Am Tag des Spiels Slytherin gegen Ravenclaw war es kühl, aber sonnig, und lediglich eine sanfte Brise wehte.
„Das perfekte Wetter, um ein Spiel zu gewinnen", meinte Marcus, als sie sich alle in der Umkleidekabine versammelt hatten.
Als sie sich umgezogen hatten und aufs Spielfeld gehen wollten, fühlte Draco Marcus' große, starke Hand fest auf seiner Schulter.
„Draco", sagte er und kurz wirkte es so, als überlegte er, wie er den nächsten Satz formulieren sollte. „Diese neue Sucherin... Sie ist wirklich gut. Ich habe sie bei Ravenclaws Auswahlspiel gesehen. Sie wären dumm gewesen, wenn sie sie nicht als Sucherin eingesetzt hätten. Dann hatte sie ja diese Knöchelverletzung und kurzzeitig dachte ich, wir müssen heute gegen ihren Ersatz spielen, was uns den Weg zum Sieg noch mehr erleichtert hätte, aber die Verletzung konnte durch Pomfrey gut behoben werden."
Marcus sah unglücklich und so aus, als bedauere er Cho Changs Genesung sehr.
„Jedenfalls... Theo ist mit der Kleinen zusammen, habe ich mitbekommen?"
„Ähm... ja. Cho ist seine Freundin", bestätigte Draco.
Marcus verzog das Gesicht, als hätte er eine von Bertie Botts Bohnen mit Popelgeschmack erwischt.
„Das hat aber keinen... Ich meine, versteh mich nicht falsch... aber das hat keinen Einfluss auf das Spiel heute, oder?"
Draco schüttelte den Kopf.
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich weiß, was du meinst, aber ich werde nicht anders spielen, nur weil Cho Theos Freundin ist."
Marcus nickte ernst.
„Guter Junge." Er schlug Draco kräftig mit der Hand auf die Schulter. „Theo wird dafür hoffentlich Verständnis haben?"
„Ja", bestätigte Draco. „Er will auch, dass wir gegen Ravenclaw gewinnen."
Marcus nickte beruhigt.
„Sehr gut. Kurzzeitig hatte ich befürchtet, du würdest einen auf Kavalier machen, weil sie die Freundin deines besten Freundes ist, aber wenn das so ist... Gib alles, Draco! Hau sie notfalls vom Besen, wenn es nötig ist."
„Geht klar", bestätigte Draco, der sich nicht ganz sicher war, wie ernst Marcus die Aussage meinte - sah man allerdings das vor Aufregung und Ehrgeiz beinahe fiebrige Glänzen in Marcus' Augen, konnte man davon ausgehen, dass es ihm ziemlich ernst war.
„Flint, Davies - geben Sie sich die Hände!", verlangte Hooch kurze Zeit später, als die Mannschaftskapitäne sich gegenüberstanden, ihre jeweiligen Teams im Rücken.
Davies, der Kapitän der Ravenclaws, zuckte minimal zusammen, als Marcus offensichtlich seine Hand viel zu fest drückte.
Draco sah Cho zwischen den anderen Mannschaftsmitgliedern. Sie war das einzige Mädchen im Team der Ravenclaws und somit auch das einzige Mädchen auf dem Spielfeld, da die Slytherins nach wie vor eine reine Jungenmannschaft waren.
Cho bemerkte, dass er sie ansah und lächelte ihm freundlich zu. Draco ruckte lediglich leicht mit dem Kopf in ihre Richtung.
Der Pfiff gellte übers Quidditchfeld und das Spiel begann.
Draco gab einen überraschten Laut von sich, als Marcus ihn ohne Vorwarnung hochhob und auf eine seiner und eine von Adrians Schultern setzte, so dass die beiden ihn trugen.
Die Mannschaft jubelte und versammelte sich um den Mannschaftskapitän, dessen besten Freund und Draco. Gemeinsam, laut grölend, machten sie sich so auf den Weg zur Umkleidekabine. Draco riss die Arme hoch und reckte die Fäuste triumphierend in Richtung der Tribüne, auf der die Mitglieder seines Hauses saßen. Er sah ein Meer aus grünen Flaggen, Fähnchen, Pullovern und Bannern. „Slytherin!", brüllten hunderte von Kehlen, immer wieder im Wechsel mit dreimal hintereinander klatschen. Dracos Herz raste vor Stolz und Glück, als er dazwischen, immer lauter werdend, seinen Namen hörte, bis kleine Gruppen aus dem Hause Slytherin im Chor riefen: „Mal-foy! Mal-foy! Mal-foy!"
Cho war verdammt gut gewesen, ja - aber Draco war besser. Er hatte ihr den Schnatz direkt vor der Nase weggeschnappt.
Sie hatten die Umkleidekabinen beinahe erreicht, als er jemanden seinen Vornamen rufen hörte.
Als er sich auf Adrians und Marcus' Schultern leicht umdrehte, sah er, wie ihnen eine ganze Gruppe hinterher gerannt kam: Gregory, Vincent, Theo, Blaise, Pansy und Millicent.
Marcus und Adrian mussten es auch bemerkt haben, denn sie ließen Draco vorsichtig herunter. Im nächsten Moment wünschte Draco sich fast, sie hätten es nicht getan, denn seine vier Freunde umarmten ihn gleichzeitig und so ungestüm, dass ihm die Luft wegblieb und er sich sicher war, dass sie ihm mindestens eine Rippe gebrochen hatten.
„Hey, lasst den Jungen leben, ich brauche den noch als Sucher", lachte Marcus.
„Ach, nur deshalb machst du dir Sorgen?", tat Draco beleidigt.
„Nee nee", schmunzelte Marcus. „Du bist schon ganz in Ordnung."
Draco zog die Augenbrauen hoch.
„In Ordnung?", wiederholte er. Er fühlte sich unglaublich beschwingt, fast so, als habe er Feuerwhisky getrunken.
Marcus lachte, laut und dröhnend.
„Wir sind Freunde, Kleiner, das weißt du doch", sagte er, und wuschelte ihm kurz freundschaftlich durchs Haar.
Draco grinste. Kurz trafen sich Marcus' und sein Blick, und zu Dracos Erstaunen sah er darin wirklich Zuneigung - und echte Dankbarkeit.
Er ist froh, dass ich es niemandem erzählt habe, schoss es Draco kurz durch den Kopf, dann klopfte ihm Millicent anerkennend auf die Schulter - und im nächsten Moment warf sich Pansy ihm um den Hals.
„Pansy!", lachte Draco und halb erwiderte er die Umarmung, halb versuchte er, sie wegzudrücken.
„Glückwunsch, Draco", hörte er Pansy nah an seinem Ohr. Dann löste sie sich von ihm, sah ihn an - und küsste ihn.
Genau genommen legte sie ihre Hände in seinen Nacken, stellte sich auf die Zehenspitzen und presste ihre Lippen auf seine.
Draco war einen Augenblick wie erstarrt und riss die Augen auf.
Dann drückte er Pansy beinahe hastig weg.
Im nächsten Moment wurde ihm bewusst, dass die Geste kränkend wirken könnte, gleichzeitig dachte er aber, dass Pansys Verhalten sehr übergriffig gewesen war. Er versuchte, die Situation zu retten, indem er ihr freundschaftlich auf die Schulter klopfte.
„Äh... danke?", sagte er und es klang beinahe wie eine Frage.
Marcus räusperte sich und legte Draco die Hand auf die Schulter.
„Komm, Kleiner, duschen und umziehen, dein Fanclub muss kurz warten."
Draco war froh, dass Marcus ihn in die Umkleidekabine bugsierte und so aus der Situation rettete.
Beim Duschen und beim anschließenden Umziehen alberten sie herum, lachten, machten sich über die dummen Gesichter der Ravenclaw-Mannschaft lustig, als Draco den Schnatz gefangen hatte.
Danach machten sie sich auf den Weg zum Schloss - Theo und Blaise hatten vor der Umkleidekabine auf Draco gewartet, von Pansy und Millicent war nichts mehr zu sehen.
