„Das wird ein ziemlicher Schock für Sie sein - es gab einen erneuten Angriff. Einen Doppelangriff."
Draco hörte, wie McGonagall, die Hauslehrerin von Gryffindor, die die Worte gesprochen hatte, mit schnellen Schritte an seinem Bett vorbeiging. Sehen konnte er sie nicht, denn nachdem Pomfrey ihm einen Beruhigungtrank gegeben hatte, hatte sie angeordnet, er solle einfach liegenbleiben, und die Vorhänge um das Bett herum zugezogen.
McGonagall schien nicht alleine zu sein.
Wer sie begleitete, erfuhr Draco kurz darauf.
„Hermine!", hörte er Weasley entsetzt aufheulen.
Offensichtlich war er zu Granger gebracht worden, und Draco hätte in diesem Moment seinen Besen verwettet, dass Potter ebenfalls anwesend war.
„Sie wurde zusammen mit Miss Clearwater in der Nähe der Bibliothek gefunden. Und das hier lag bei ihnen", hörte Draco McGonagall erzählen.
„Ein Spiegel?", fragte Potter verständnislos. In seiner Stimme war Kummer zu hören.
„Ja", bestätigte seine Hauslehrerin. „Ich nehme an, Sie können das nicht erklären?"
„Nein", murmelten Potter und Weasley gleichzeitig.
Nun, Draco konnte sich das ganze sehr gut erklären.
Er schloss die Augen und schluckte.
Granger musste ihm gefolgt sein, nachdem er ihr den Zettel gegeben hatte. Da er sie abgehängt hatte, musste sie in der Nähe der Bibliothek auf die Ravenclaw-Vertrauensschülerin gestoßen sein. Und sie hatte diese gewarnt, so dass sie zusammen durchs Schloss gegangen waren - und klugerweise mit einem Spiegel um Ecken gespäht haben mussten.
Denn das war eine Lücke, die Draco in seinem Gedankengang durchaus bemerkt, bisher aber nicht hatte füllen können.
Wenn der Blick des Basilisken sofort und wahllos tötete, warum war dann bisher niemand gestorben?
Aber so machte es Sinn.
Mrs Norris, Filchs Katze, musste die Spiegelung des Basilisken in der Pfütze auf dem Boden gesehen haben, in die Draco an Halloween getreten war, als er das versteinerte Tier genauer betrachten wollte. Finch-Fletchley musste den Basilisken durch den Hausgeist von Gryffindor gesehen haben. Der Geist hatte direkten Blickkontakt, aber er war ja bereits tot. Und Granger hatte mit Clearwater den Spiegel benutzt.
Ja, Hermine Granger war clever.
Draco schluckte erneut, als er dachte, dass ihre Schlauheit sie zwar gerettet hatte, sein Einmischversuch aber überhaupt dazu geführt hatte, dass Granger versteinert worden war.
Sie werden wieder lebendig, dachte er.
Bald würden die Alraunen soweit sein. Dann würden alle Versteinerten wieder aufwachen.
Es sei denn, es funktionierte aus irgendeinem Grund nicht.
Aber soweit dachte Draco vorerst ersteinmal nicht.
„Sie alle kehren bis spätestens achtzehn Uhr in den Gemeinschaftsraum zurück. Danach verlässt keiner mehr die Räumlichkeiten. Eine Lehrkraft wird Sie ab morgen zu jeder Unterrichtsstunde begleiten."
Alle Slytherins standen und saßen dichtgedrängt im Gemeinschaftsraum.
Draco war vorhin von Pomfrey entlassen worden, als der Beruhigungtrank endgültig seine Wirkung zeigte. Im Gemeinschaftsraum angekommen hatten so viele Slytherins besorgt reagiert, dass ihm ganz warm ums Herz geworden war - nicht nur seine Freunde, die Jungs aus den anderen Jahrgängen, das Quidditch-Team und Ava und Lucian als Vertrauensschülerpaar sorgten sich um ihn, auch Jungen und Mädchen, mit denen er sonst weniger zu tun hatte, fragten nach seinem Wohlbefinden. Selbst Lu Baddock wünschte ihm weiterhin gute Besserung, was ihn unter anderen Umständen vermutlich sehr gefreut hätte. Im Moment war er einfach nur zerstreut.
Nun stand Snape im Gemeinschaftsraum und erklärte ihnen die Konsequenzen aus dem Doppelangriff.
„Quidditchtraining und -spiele sind bis auf Weiteres gestrichen", fuhr Snape fort und Draco hörte aus Marcus' Richtung ein frustriertes Stöhnen. „Das ist das kleinste Übel, Mr Flint. Ich muss Ihnen allen wohl kaum sagen, dass die Schule geschlossen werden muss, wenn die Angriffe nicht aufhören. Und nun gute Nacht."
Mit diesen Worten rauschte ihr Hauslehrer mit wehendem Umhang hinaus.
Sofort brach regelrechter Tumult im Gemeinschaftsraum aus. Alle Slytherins redeten wild durcheinander.
„Wahnsinn", hörte Draco Greg sagen. „Wie der Erbe Slytherins es wohl schafft, so ungesehen im Schloss herumzustreifen?"
„Jetzt hat es endlich dieses klugscheißerische Schlammblut Granger erwischt", meinte Vincent. „Schade, dass Potter und Weasley nicht gleich mit versteinert wurden."
Genau genommen hatte er Recht, dachte Draco. Granger war eine Klugscheißerin. Und überall steckte sie ihre Nase hinein. Sie war selber Schuld, dass sie versteinert worden war. Warum war sie ihm auch nachgerannt, verdammt noch mal?
„Draco?"
Er sah auf.
Es war Theo, der ihn leise angesprochen hatte.
Der Blick der dunkelblauen Augen seines Freundes lag besorgt auf ihm.
„Wie geht es dir?"
Draco zuckte vage mit den Schultern.
„Gut", log er.
„Was war denn vorhin mit dir los?", fragte nun Blaise. „Erst verschwindest du aus der Bibliothek, ohne ein Wort zu sagen, und als du wieder auftauchst, siehst du aus, als hättest du Slytherins Monster persönlich getroffen."
Es sollte ein Witz sein, natürlich, aber Draco zuckte heftig zusammen.
„Draco? Was ist los?", fragte Theo, halb besorgt, halb eindringlich, und kniff die Augen zusammen.
„Nicht hier", flüsterte Draco, stand auf und ruckte mit dem Kopf, um den anderen zu bedeuten, dass sie ihm folgen sollten.
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A Death Eater's Tale
FanfikceJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
