„Draco?"
Sie waren gerade auf dem Rückweg vom Unterricht, als Graham ihn ansprach. Er war von seinem Jahrgang zu Draco herüber geeilt.
„Ja?"
„Kann ich dich kurz mal sprechen?"
Draco warf seinen Freunden einen kurzen Blick zu, die ihm durch Nicken zu verstehen gaben, dass sie sich später sehen würden.
„Was ist los?", erkundigte sich Draco, kaum, dass er mit Graham alleine war. „Geht es um das Auswahlspiel? Ich komme auf jeden Fall."
„Tatsächlich, ja", bestätigte Graham und fuhr sich mit der Hand durch die dichten, dunklen Locken. „Ich wollte fragen, wie deine Freunde sich so in Quidditch schlagen."
Draco hob überrascht eine Augenbraue.
„Haben sich zu wenige für nachher angemeldet?"
Graham seufzte und nickte dann.
„Vielleicht nicht direkt zu wenige, aber ich möchte schon ein bisschen Auswahl haben. Dein Freund Theo - er fliegt sehr gut, habe ich gehört?"
„Tatsächlich, ja", bestätigte Draco.
„Willst du ihn nicht fragen, ob er mitkommen will?", erkundigte sich Graham.
„Klar, gerne. Was ist mit Blaise, Gregory und Vincent?"
„Wenn du sagst, dass sie gut sind, bring sie mit. Schaden kann es auf keinen Fall. Selbst, wenn sie es dieses Jahr nicht in die Mannschaft schaffen, dann weiß ich schon für nächstes Jahr, wie sie fliegen."
„In Ordnung."
Draco beeilte sich, seinen Freunden in den Gemeinschaftsraum zu folgen.
Er fragte sich, warum er selber noch nie auf die Idee gekommen war, sie zu fragen, ob sie versuchen wollten, ins Team zu kommen. In der Zweiten und Dritten hatte er irgendwie gar nicht darüber nachgedacht und letztes Schuljahr gab es kein Quidditch.
Seine Freunde waren allesamt nicht im Gemeinschaftsraum. Vermutlich schlüpften sie gerade in ihre Freizeitkleidung. Draco huschte die Kellertreppe zu ihrem gemeinsamen Schlafraum hinab.
„Ah, ihr seid alle hier, großartig." Draco freute sich tatsächlich. Der Gedanke, seine Freunde, insbesondere Theo, in der Mannschaft zu haben, gefiel ihm außerordentlich. „Wisst ihr was? Graham meinte gerade, wir bräuchten dringend noch Teilnehmer für das Auswahlspiel. Wie sieht es aus? Hättet ihr Lust?"
Sein Blick schweifte automatisch zuerst zu Theo, aber dieser wandte sich ab und legte das Hemd der Schuluniform ab.
Draco runzelte die Stirn, drehte sich aber erstmal zu den anderen, um deren Reaktion zu sehen.
„Ernsthaft?", fragte Vincent begeistert und auch Greg horchte offensichtlich auf.
„Ernsthaft", bestätigte Draco. „Was sagt ihr?"
„Auf jeden Fall!", rief Gregory aus und Vincent bestätigte: „Ja!" Dann schlugen die beiden begeistert ihre Hände aneinander.
Wieder linste Draco zu Theo, aber dieser stand immer noch mit dem Rücken zu ihm an seinem Bett und hob gerade sein frisches Oberteil auf. Die Muskulatur spannte sich an seinem Rücken, während er sich bewegte, und Draco sah deutlich die allzu vertrauten Narben auf seiner Haut, hauptsächlich Striemen, aus der Zeit, als er noch keine Heilzauber beherrschte und noch nicht verbergen konnte, was sein Vater mit ihm tat.
„Blaise?", fragte er und wandte sich in Richtung Bad.
Die Tür stand weit offen und man konnte Blaise gut sehen - er war vor dem Spiegel mit seinen Haaren beschäftigt.
„Hm, weiß nicht", kam die zögerliche Antwort. „Ich glaube, so richtig Lust habe ich nicht."
„Aber du liebst Quidditch!", stellte Draco schockiert fest.
„Das stimmt." Blaise strich über seine dunkle Haut im Gesicht und betrachtete sich weiterhin im Spiegel. „Aber zugucken und in meiner Freizeit spielen reicht mir. Den Druck eines offiziellen Spiels brauche ich nicht auch noch."
Draco war enttäuscht, aber er verstand, was Blaise meinte. Was Blaise anpackte, tat er stets in absoluter Perfektion. Das sah man auch beim alltägliche Training. Er gab stets mehr als einhundert Prozent. Manchmal trainierte er so hart, dass Theo und Draco ihn ein wenig ausbremsten, damit er sich nicht vollkommen verausgabte. Sie waren eben alle Slytherins durch und durch - wenn sie etwas anpackten, waren sie unfassbar ehrgeizig dabei.
„Ok", meinte er daher und sah nun wieder zu Theo. „Was ist mit dir?"
Theo hatte sich mittlerweile vollständig umgezogen, wich seinem Blick aber weiterhin aus.
„Ich denke nicht", sagte er abweisend.
Draco zog die Stirn kraus.
„Wieso nicht?", hakte er nach.
Theo zuckte vage mit den Schultern. „Muss mich auf die Schule konzentrieren."
Natürlich nahm Draco ihm das nicht ab. Theo hatte Vertrauensschüler werden wollen und dieser Posten hätte auch viel Zeit in Anspruch genommen. Offensichtlich hatte Theo sich zugetraut, den Schulstoff auch neben den Vertrauensschüler-Aufgaben zu schaffen - warum dann nicht auch neben Quidditch?
Gerade wollte Draco ihn noch einmal darauf ansprechen, als er abrupt begriff, was Theos merkwürdige Reaktion zu bedeuten hatte.
Es ging - wieder einmal - um Nott Senior.
Draco wusste, dass Theos Vater unfassbar viel Wert auf eine exzellente Schulbildung legte. Und ein Posten als Vertrauensschüler wäre dem Ruf zugute gekommen.
Aber von Quidditch... davon hielt der alte Nott nicht viel. Es war in seinen Augen Zeitverschwendung.
Draco begriff: Theo würde Ärger bekommen, wenn er mit Quidditch anfangen würde - schließlich bestand rein theoretisch die Möglichkeit, dass er dann den Schulstoff vernachlässigen könnte.
Draco seufzte.
„Gut, dann... Vincent, Gregory? Dann gehen wir drei nachher zum Auswahltraining."
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A Death Eater's Tale
FanficJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
