„Bist du dir sicher, dass alles ok ist?"
Der Blick von Blaise' dunklen Augen ruhte nachdenklich auf Theo. Dieser sah von seinem Frühstück auf.
„Alles bestens."
Draco runzelte die Stirn.
Seit dem Nachsitzen bei Umbridge war Theo stiller als sonst, aber er merkte deutlich, wie sehr es unter der Oberfläche brodelte.
Umbridge hatte Theo die Werwolf-Gesetze des Ministeriums abschreiben lassen - dutzende Pergamentseiten, und Draco war klar, wie sein bester Freund sich dabei gefühlt haben musste.
Umbridge wusste offensichtlich sehr genau, in welche Wunde sie den Finger legen musste.
Draco missfiel es, dass Theo sich durch Umbridge wieder einmal von ihnen distanzierte. Bereits in der Vergangenheit hatte er immer wieder das Gefühl gehabt, Theo entgleite ihm irgendwie. Und dabei waren sie Freunde, solange sie sich zurückerinnern konnten.
Gerade, als er Theo noch einmal auf Umbridge ansprechen wollte, kamen die Posteulen.
Draco war erst milde überrascht, als die Eule seines Vaters bei ihm landete und ihm stolz einen versiegelten Brief überreichte und dann komplett verwundert, als bei Theo ein Tier landete, das er nur allzu gut kannte: Es war der Bartkauz von Nott Senior.
Noch mehr verblüffte Draco, dass Theo kein bisschen überrascht wirkte.
Draco tauschte einen Blick mit Blaise. Ja, sie dachten beide das gleiche. Theo ging sämtlichen Kontakt zu seinem Vater aus dem Weg; selbst in den Sommerferien versuchte er weitgehend, an einem anderen Ort als seinem Zuhause zu wohnen. Den Briefkontakt zu seinem Vater vermied er für gewöhnlich vollständig. Dass er nun nicht überrascht wirkte, Post zu bekommen, konnte eigentlich nur bedeuten: Er hatte offensichtlich auf eine Antwort seines Vaters gewartet, was wiederum implizierte, dass er seinen Vater angeschrieben hatte.
Draco beobachtete, wie Theo das Siegel brach und seelenruhig zu lesen begann.
„Ähm... Theo... Möchtest du uns etwas sagen?"
Theo machte eine Bewegung in seine Richtung, die bedeuten sollte, dass er kurz warten sollte, während er las. Draco, den die Neugier gepackt hatte, beobachtete ihn einen Augenblick weiter, ehe er seinen eigenen Brief aufriss und zu lesen begann.
Mein Sohn,
ich hoffe, du konntest dich in den ersten Tagen an der Schule wieder gut eingewöhnen. Du hattest deiner Mutter mehr Briefe versprochen, erinnere dich daran.
Der Informationsfluss ist dieser Tage besonders wichtig, in beide Richtungen. Daher möchte ich dich auch an ein paar Neuigkeiten teilhaben lassen.
Noch ehe Draco den nächsten Satz las, wusste er, dass es Neuigkeiten zu den Machenschaft des Dunklen Lords geben musste und sein Herz machte einen aufgeregten Hüpfer. Bezog sein Vater ihn nun endlich ein?
Rasch ließ er seinen Blick schweifen und vergewisserte sich, dass niemand Blick auf seinen Brief hatte. Er wollte seinen Vater nicht in Gefahr bringen. Draco erinnerte sich noch lebendig an seine Angst nach dem Anschlag bei der Quidditch-Weltmeisterschaft. Der Gedanke, sein Vater könnte verhaftet werden, quälte ihn sehr.
Er las weiter.
Er triumphiert derzeit auf diplomatischem Parkett im Osten.
Unser geschätzter Freund Walden Macnair hat in seinem Namen Verhandlungen mit gewissen... großen Gruppierungen in den Bergen zu einem äußerst erfolgreichen Abschluss gebracht.
Wie ich hörte, gibt es den gleichen Versuch von einem alten Narren. Er hat ebenfalls einen Botschafter geschickt - mir ist nicht bekannt, wen - aber er wird zu spät kommen. Diese Kreaturen wissen eben, wer die wahre Macht im Lande hält...
Apropos wahre Macht - mit Freude ist mir zu Ohren gekommen, dass nach all den Fehlschlägen, Kretins, Geisteskranken und minderwertigen Kreaturen, die das Fach Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichten durften, nun endlich eine wirklich fähige Lehrkraft eingesetzt wurde.
Dolores Umbridge agiert sehr vorbildlich - ich kenne sie bereits. Ihr werdet sicherlich vorzüglich harmonieren.
Konzentriere dich gut auf deine ZAGs, Draco. Wissen ist Macht, das darfst du nicht vergessen. Ich erwarte ein tadelloses Zeugnis.
Hab eine schöne Schulzeit.
Dein Vater
Dracos Hirn analysierte die Worte seines Vaters in Sekundenschnelle.
Er, der im Osten triumphierte, musste der Dunkle Lord sein. Offensichtlich hatte er Walden Macnair, einen alten Freund der Familie, dorthin geschickt, um Verbündete für sich zu gewinnen, was ebenso offensichtlich geglückt war. Aber welche Verbündete konnten das sein?
Draco senkte den Blick wieder auf den Brief.
Verhandlungen mit gewissen... großen Gruppierungen in den Bergen, stand da.
Er dachte nach. Was, wenn mit „großen Gruppierungen" keine Gruppengröße gemeint war? In den Bergen im Osten gab es keine Vielzahl an Bewohnern.
Draco behielt diese Frage im Hinterkopf.
Der Rest war wieder leichter zu verstehen. Der „alte Narr" war selbstverständlich Dumbledore. Und offensichtlich wollte dieser die gleichen Gruppierungen auf seine Seite ziehen. Und er hatte ebenfalls einen Gesandten geschickt.
Dracos Blick schnappte zum Lehrertisch. Zu Raue-Pritsche, die immer noch auf Hagrids Platz saß.
Natürlich! Dumbledore vertraute auf unfassbar naive Weise diesem strohdummen Wildhüter mit Alkoholproblem. Und dieser war, wie Kimmkorn aufgedeckt hatte, ein Halbriese.
In den Bergen im Osten gab es keine große Anzahl an Bewohnern.
Allerdings gab es dort große Bewohner.
Draco stockte.
Die Riesen. War es tatsächlich möglich, dass Macnair diese rekrutiert hatte?
Aber inwiefern konnten Riesen Voldemort dabei helfen, seine Pläne zu verfolgen?
„Ok, offensichtlich wollt ihr uns beide nicht einweihen, was so Spannendes in euren Briefen steht?"
Draco sah auf. Blaise blickte zwischen Draco und Theo hin und her, Greg und Vince beugten sich interessiert näher.
Draco faltete seinen Brief rasch zusammen.
„Es geht um die ZAGs und um Umbridge", erklärte er, ein Thema bewusst aussparend. „Mein Vater hält sie für sehr fähig. Er kennt sie wohl, schreibt er."
Vincent und Gregory nickten.
„Und.... bei dir?", wandte Blaise sich, leicht zögerlich, an Theo.
Theo zerknüllte den Brief in seiner Faust.
„Nun, im Brief meines Vaters geht es ebenfalls um Umbridge", erklärte er und leise Wut schwang in seiner Stimmt mit.
„Hat sie deinem Vater etwa geschrieben, dass es diesen Vorfall in Verteidigung gab?", fragte Draco alarmiert.
Theo lachte bitter.
„Oh nein, dann wäre sicherlich kein normaler Brief von ihm gekommen, sondern ein Heuler. Ich habe ihm geschrieben und nach Umbridge gefragt. Bereits bei ihrer kleinen Rede beim Festessen hatte ich eine Ahnung, woher sie kommt, und er hat es mir bestätigt."
„
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A Death Eater's Tale
FanfictionJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