Sie redeten aufgeregt miteinander, fielen dabei ein wenig zurück, während der Rest der Mannschaft lachend voraus lief.
Im Schloss angekommen, ernteten sie unfreundliche und teilweise böse Blicke von Schülergruppen, an denen sie vorbei kamen. Wieder einmal schien niemand ihnen den Sieg gegen Ravenclaw zu gönnen.
Draco hatte so gute Laune, dass diese weder dadurch noch durch diesen Vollidioten McLaggen getrübt werden konnte. An diesem kamen sie nämlich auch vorbei. Er saß mit einigen Jungs aus seinem Jahrgang zusammen, sowie mit zwei Mädchen, wobei er dem einen davon fest den Arm um die Taille gelegt hatte - offensichtlich waren die beiden ein Paar.
Für Draco war es ein Rätsel, wie irgendein Mädchen sich auf diesen Penner einlassen konnte, aber er hatte bereits bemerkt, dass McLaggen tatsächlich kein Kind von Traurigkeit war und er immer wieder neue Freundinnen hatte.
Seine neueste war erschreckenderweise sogar ein ziemlich hübsches Exemplar.
„Freut euch nicht zu früh, ihr Versager", rief McLaggen ihnen zu, als sie vorbei gingen. „Unsere Mannschaft wird euch platt machen, wenn sie gegen euch spielt."
„Fick dich, du Bastard", schrie Marcus über die Schulter und einige andere Teammitglieder machten obszöne Gesten in Richtung McLaggen, aber sie gingen geschlossen weiter, offensichtlich hatten sie keine Lust, sich ihre Laune von diesem Idioten verderben zu lassen.
„Hey, Malfoy!", fuhr McLaggen nun ihn an, da der Rest der Mannschaft bereits außer Hörweite war. „Hat ein glücklicher Windstoß dir den Schnatz in die Hand gepustet oder hatte Daddy die Finger mit einem Zauber im Spiel? Ohne seine Hilfe kriegst du doch nichts geschissen."
„Halt's Maul, McLaggen", knurrte Draco und Theo sagte warnend: „Vorsicht, McLaggen, ich breche dir gerne die Nase, so wie letztes Schuljahr."
Draco erinnerte sich noch zu gut daran, wie Theo sich in der Bibliothek mit McLaggen und einem von dessen Freunden gleichzeitig geprügelt hatte. Draco selbst und Blaise hatten Theo danach in den Krankenflügel begleitet.
„Ach, halt die Fresse und verzieh dich in dein Karnickelloch, Nott", fauchte McLaggen und seine Freunde lachten.
Das Mädchen an seiner Seite, um dessen Taille immer noch sein Arm lag, kicherte auch kurz, aber fast wirkte es so, als würde sie sich nicht über Theo lustig machen, sondern eher so, als würde sie McLaggens Aussage nicht ganz ernst nehmen.
Und tatsächlich sagte sie im nächsten Moment: „Aber Cormac, hast du nicht gesehen, dass er gar nicht mehr diese Zähne hat?"
„Was?", fragte McLaggen, einerseits verwirrt, andererseits fast ein wenig verärgert.
„Er sieht anders aus", ergänzte das Mädchen und sah zu Theo - mit einem überraschend intensiven Blick.
Draco sah seinen Freund ebenfalls an. Im ersten Moment, nur sehr kurz, wirkte dieser überrumpelt, aber er fing sich schnell und grinste das Mädchen an, das sofort zurückgrinste. McLaggens Griff um ihre Taille wurde fester.
Auch Theo entging McLaggens Geste nicht, und sein Grinsen bekam etwas Wölfisches.
„Gute Auffassungsgabe", sagte er zu dem Mädchen, in einem flirtenden Tonfall. „Kluges Mädchen."
McLaggen ließ seine Freundin los und sah wütend zwischen ihr und Theo hin und her.
Das Mädchen schwieg, aber sie lächelte und strich sich in einer Geste, die Blaise einmal so wunderbar karikiert hatte, eine Strähne hinters Ohr, senkte kurz die Lider und sah Theo dann mit einem überraschend ausgeprägtem Glühen in den Augen an.
Und wie um McLaggen richtig zur Weißglut zu bringen, zwinkerte Theo ihr im Vorbeigehen noch kess zu, was sie erröten ließ.
Sie lachten, als sie sich ein paar Schritte weiter noch einmal umdrehten und sahen, wie McLaggen seine Freundin am Arm verärgert zu sich gedreht hatte und nun wütend auf sie einredete.
„Ehekrise, ausgelöst durch Theo Nott", witzelte Draco und Greg und Vince lachten.
Blaise legte im Gehen seinen Arm um Theos Schultern.
„Kein schlechter Move, Kumpel", sagte er anerkennend.
Theo lachte.
„Ich hatte einen guten Lehrmeister", meinte er.
„Du hast gerade beinahe diesem Arschloch McLaggen seine Freundin ausgespannt", lachte Draco.
„Ganz ehrlich?", meinte Blaise. „Die ist heiß, ich hätte es Theo nicht mal verdenken können."
„Ich hab eine Freundin", schmunzelte Theo.
„Ja, natürlich", bestätigte Blaise. „Aber wenn dir eine andere irgendwann vielleicht besser gefällt..."
Theo grinste.
„Klar... Kann passieren. Aber das Mädchen gerade eben würde so oder so nicht in Frage kommen - sie ist eine Gryffindor. Wer will schon mit einer von denen zusammen sein?"
Den letzten Teil des Satzes sprach er abfällig aus.
„Hast irgendwie Recht", meinte Blaise. „Gryffindors sind schon alle bescheuert."
Er machte eine kurze Pause.
„Trotzdem war sie heiß. Vielleicht solltest du eine Ausnahme machen, falls sie echt an dir Interesse hat."
Theos Mundwinkel zuckten.
„Mal schauen."
Offensichtlich gefiel ihm die Vortellung, McLaggen die Freundin auszuspannen.
Draco wollte gerade etwas dazu sagen, als er in einem Seitengang einen roten Kater entdeckte, der ihn intensiv ansah.
Knieselchen saß ruhig da, nur der Schwanz zuckte leicht, er starrte ihn an ohne zu blinzeln. Irgendwie wirkte der Blick eindringlich.
Dann drehte sich der Kniesel-Mix um und stolzierte davon - nicht, ohne Draco über die Schulter noch einmal anzusehen.
„Ähm... ich komme gleich nach in den Gemeinschaftsraum."
„Draco? Was ist los?", rief Theo ihm nach, aber er reagierte nicht, sondern folgte rasch dem Kater.
Er hatte sich nicht geirrt.
Das Tier wollte offensichtlich, dass er ihm folgte, denn er sah immer wieder beinahe ungeduldig über die Schulter, so als hoffte er, Draco würde schneller nachkommen.
Ganz kurz dachte Draco an den unheimlichen, schwarzen Hund, den er zusammen mit Knieselchen gesehen hatte, und er hoffte, dass der Kater ihn nicht zu diesem bringen wollte.
Aber der Kniesel-Mix hatte ein anderes Ziel.
Sie saß auf einer niedrigen Mauer, mitten im Gang, mit Blick zum Fenster. Da sie ihm den Rücken zugekehrt hatte, sah er lediglich ihre wilden, braunen Locken und das dunkelrote Oberteil, das sie trug.
Knieselchen sprang zu ihr auf die Mauer und rieb seinen hässlichen Schädel an ihrem Arm.
Sofort hob sie die Hand und streichelte das Tier, drehte dabei leicht den Kopf zur Seite.
Draco wollte sich gerade wieder geräuschlos zurückziehen, ehe Granger ihn bemerkte, als er es hörte: Ein leises Schniefen.
Sie weinte.
Er war sich sicher, auch wenn er ihr Gesicht immer noch nicht erkennen konnte.
Knieselchen warf einen durchdringenden Blick auf Draco, während er sich genießerisch streicheln ließ.
„Wenigstens haben wir uns noch, nicht wahr, Krummbein?", hörte er Granger leise sagen und deutlich bemerkte er, wie tränenerstickt ihre Stimme klang.
Der Kniesel-Mix rieb sich ein letztes Mal an ihr, dann sprang er wieder hinunter auf den Boden, tapste die wenigen Meter zum geöffneten Fenster und sprang in die Fensterbank, um sich dort bequem hinzusetzen.
Sein Blick glitt wieder zu Draco - und Granger drehte sich um, wie um zu schauen, wo das Tier hinsah.
Sie sah ihn nur für den Bruchteil einer Sekunde an, aber er sah trotzdem ihre feuchten Wangen, die mit Tränen gefüllten Augen. Hastig und erschrocken drehte sie sich wieder von ihm weg, und er sah, wie sie sich schnell mit dem Ärmel über die Augen wischte.
Seine Füße setzten sich von alleine in Bewegung.
„Was willst du?", fragte sie, als er direkt neben ihr stand, und vermutlich klang sie nicht so unfreundlich und abweisend, wie sie es gerne gehabt hätte. Wieder wischte sie sich mit dem Ärmel über die Augen. Sie schniefte leise.
Langsam, zögerlich, glitt er neben sie auf den kühlen Stein.
„Warum heulst du?", fragte er und versuchte, ein wenig distanziert zu sein, schließlich konnte es ihm eigentlich egal sein, warum ein Schlammblut weinte.
„Ehrlich", fuhr sie ihn an. „Wenn du nur wieder unfreundlich sein willst, dann hau ab! Oder ich gehe!"
Sie erhob sich halb, aber seine Hand schoss ohne sein Zutun vor und schloss sich um ihr Handgelenk.
„Warte", bat er leise.
Tatsächlich sank sie zurück auf die Mauer, und nur langsam ließ er ihr Handgelenk wieder los.
„Was ist los?", erkundigte er sich und dieses Mal fragte er es so neutral wie möglich.
Sie sah grauenhaft aus.
Granger war blass, viel blasser, als er es von ihr kannte. Ihre Locken waren noch unordentlicher und chaotischer als sonst. Unter ihren Augen waren dunkle Ringe, die Augen selbst waren gerötet. Obwohl sie sich über die Wangen gewischt hatte, waren immer noch Tränenspuren zu sehen. Und sie sah furchtbar müde und unglücklich aus.
Bereits seit Wochen bemerkte Draco, dass mit ihr irgendetwas nicht stimmte, aber nun war es unübersehbar.
Ihr ging es eindeutig sehr schlecht.
„Warum willst du das wissen? Um wieder blöde Sprüche zu machen?"
Sie klang tränenerstickt, als sie es fragte.
Draco holte tief Luft und atmete sehr langsam wieder aus.
„Granger, was ist passiert?", fragte er, ohne auf ihre Worte einzugehen.
Sie starrte zu Boden, schluckte schwer. Ihre Augen füllten sich erneut mit Tränen und kurz sah es so aus, als würde sie jeden Moment wieder anfangen zu weinen.
„Es ist etwas Schreckliches passiert", flüsterte sie.
„Was?", hakte er nach. „Was ist passiert?"
Sie presste die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf, so als sei es zu schrecklich, darüber zu reden. Dann schluchzte sie und begann wieder zu weinen.
Kurz saß Draco hilflos neben ihr.
„Granger...", murmelte er dann leise, und es war, als wäre das der Auslöser gewesen.
„Es ist einfach alles so schrecklich", platzte es schluchzend aus ihr heraus. „Harry und Ron reden kein Wort mehr mit mir... Aber es ist nicht nur das... Ich muss gerade so extrem viel für die Schule machen, aber ich will das einfach schaffen... Und dann erst die Sache mit dem Besen und dann das, was jetzt passiert ist... Ich... ich weiß nicht, wie ich es erklären soll. Harry hat diesen Besen geschenkt bekommen, das neueste Modell, und er und Ron haben sich einfach nur darüber gefreut, aber wer schickt anonym einen so teuren Besen? Es hätte sein können, dass er verhext ist, es war richtig, dass ich es Professor McGonagall gemeldet habe, aber Harry und Ron haben mich dafür gehasst, dass der Besen eine Weile konfisziert wurde! Ich habe mir doch aber nur Sorgen um Harry gemacht! In den vergangenen Schuljahren war er schließlich auch ständig in Lebensgefahr, und... und..."
Sie brach ab und schluchzte.
Draco sah sie an, beobachtete sie, wie sie weinte, ihr Gesicht vor Pein verzogen.
„Sie reden nicht mehr mit dir, weil du dafür gesorgt hast, dass Potter der Besen eine Weile abgenommen wurde?", vergewisserte Draco sich leise.
Das neueste Modell... Jemand hatte Potter anonym einen Feuerblitz zugeschickt? Das war verrückt.
„Ja..."
Draco runzelte die Stirn.
„Es ist schon verdächtig, wenn man jemandem anonym einen so teuren Besen sendet", stellte er fest.
Beinahe erleichtert sah sie ihn an.
„Eben! Aber das ist nicht alles. Es ist einfach alles sehr viel im Moment, die Schule und die vielen Kurse eben, dann der Streit mit Harry und Ron... Dann ist da auch noch Hagrids Anhörung wegen Seidenschnabel... Ich habe schon so viele Nächte damit verbracht, rechtliche Grundlagen zu studieren, um Hagrid und Seidenschnabel zu helfen... Ich schlafe kaum noch..."
Draco fühlte ein unangenehmes Ziehen im Bauch.
Während er kaum noch einen Gedanken an den Hippogreif verschwendet hatte, schien der Prozess Granger fast ununterbrochen zu belasten. Kein Wunder, dass sie so schlecht aussah, sie schien kaum noch zu schlafen und vor Kummer und Stress sehr belastet zu sein.
„Und gerade sind Harry und Ron wieder auf mich zugekommen, weil Harry den Besen zurück bekommen hat, und ich dachte, jetzt wird alles endlich wieder gut, da ist es passiert... Oh, es ist so furchtbar..."
Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und schluchzte wieder.
Draco beugte sich nah zu ihr.
„Granger...", flüsterte er, seine Lippen nur wenige Zentimeter von ihrem Haar entfernt. „Was ist denn so Schreckliches passiert?"
Ihre Schultern bebten, aber sie ließ die Hände langsam sinken. Sie starrte den Boden an, während sie weiter redete.
„Möglicherweise", flüsterte sie. „hat mein Kater Rons Ratte getötet. Zumindest ist die Ratte verschwunden und es war Blut auf Rons Bettlaken, dort wo Krätze immer geschlafen hat. Und Krummbein, also mein Kater, hat Krätze wirklich immer versucht zu jagen..."
Draco dachte an den Tag, als er sich mit Lynn treffen wollte und Knieselchen dabei beobachtet hatte, wie er die Ratte gejagt hatte. Es war der Tag gewesen, an dem er den Kniesel-Mix gezeichnet und Gryffindors Wächter entdeckt hatte.
„Und jetzt reden sie also immer noch nicht mit mir", schluchzte Granger. „Ron hasst mich und Harry ist natürlich auf seiner Seite. Dabei ist es nicht einmal sicher, ob Krummbein Krätze wirklich gefressen hat."
Draco dachte still bei sich, dass die Wahrscheinlichkeit schon sehr hoch war, aber das sagte er lieber nicht.
„Und was hätten wir machen sollen? Ron wollte Krätze nicht nur einsperren, ich wollte Krummbein nicht einschränken. Sie sollten sich ja beide frei bewegen! Aber jetzt habe ich meine Freunde verloren... Ich habe doch nur die beiden..."
Sie weinte wieder, leise dieses Mal, und wischte sich noch einmal die Tränen weg.
Draco presste den Kiefer zusammen. Potter und Weasley waren Idioten, er hatte es schon immer gewusst.
„Selbst wenn dein Kater diese Ratte gefressen haben sollte", sagte Draco. „kannst du doch nichts dafür. Er ist ein Kater! Es liegt in seiner Natur, Ratten und Mäuse zu jagen und wie du selber gesagt hast, man hätte keins der beiden Tiere räumlich einschränken können."
