Ein anstehendes Turnier und ein griesgrämiger Professor

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Sie rannten die Treppe hinauf und schlüpften nach etlichen anderen Schülerinnen und Schülern durch das Eingangstor von Hogwarts.
Es gewitterte grässlich und sie waren patschnass. Kaum, dass sie dem Regen entkommen waren, zogen sie ihre Zauberstäbe und wandten einen Trocknungszauber an.
„Merlin und Morgana, was für ein grässliches Wetter", maulte Theo und schüttelte sich. „Ich bin froh, wenn wir gleich was Warmes in den Bauch bekommen."
„Ich hätte heute Nacht lieber was Warmes in meinem Bett", kam es von Blaise und sie lachten schallend.
Die große Halle wirkte gemütlich wie immer, sah man davon ab, dass die Decke den Himmel draußen spiegelte und sie der herabfallende Regen hier zwar nicht treffen konnte, es aber dementsprechend immer wieder heftig über ihnen blitzte.
Dann warteten sie ungeduldig die Auswahlzeremonie ab, bei der die Neuen in die Häuser eingeteilt wurden. Draco begrüßte jede Person, die in Slytherin sortiert wurde, laut klatschend und freudig.
Ein kleiner Junge, der besonders durchnässt wirkte, wurde nach Gryffindor einsortiert und Creevey, Potters Fan, der ihn ständig mit der Kamera verfolgte, begrüßte ihn freudig am Tisch - offensichtlich war es sein Bruder.
„Colin! Ich bin in den See gefallen! Kannst du dir das vorstellen?"
Der Kleine erzählte es sehr laut und so, als sei es etwas ganz Tolles, sich so zu blamieren.
„Cool, Dennis!", antwortete sein Bruder.
„Ja! Und irgendetwas hat mich dann gepackt und ins Boot zurück geworfen!"
Draco horchte auf.
„Das war bestimmt der Riesenkraken", behauptete Creevey.
„Voll krass!", befand sein kleiner Bruder.
Dracos Mundwinkel zuckten, aber er schmunzelte nicht über diese beiden idiotischen Gryffindors, sondern über den Gedanken an Kanja und seine Familie. Er war sich recht sicher, dass einer der Wassermenschen den kleinen Jungen gerettet hatte.
Schließlich war die Zeremonie beendet, das Festessen erschien und sie langten hungrig zu.
„Ein Hoch auf die Hauselfen, die uns immer so gut versorgen", seufzte Blaise, während er seinen Teller voll lud.
Auch Dracos Magen knurrte und er war froh über die reichliche und auch sehr leckere Auswahl.
„Siruptorte!", sagte Vincent begeistert über den Nachtisch. „Und Rosinenpudding und Schokoladenkuchen!"
„Die Elfen haben sich wieder einmal selbst übertroffen", stellte Gregory fest. „Nützliche kleine Dinger sind sie, das muss man ihnen lassen."
Dracos Blick war, als er sich ein Stück der Siruptorte auflud, zum Tisch der Löwen geschweift.
Er erstarrte und runzelte die Stirn.
Deutlich sah er, wie Hermine Granger ihren Teller beinahe angewidert von sich schob und dann wütend die Arme verschränkte, während sie etwas aufgebracht zu Potter und Weasley sagte.
Was hatte der kleinen Gryffindor denn nun den Appetit verdorben?
Nach dem Essen trat Dumbledore erneut nach vorne, was ungewöhnlich war, und sofort legte sich Stille über die Halle.
Dumbledore erzählte ein paar Dinge, die sie alle bereits wussten - beispielsweise, was in Hogwarts verboten war und dass die Hogsmeade Wochenenden erst ab Klasse drei erlaubt waren, ehe er zum Wesentlichen kam.
„Und unser Hausmeister, Mr Filch, bat mich noch darum, darüber zu informieren, dass zu den verbotenen Gegenständen nun auch noch Jaulende Jo-Jos, Fangzähnige Frisbees und Bissige Boomerangs gehören. Eine vollständige Liste der vierhundertsiebenunddreißig verbotenen Gegenstände kann in seinem Büro eingesehen werden. Jedenfalls, was noch wichtig zu ergänzen ist: Es wird in diesem Schuljahr keinen Quidditch-Wettbewerb geben."
„Was?!"
Draco brauchte einen Moment, um zu bemerken, dass er selbst es gewesen war, der laut gerufen hatte, aber sein Ausruf ging in der allgemeinen Empörung sowieso unter.
Als Draco sich umsah, entdeckte er überall schockierte Gesichter.
„Der Grund dafür ist eine Veranstaltung, die im Oktober beginnt", verschaffte Dumbledore sich wieder Gehör.
Draco tauschte rasche Blicke mit seinen Freunden.
Aber natürlich: Das Trimagische Turnier.
Draco wusste nicht so recht, was er davon halten sollte, dass deswegen Quidditch ausfallen würde.
Dumbledore fuhr fort: „Mit dem größten Vergnügen möchte ich euch mitteilen, dass-"
Aber er wurde von einem ohrenbetäubenden Donnergrollen unterbrochen und in diesem Moment schwangen die Torflügel zur Großen Halle auf.
Ein fremder Mann kam mit raschen Schritten in die Halle und ging gezielt auf den Lehrertisch zu. Bei jedem Schritt ertönte ein leises „Tock", während Blitze die Szenerie immer wieder regelrecht gruselig beleuchteten.
Der Mann war in einen schwarzen Reiseumhang gehüllt, und als er die Kapuze zurückschlug, hielt Draco den Atem an.
Der Fremde hatte längeres, grauweißes Haar und ihm fehlte ein Bein. Das Geräusch kam von dem Holzbein, welches er immer wieder ruckartig aufsetzte. Offensichtlich war es ein bisschen zu kurz, denn der Mann humpelte.
Das Erschreckendste aber war sein Gesicht.
Es war vollkommen vernarbt, und mit vollkommen meinte Draco auch wirklich vollkommen. Es war nicht zu vergleichen mit Professor Lupin. Die Haut dieses Mannes hier wirkte wie Rinde, genauso zerfurcht. Sein Mund war ein unförmiger Strich, ein großer Teil seiner Nase fehlte.
Und seine Augen... Das eine wirkte normal, aber sehr dunkel, und das zweite... Es war so groß wie eine Münze und blau. Es schien sich ununterbrochen zu bewegen und jeden Millimeter in der Großen Halle in sich aufzunehmen.
Dumbledore schüttelte diesem merkwürdigen Typen die vernarbte Hand, ehe dieser sich an den Tisch setzte.
„Bitte heißt euren neuen Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste willkommen", sagte Dumbledore. „Professor Moody."
Verhaltener Applaus, leises Tuscheln.
„Moody?", wiederholte Draco, an seine Freunde gewandt. „Ist das etwa Alastor Moody, der Auror mit der Vollmeise?"
Im nächsten Augenblick zuckte er zusammen, denn er hätte schwören können, dass sich das große blaue Augen einen Moment fest auf ihn und seinen Freundeskreis richtete.
„Mad-Eye Moody, ja", antwortete Theo mit einem unwohlen Unterton. „Und ich denke nicht, dass er eine Vollmeise hat."
„Mein Vater sagt, Moody ist verrückt. Er sieht überall Gehirngespinste und fühlt sich von Schwarzmagiern verfolgt. Mein Vater sagt auch, dass Moody durch den Zaubererkrieg einen geistigen Schaden davongetragen hat."
„Nun, mein Vater sagt", hielt Theo gegen, und Draco merkte, wie schwer es ihm fiel, über Nott Senior zu reden. „Mad-Eye ist einer der gefährlichsten Auroren überhaupt. Er hat mehr Todesser nach Askaban gebracht und... und getötet, als die ganze Aurorenzentrale zusammen."
Draco schluckte schwer.
Das unheimliche Augen riss sich von ihnen los und wanderte unruhig weiter durch die Halle. Währenddessen zog Moody einen Flachmann aus seinem Umhang und nahm einen tiefen Schluck.
„Super, noch ein Lehrer mit Alkoholproblem", seufzte Blaise.
Sie alle wussten sehr wohl, dass der Wildhüter, Hagrid, viel zu oft einen über den Durst trank.
Und nun auch noch Moody...
Dumbledore lächelte in die Runde.
„Aber nun", sagte er. „Komme ich zu der Ankündigung, die ich schon die ganze Zeit machen wollte..."


A Death Eater's Tale Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt