Kimmkorn und andere unangenehme Personen

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Verflucht Draco, ich kann es nicht glauben!"
Blaise starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
Draco lachte. Er lag gerade gelangweilt auf dem gleichen Bett, auf dem er in der Nacht zuvor noch mit Léonie gelegen hatte - und im Grunde genommen hatte er dort nicht nur mit ihr gelegen, sondern hatte das anregendste Erlebnis mit ihr gehabt, was er sich nur hätte wünschen können.
Amüsiert musste er daran denken, wie sie sich in der Zweiten das Buch von Terence angesehen hatten und sich dabei kaum vorstellen konnten, dass man solche Dinge wirklich miteinander tun konnte - und man es auch noch genießen konnte.
Man konnte. Er hätte es zwar nie für möglich gehalten, aber es war verflucht scharf, diese Dinge zu tun.
Wieder einmal huschten Erinnerungsfetzen durch seinen Kopf: Das hastige gegenseitige Ausziehen, wobei sie sich die Kleidung eigentlich mehr vom Leib gezerrt hatten, bis sie endlich nackt waren. Dann das gegenseitige Berühren am ganzen Körper - mit Händen und Lippen. Wirklich am ganzen Körper. Es war nicht vergleichbar mit dem, was er mit seinen ersten Freundinnen getan hatte und tatsächlich nicht einmal vergleichbar mit dem, was er mit Lu oder Océane getan hatte. Bisher war alles hastig gewesen, sie waren fast komplett angezogen geblieben und es hatte in ungemütlichen Klassenzimmern stattgefunden, heimlich in der Nacht. Dieses Mal war es intensiver gewesen, ohne Zeitdruck, ohne unterschwellige Sorge, erwischt zu werden. In einem gemütlichen Bett im Schlafsaal, entspannt liegend, sie auf ihm, nachdem er sie zuvor so lange mit dem Mund verwöhnt hatte, bis...
„Hey!" Theo schnippste mit den Fingern vor seinem Gesicht herum. „Nicht schon wieder wegträumen."
Draco lachte.
„Du hast Recht. Zurück in die Realität, auch wenn sie hart ist. Ich muss jetzt schließlich aufpassen, dass Léonies Freund mir nicht hinterrücks einen Fluch auf den Hals hetzt. Ich wette, sie bindet ihm heute auf die Nase, was wir letzte Nacht getan haben. Dann werden sie sich streiten und dann sowieso wieder zusammenkommen, so wie die letzten Monate schon. Er wird ihr verzeihen..."
„...aber dich hassen", schloss Blaise.
„Korrekt. Und da ich darüber nicht nachdenken will, werde ich jetzt am See laufen gehen, und ich weiß, wer mich begleiten wird."
„Ach?", machte Theo amüsiert.
Draco erhob sich.
„Ja. Also, kriegt eure Ärsche hoch, wir müssen fit bleiben. Nur weil dieses Jahr Quidditch abgesagt wurde, heißt das nicht, dass ich mein Training vernachlässigen darf. Los!"

Kurz darauf liefen sie zu dritt um den See.
Wie immer hatten sie auch Greg und Vince gefragt, doch genauso wie sonst auch hatten sie kein Interesse, mitzukommen - Vincent wollte noch etwas schlafen und Gregory wollte sich tatsächlich mit Millicent treffen. Offensichtlich hatten die beiden sich beim Ball besser verstanden als vorher gedacht.
Es war ein kühler und klarer Tag und es lag etwas Schnee, doch der See war noch nicht zugefroren.
Eigentlich ein schöner Tag zum Laufen, doch Draco ärgerte sich, diesen Vorschlag gemacht zu haben, denn tatsächlich hingen Potter, Granger und Weasley auch dort rum. Weasley und Granger wirkten distanziert, sahen sich betont nicht an und redeten hauptsächlich beide mit Potter, aber nicht miteinander. Worüber, konnte Draco über die Entfernung nicht sagen, aber sie kamen unaufhörlich näher.
Und dann bemerkte er, wohin die drei Gryffindors schauten: Zum See. Genau genommen zum Durmstrang-Schiff.
Dort, an Deck, sah man Viktor.
Draco hatte ihn bereits schon häufiger ohne Kleidung gesehen, aber in diesem Moment störte es ihn, sogar massiv, dass Viktor - trotz der Dezemberkälte! - nur in Badehose an Deck stand und hinunter ins Wasser starrte. Es störte ihn, weil Granger da war, weil sie ihn ansah und dabei rote Wangen bekam - und auch keine Anstalten machte, wegzusehen.
Während sie weiterliefen und sich den drei Gryffindors näherten, sah Draco, wie Viktor mit einem eleganten Sprung kopfüber ins kalte Nass eintauchte. Der bloße Anblick ließ ihn schaudern.
Bei jedem anderen hätte Draco sich gefragt, ob er den Verstand verloren hatte, bei solchen Temperaturen schwimmen zu gehen, aber erstens musste Viktor es aus seiner Heimat gewohnt sein und zweitens machte er dies sicherlich auch nicht zum Spaß. Draco war sich ziemlich sicher, dass der Durmstrang-Champion ein wenig den See erkunden wollte, um ein besseres Gefühl für die zweite Aufgabe im Februar zu bekommen.
Sie waren nun beträchtlich näher an Granger und ihren beiden idiotischen Freunden, und Draco konnte beobachten, wie Weasley finster zu Viktor blickte und dann Granger genauso unzufrieden ansah wie Draco sich fühlte.
Draco spürte ein hartes, rumorendes Knäuel in seinem Bauch. Die Wut fühlte sich an wie eine Schlange, die sich zornig und unruhig in seinen Eingeweiden bewegte.
Offensichtlich standen sowohl Weasley als auch Viktor auf Granger. Wieso, zur Hölle, bemerkten urplötzlich zwei Jungen gleichzeitig, dass dieses verdammte Schlammblut scheiße hübsch war? Bisher hatte sie doch auch keiner angesehen!
Es war verrückt, aber es fühlte sich für Draco an, als würde ihm etwas entrissen, etwas, was ihm bisher ganz alleine gehört hatte.
Als sie auf Höhe mit den drei Gryffindors waren, warfen Potter und Weasley ihnen einen feindseligen, aber nur kurzen Blick zu, als sie vorbeiliefen.
Granger starrte aufs Wasser, zu Viktor, und zuerst glaubte Draco, dass sie ihn gar nicht bemerkt hatte, aber dann huschte ihr Blick doch zu ihm.
Ihre Blicke trafen sich.
Draco stockte keine Sekunde, joggte einfach weiter, drehte aber den Kopf zur Seite, um den Blickkontakt zu Granger aufrecht zu erhalten.
Er wusste nicht, woran er es festmachte, aber fast war es in diesen wenigen Sekunden, die sie sich ansahen, als würden sie ein kurzes, stummes Gespräch miteinander führen, dessen Inhalt sich ihm nicht vollständig erschloss.
Dann waren sie vorbei und Draco wandte den Blick ab.
Warum sein Herz unangemessen schnell in seiner Brust schlug, konnte er sich nicht erklären.

A Death Eater's Tale Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt