Wieder in Hogwarts

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Auf dem Bahnsteig war es bitterkalt. Regen prasselte auf sie hernieder.
„Erstklässler, hier her!", hörte Draco irgendwo den Wildhüter rufen.
Alle waren aufgeregt und wollten schnell zu den Kutschen, um sich vor dem Regen zu schützen. Eulen kreischten wild durcheinander, die Schülerschaft plapperte.
„...und dann ist Professor Lupin auf den Dementor zugegangen, hat mit seinem Zauberstab auf ihn gezeigt..."
Draco lauschte. Es war Longbottom, der da redete.
„...und dann hat er gesagt: „Verschwinde! Niemand von uns versteckt Sirius Black unter seinem Umhang!", ehe etwas Silbernes aus seinem Zauberstab herausbrach und er damit den Dementor in die Flucht jagte."
„Voll krass, Neville", antwortete jemand anders, den Draco nicht an der Stimme erkannte. „Stimmt das wirklich?"
„Aber ja! Frag Hermine oder Ron oder Ginny, sie waren alle dabei und können es bezeugen. Wir haben uns alle schrecklich gefühlt... Als ob wir nie wieder froh sein würden. Kein Wunder, dass der arme Harry in Ohnmacht gefallen ist."
Draco stolperte über seine eigenen Füße und fing sich gerade noch so.
„Greg!", zischte er seinem Freund, der ihm am nähesten war, zu. „Hast du das auch gehört?"
„Ja", bestätigte dieser. „Potter ist so ein Vollidiot."
Draco war beinahe froh über den Regen, so hatte Theo nicht viel Zeit, wieder auf die Thestrale zu schauen, da sie sich alle schnell ins Innere einer Kutsche flüchteten.
Während die Kutsche durch den Regen schaukelte, dachte Draco darüber nach, wie furchteinflößend der Wächter Askabans gewesen war. Aber dass Potter, der ach-so-tolle-Held der Zaubererwelt wegen einem in Ohnmacht gefallen war, war wirklich lächerlich. Sonst tat er doch immer so mutig!
Aber dieser neue Professor... Irgendwie passte das, was er offensichtlich getan hatte, und auch, wie er sich um Draco gekümmert hatte, nicht zu seiner zerlumpten, heruntergekommenen Gestalt. Beinahe wirkte er regelrecht kompetent, dachte Draco erstaunt.
Sie erreichten das große, zweiflügelige Tor, rechts und links gesäumt von geflügelten Ebern auf Säulen. Es schwang durch Elfenmagie für sie auf und sie fuhren hindurch.
Entsetzt sah Draco, dass auf beiden Seiten des Tores Dementoren schwebten.
Alle in der Kutsche schauderten und Draco spürte eine Welle von Übelkeit bei dem Anblick. Er lehnte sich zurück und schloss einen Augenblick die Augen.
Als sie schließlich ausstiegen, war der Regen zu einem etwas erträglicherem Nieseln geworden. Man konnte auch die Umgebung wieder besser erkennen, da nicht mehr alles durch einen Regenschleier verhüllt war.
Greg stupste ihn an.
„Da ist der Versager", sagte er und ruckte mit dem Kopf.
Draco sah in die angegebene Richtung und irgendetwas, was er nicht greifen konnte, ballte sich in seinem Bauch, als er sah, wie Potter Hermine Granger beim Aussteigen aus der Kutsche half.
Er beschleunigte seine Schritte.
„Du bist in Ohnmacht gefallen, Potter?", schnarrte er möglichst laut, als er an Potter, Weasley und Granger vorbeikam. „Sagt Longbottom die Wahrheit? Du bist tatsächlich ohnmächtig geworden?"
Er rempelte absichtlich Granger an, die zur Seite gedrückt wurde und somit nun mehr Abstand zu Potter hatte, was Draco auf merkwürdige Weise zufrieden stellte.
„Hau ab, Malfoy", knurrte Weasley ihn an.
„Bist du auch ohnmächtig geworden, Wiesel?", fuhr Draco ihn an. Ja, sollte Granger ruhig mitbekommen, was für Versager ihre Freunde waren.
„Gibt es ein Problem?", fragte eine ruhige Stimme.
Der neue Professor war ebenfalls aus einer Kutsche gestiegen und stellte sich nun hinter Potter, Weasley und Granger.
So viel dazu, dass der Typ kompetent war und sich auch um ihn, Draco, sorgte. Natürlich ergriff auch er sofort Partei für dieses dämliche Narbengesicht.
„Nein... Professor", schnarrte Draco und sprach den Titel bewusst abfällig aus.
Gemeinsam mit seinen Freunden betrat er Hogwarts.

„Da sind sie", flüsterte Theo. „Merlin, warum sind die so klein?"
„Theo, es sind Erstklässler", antwortete Blaise mit einem Lachen in der Stimme.
Auch Draco schmunzelte.
Kaum zu glauben, dass es erst zwei Jahre her war, dass er selbst dort gestanden hatte und den Sprechenden Hut hatte aufsetzen müssen. Er kam sich jetzt so viel älter, so viel reifer vor.
Es wurde still, als McGonagall mit dem Hut in der einen und einer langen Liste in der anderen Hand nach vorne trat.
Sie erklärte den Neuen, dass sie ihre Namen aufrufen und der Hut sie dann in ihr Haus einteilen würde.
Draco verfolgte die Auswahlzeremonie interessiert, wollte er doch gerne sehen, welches Kind in Slytherin eingeteilt wurde.
Kurz huschte sein Blick zum Gryffindor-Tisch.
Irritiert runzelte er die Stirn, als er sah, dass Weasley ohne Potter und Granger dort saß.
Schnell suchte er mit Blicken den ganzen Tisch der Löwen ab, konnte aber die beiden tatsächlich nirgendwo entdecken. Merkwürdig, sie waren doch noch gemeinsam aus der Kutsche gestiegen...
Aus irgendeinem Grund ärgerte es ihn, dass die beiden gemeinsam verschwunden waren. Was machten sie heimlich alleine? Knutschten sie etwa rum?
Nachdem eine handvoll Erstklässler aufgeteilt worden waren, hörte Draco McGonagall ausrufen: „Baddock, Malcolm!"
Sofort richtete er seine Aufmerksamkeit wieder nach vorne. Es interessierte ihn brennend, in welches Haus Lus kleiner Bruder eingeteilt wurde.
Malcolm ging rasch und selbstbewusst nach vorne, aber Draco sah ihm trotzdem an, dass er aufgeregt war. Aber wen wunderte es? Jeder war in dieser Situation aufgeregt.
Malcolm setzte sich den Hut auf, der ihm sofort über die Augen rutschte. Es dauerte vielleicht zwei Sekunden, dann-
„Slytherin!", rief der Hut, und Malcolm strahlte, als er den Hut abnahm und der alten McGonagall zurückgab.
Draco applaudierte kräftig, wie alle anderen an seinem Tisch auch.
Malcolm kam zu ihnen, mit schnellen Schritten und immer noch breit grinsend.
Seine Schwester war aufgestanden und er ließ sich bereitwillig kurz von ihr drücken, ehe sie sich nebeneinander hinsetzten.
Draco stieß, da immer noch applaudiert wurde, einen hohen Pfiff aus und rief dann: „Malcolm!"
Der Angesprochene sah in seine Richtung und strahlte noch mehr, als Draco ihm freundlich zunickte und dann noch den gereckten Daumen zeigte.
Auch Lu sah in seine Richtung und kurz trafen sich ihre Blicke.
Draco nahm all seinen Mut zusammen, grinste sie an - und tatsächlich grinste sie kurz zurück.
Dracos Herz machte einen aufgeregten Hüpfer.
Dann wurde es wieder still und er lenkte seine Aufmerksamkeit nach vorne.
Bei jedem Jungen und jedem Mädchen, die ins Haus der Schlangen einsortiert wurden, klatschten Draco und seine Freunde und alle anderem am Tisch besonders laut. Draco wusste nur zu gut aus eigener Erfahrung, was es für ein gutes Gefühl war, so begrüßt und aufgenommen zu werden.
„Greengrass, Astoria!"
Ja, natürlich. Er wusste, dass Daphne, die in seinem Jahrgang war, eine kleine Schwester hatte, aber da die Familie Greengrass sich häufig aus Reinblut-Angelegenheiten heraushielt, obwohl sie zu den Unantastbaren Achtundzwanzig gehörten, war ihm nicht präsent gewesen, dass diese in diesem Schuljahr nach Hogwarts kam. Dafür sah er die Familie Greengrass zu selten.
