem Vertrauensschüler.
Es ging eine kleine Treppe hinab und dann in einen Flur.
„Hier liegen die Schlafräume, einer pro Jahrgang", erklärte Lucian. „Das hier ist eurer."
Er öffnete eine Tür und sie folgten ihm.
„Cool", sagte Blaise und Lucian schenkte ihm ein flüchtiges Grinsen.
Auch Dracos Herz hüpfte freudig.
Hier würde er also die nächsten sieben Jahre den größten Teil seines Lebens verbringen.
Die Betten waren aus Holz, in einem dunklen Ton gehalten, und die mit grüner Bettwäsche bezogenen Decken und Kissen sahen sehr einladend aus. Plötzlich wurde Draco wieder bewusst, wie müde er war.
Es gab einen Kamin und auch hier ein riesengroßes Unterwasserfenster.
„Da ist euer Bad", erklärte Lucian und deutete auf eine Tür. „Eure Sachen müssten alle hier sein, sollte was fehlen, sagt bescheid. Alles klar soweit?"
Sie nickten alle brav.
„Gut. Ihr könnt euch jetzt in Ruhe einrichten. Was ihr danach macht, ist eure Sache. Ihr könnt noch mal in den Gemeinschaftsraum kommen, wir sind sicher alle noch eine Weile wach, aber wenn ich euch einen Tipp geben darf, legt euch nicht zu spät hin, die erste Woche ist erfahrungsgemäß für die Neuen immer anstrengend, ihr werdet den Schlaf brauchen. Eure Entscheidung, ich bin ja nicht euer Vormund."
Draco tauschte einen raschen, begeisterten Blick mit Theo.
„Braucht ihr noch was?"
Auch Draco schüttelte wie die anderen den Kopf, aber dann fiel ihm etwas ein.
„Mein Freund hier hat einen verletzten Finger. Kannst du uns sagen, wer uns da helfen kann?"
„Zeig mal her", verlangte Lucian und Greg trat vor und streckte seine Hand aus.
„Hm", machte der Vertrauensschüler. „Das ist aber nicht frisch, oder?"
„Doch, von eben aus dem Zug", erklärte Draco.
Lucian hob eine Augenbraue.
„Wurde daran gezaubert?"
Draco zögerte, aber dann dachte er daran, dass Ava gesagt hatte, dass sie alles erzählen konnten.
„Ja, es hat sehr stark geblutet, wir mussten irgendwas machen."
Lucian blickte überrascht.
„Ihr habt das geheilt?"
Draco warf Theo einen unsicheren Blick zu.
„Ich wars", sagte dieser, als er es bemerkte.
„Nicht schlecht für einen Erstklässler", lobte der ältere Schüler, woraufhin Theo, der wohl schon mit einem Rüffel gerechnet hatte, stolz die Brust rausstreckte.
„Ich müsste dich eigentlich in den Krankenflügel bringen", erklärte Lucian Greg. „Die wollen hier immer über alle Verletzungen und Krankheiten bescheid wissen. Aber dann würden die wissen wollen, woher die Verletzung ist."
Sie tauschten betretene Blicke.
Es erschien ihnen kein guter Einstieg, gleich am ersten Abend gestehen zu müssen, einen Streit mit dem sagenumwobenen Harry Potter begonnen zu haben.
„Aber", fuhr Lucian fort. „Ich könnte es auch heilen und wir verlieren einfach nie wieder ein Wort darüber."
Als sie alle sofort nickten, zog Lucian seinen Stab.
Ein kurzer Schlenker, ein schnell gesprochener Spruch, und Gregs Hand sah aus wie vor dem Biss.
Sie waren alle schwer beeindruckt und Draco rechnete es Lucian hoch an, dass er nicht einmal fragte, woher die Verletzung gekommen war.
„Gut, wir sehen uns", sagte er noch, dann war er zur Tür hinaus.
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A Death Eater's Tale
Fiksi PenggemarJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