„Es tut mir so leid, dass Krätze tot ist", schluchzte Granger. „Und ich vermisse Ron und Harry so..."
Wut ballte sich heiß in Dracos Bauch, Wut auf Potter und Weasley.
„Granger... Du solltest nicht so viel auf die beiden geben. Ganz ehrlich? Sie sind deine besten Freunde, aber reden nicht mehr mit dir wegen eines Besens und einer Ratte?"
„Aber Harry liebt Quidditch doch so und sein Besen ist ihm so wichtig", verteidigte Granger sofort ihre beiden idiotischen Freunde. „Und Ron hat Krätze vermutlich genauso geliebt wie ich Krummbein liebe... Ich verstehe, dass sie mich hassen."
Draco verdrehte die Augen.
„Hör auf, sie zu verteidigen!", entfuhr es ihm so wütend, dass sie ihn aus großen Augen anstarrte. „Ich liebe auch Quidditch und hänge an meinem Besen, aber meine Freunde sind wir wichtiger als beides zusammen. Und wenn ich ein Haustier hätte, würde ich auch daran hängen, aber wenn das Haustier meines Freundes es fressen würde, würde ich deshalb doch niemals die Freundschaft aufgeben!"
Sie starrte ihn an, die Augen feucht, die Lippen leicht geöffnet. Einen Augenblick sog sich sein Blick an zweitem fest.
"Ganz ehrlich, Granger, es ist nicht das erste Mal, dass mir auffällt, dass man im Haus Gryffindor offensichtlich überhaupt nicht weiß, was wahre Freundschaft ist!"
Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und sofort war da wieder ein Ziehen in Dracos Bauch - allerdings war es dieses Mal kein wütendes Ziehen, wie noch vor wenigen Minuten.
„Einerseits hast du Recht", sagte sie. „Aber andererseits kannst du mir auch nichts von Freundschaft erzählen-"
„Meine Freunde und ich-", begehrte Draco auf.
„-schließlich hast du aufgrund der Herkunft gar nicht erst eine Freundschaft zugelassen", fuhr sie gnadenlos fort.
Er öffnete den Mund, schloss ihn wieder und presste fest die Lippen zusammen.
Sie sah ihn weiter an.
„Das ist etwas vollkommen anderes", sagte er leise.
Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie unfassbar nah sie sich waren. Er roch ihren angenehmen Duft, sah das intensive Braun ihrer Augen. Aus irgendeinem Grund musste er daran denken, wie sie auf ihm gelegen hatte, als sie zusammen gestürzt waren, und sofort hatte er den Geruch von Regen in der Nase. Vermutlich würde er diesen Geruch für immer mit ihr verknüpfen.
„Ist es das?", flüsterte sie.
Eine Träne kullerte aus ihrem Augenwinkel.
Draco war nicht minder verwundert als Granger selbst, als er die Träne vorsichtig mit dem Daumen von ihrer sommersprossigen Wange wischte.
„Heul nicht wegen Potter und Weasley", sagte er, ohne auf ihre Worte einzugehen. „Sie sind es nicht wert."
Ihre Haut fühlte sich so unsagbar weich an unter seinem Finger...
Leicht flatterten ihre Lider, so als würde sie dagegen ankämpfen, dass ihre Augen zufielen.
Mit einem Ruck stand er auf und beeilte sich, zu seinen Freunden und der Mannschaft in den Gemeinschaftraum zu kommen, um mit ihnen den Sieg gegen Ravenclaw zu feiern.
Den ganzen Abend spukten ihm riesige dunkle Augen mit von Tränen feuchten Wimpern durch den Kopf, und er hasste sich selbst ein wenig dafür...
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A/N: Es wird in den nächsten Kapiteln ein wenig Dramione Auf und Ab geben. :) Es kommen übrigens noch ca 9 Kapitel, dann ist Buch 3 aus Dracos Sicht beendet.
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A Death Eater's Tale
FanfictionJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