Astoria hatte langes, volles blondes Haar wie ihre Schwester. Sie war ebenso schlank und hatte ein hübsches Gesicht. Als sie elegant zum Stuhl ging, schoss Draco kurz durch den Kopf, dass sie nicht so unscheinbar wie Daphne war. Erst jetzt fiel ihm bewusst auf, wie sehr Daphne und ihre beste Freundin Tracey unter seinem Radar liefen, obwohl sie in einem Haus und einem Jahrgang waren. Blaise hatte ab und an Kontakt zu den beiden, aber Draco hatte in den beiden ersten Schuljahren kaum ein Wort mit den beiden Mädchen gesprochen, anders als mit Pansy und Millicent.
Der Hut saß ein paar Sekunden auf Astorias Kopf, ehe er „Slytherin!" ausrief.
Astoria überreichte den Hut wieder McGonagall und genauso wie vorhin Malcolm von seiner, wurde Astoria nun von ihrer Schwester in Empfang genommen und umarmt.
Es kamen noch etliche weitere Kinder bei der Zeremonie dran und es waren auch noch weitere Slytherins dabei.
„Endlich, ich sterbe vor Hunger", nölte Vincent, als schließlich der letzte neue Erstklässler in Hufflepuff eingeteilt wurde.
Natürlich trat nun der Schulleiter, Dumbledore, nach vorne, um seine Rede zu halten.
„Willkommen", begann er. „Willkommen zu einem neuen Schuljahr in Hogwarts. Ich habe euch einige Dinge mitzuteilen, darunter auch etwas Unangenehmes, und damit werde ich auch gleich beginnen. Wie ihr mitbekommen habt, hat das Ministerium Dementoren zur Sicherheit der Schule eingesetzt. Sie haben den Zug durchsucht und sind nun außerdem rund um Hogwarts postiert. Ich möchte euch dringlichst raten, diesen Kreaturen aus dem Weg zu gehen. Es liegt nicht in der Natur eines Dementors, Bitten oder Ausreden zu verstehen. Ich mahne jeden einzelnen von euch: Gebt ihnen keinen Grund, euch Leid zuzufügen. Ohne Erlaubnis verlässt niemand das Schloss. Versucht nicht, die Dementoren mit Tricks oder Verkleidungen zum Narren zu halten - sie durchschauen das alles. Selbst Tarnumhänge."
Draco runzelte die Stirn.
Warum erwähnte der Schulleiter ausgerechnet Tarnumhänge?
Draco wusste, diese waren äußerst selten, sein Vater hatte bisher vergeblich versucht, einen für seine Sammlung seltener Objekte zu ergattern, es würde wohl kaum jemand in Hogwarts-
Draco erstarrte.
Die Erkenntnis fühlte sich an wie ein Schwall kaltes Wasser, das ihm über den Kopf gegossen worden war.
Wie lange hatte er sich nun schon gefragt, wie Potter es schaffte, ständig ungesehen im Schloss unterwegs zu sein. Sollte es tatsächlich möglich sein, dass er einen Tarnumhang besaß?
Wieder glitt sein Blick zum Gryffindor-Tisch und tatsächlich saßen Potter und Granger nun bei Weasley.
In diesem Moment wusste Draco, dass er zwingend erfahren musste, ob Potter tatsächlich so einen Umhang besaß.
Merlin, wenn sein Vater davon erfuhr!
Aber wie sollte er es herausfinden? Potter würde es ihm wohl kaum sagen und Weasley erst recht nicht.
Sein Blick saugte sich an Hermine Granger fest, die sich gerade mit der Hand durch die wilden Locken fuhr.
Er hatte sich von ihr fernhalten wollen, aber... wenn er etwas über einen möglichen Tarnumhang erfahren konnte, dann von ihr.
„Nun zu etwas Angenehmen."
Draco lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf den Schulleiter.
„Ich freue mich, zwei neue Lehrkräfte begrüßen zu können."
Zwei?
Draco tauschte einen kurzen Blick mit Theo.
Am Tisch der Lehrkräfte saß nur eine Person, die neu war, nämlich dieser Lupin, wie Longbottom den heruntergekommenen Professor genannt hatte.
„Begrüßt bitte als erstes Professor Lupin, der freundlicherweise das Fach Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichten wird."
Verhaltener Applaus.
Offensichtlich irritierte Lupins Äußeres, das neben den anderen Lehrkräften in ihren besten Umhängen noch schäbiger wirkte, nicht nur Draco.
„Was ist mit Snape los?", fragte Blaise, der sich zu Theo und Draco gelehnt hatte.
Draco verstand sofort, was Blaise meinte.
Ihr Hauslehrer guckte stets missmutig und ernst, häufig sogar finster, auf jeden Fall kühl und unfreundlich. Aber das, was Draco nun in seinem Blick sehen konnte, als er den neuen Professor anstarrte, war purer Hass.
„Zu unserer zweiten Neuernennung", fuhr Dumbledore fort. „Wie ihr wisst, ist Professor Kesselbrand, unser Lehrer für Pflege magischer Geschöpfe, vor den Sommerferien in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. Ich darf euch freudig mitteilen, dass sein Nachfolger niemand anders ist als Rubeus Hagrid."
Kurz war es still, dann brach am Gryffindor-Tisch Jubel aus.
Die beiden anderen Häusertische klatschten ebenso verhalten wie bei Lupin und tuschelten leise.
An Dracos Tisch wurde gar nicht applaudiert, aber man hörte leises Gemurmel.
„Der ist doch nicht mal ein richtiger Lehrer", hörte Draco, und: „Der? Der hat doch keine Ahnung davon, wie man unterrichtet."
Erneut beugte Blaise sich zu Draco und Theo.
„Das erklärt die beißenden Bücher", sagte er trocken.
„Ja", schnarrte Draco. „Auf so eine schwachsinnige Idee kann wirklich nur dieser Typ kommen."
„Aber nun - genießt das Festmahl", strahlte Dumbledore und breitete die Arme aus.
Auf Kommando erschien das Essen auf den Tischen.
„Die Elfen haben wieder ganze Arbeit geleistet", sagte Blaise begeistert und lud sich den Teller voll.
Auch Draco langte zu. Mittlerweile knurrte sein Magen schon ziemlich.
Kaum, dass das Festmahl beendet war, wollten sie sich auf den Weg zu ihren Häusern machen.
„Erstklässler, hier zu uns bitte!", hörte er Lu und als er zu ihr herüber sah, stellte er fest, dass sie neben Terence stand und die beiden versuchten, Ordnung in die Horde neuer Schülerinnen und Schüler zu bekommen.
Und dann sah Draco etwas hinter den beiden frisch ernannten Vertrauensschüler-Paar: Granger, Potter und Weasley, die zum Lehrertisch stürmten.
„Glückwunsch, Hagrid!", quietschte Granger laut und strahlte dabei.
Wieder fiel Draco auf, dass ihr Haar länger geworden war. Er starrte auf die wilden Locken, die über ihren Rücken flossen.
„Toller Mann, dieser Dumbledore", meinte Hagrid. „Das habe ich mir immer gewünscht."
Dann brach er in Tränen aus und vergrub sein bärtiges Gesicht in seiner Serviette, woraufhin McGonagall Granger und ihre beiden Freunde verscheuchte.
Draco drängelte sich durch die Menge.
Als er direkt hinter Granger war, verlangsamte er seine Schritte.
Er wartete den richtigen Moment ab, als sie durch das Gedränge ein wenig Abstand zu Potter und Weasley bekommen hatte.
Er beugte sich zu ihr herunter, berührte mit seiner Nasenspitze beinahe ihr Haar, und ein angenehmer Duft stieg ihm in die Nase, den er aber nicht benennen konnte.
„Es ist lächerlich, dass dieser Wildhüter zum Lehrer ernannt wurde, und das weißt du auch", raunte er ihr zu.
Erst zuckte sie zusammen, dann schauderte sie auf eine Weise, die er sich nicht erklären konnte.
„Er wird es großartig machen", zischte sie ihm zu, wobei sie nur leicht den Kopf drehte, sich ihm aber nicht direkt zuwandte.
Mit der Strömung ließen sie sich zusammen mit den anderen Schülerinnen und Schülern aus der großen Halle schwemmen.
„Na sicher doch", schnarrte Draco.
Dann wandte er sich wieder an die Slytherins, um mit ihnen Richtung Kerker zu gehen.

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A/N: Während Lu ein OC von mir ist, wird Malcolm Baddock tatsächlich von JK erwähnt. Ich habe ihm einfach mal eine große Schwester erfunden. :)

A Death Eater's Tale Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt