„Theo! Theo, mach schon! Wir kommen noch zu spät zum Unterricht!"
Es kam keine Reaktion aus dem Badezimmer und Draco runzelte die Stirn.
Er zögerte nur einen kurzen Moment, dann klopfte er an die Tür.
„Theo!"
„Komm, dann gehen wir eben schon vor", meinte Blaise und Gregory und Vincent nickten zustimmend.
„Nein, es ist doch blöd für Theo, wenn er alleine gehen muss", meinte Draco und klopfte erneut. „Theo? Ist alles ok?"
Keine Antwort.
„Theo?"
„Draco, lass ihn, wer weiß, was er dadrin macht."
Draco sah Blaise an.
„Eben!", bestätigte er. „Wer weiß, was er macht! Er verhält sich in letzter Zeit seltsam, findest du nicht? Und dann diese ständigen Treffen mit Professor Lupin, so gut wie nach jeder Stunde-"
„Ich glaube nicht, dass das mit Lupin einen Zusammenhang hat mit dem, was er da im Bad tut", unterbrach Blaise ihn.
„Ganz ehrlich? Ich mache mir Sorgen", gestand Draco. „Ich-"
In diesem Moment wurde die Badezimmertür aufgerissen.
„Wir können los", grinste Theo.
Ja, er grinste, er strahlte regelrecht, und Draco starrte ihn an, während Theo so fröhlich wirkte wie schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr.
Ein Blick auf Theo machte Draco klar, an was sein Freund da seit einer geraumen Weile heimlich herumprobiert hatte.
„Theo!", entfuhr es ihm.
Der Angesprochene grinste nur noch breiter - ein offenes Lächeln, von dem Draco erst jetzt auffiel, wie lange er es an Theo nicht mehr gesehen hatte.
„Kommt", sagte Theo und zwinkerte. „Wir kommen noch zu spät zum Unterricht."
Der Schultag verging quälend langsam.
Es war Freitag, und Draco konnte es nicht abwarten, dass es endlich Abend wurde, denn heute Nacht würde er sich mit Lynn treffen und- ja, und was eigentlich?
Draco war sich nicht ganz sicher.
Irgendwie würde er es total cool finden, als Erster aus seinem engen Freundeskreis Sex zu haben, auf der anderen Seite fühlte er sich - was er niemals offen zugeben würde - irgendwie noch nicht bereit für diesen Schritt.
Aber vielleicht konnten sie zumindest auf andere Art und Weise intim werden.
Draco war ganz scharf darauf, endlich mehr Erfahrungen zu sammeln. Er fühlte sich mittlerweile einfach schon sehr reif und erwachsen und für ihn gehörte es zum Erwachsenwerden schlichtweg dazu, reichlich körperliche Erfahrungen zu sammeln.
Allerdings gab es etwas, was ihn von dem Gedanken an das Treffen mit Lynn ablenkte und dieses „etwas" hatte buschige braune Locken und trug eine Gryffindor Krawatte.
Nach Alte Runen, dem Fach, in dem sie stets still und konzentriert neben Draco arbeitete, während dieser versuchte zu ignorieren, dass ihm immer wieder dieser blumig-karamellige Duft in die Nase stieg, fiel ihm auf, wie hastig Granger wieder einmal den Raum verließ.
„Geht schon mal, ich muss da mal was checken", sagte er zu seinen Freunden, die ihn irritiert ansahen, dann aber nickten.
Draco beeilte sich, Granger zu folgen. Er bog um die Ecke und sah sie am Ende des Ganges, sie war gerade dabei, in den Innenhof zu hasten.
Draco folgte ihr.
Es nieselte stark, aber das schien Granger nicht zu stören. Sie stellte sich, halb verborgen, hinter eine der Steinfiguren auf dem Hof.
Irgendetwas stimmte dieses Schuljahr mit Hermine Granger eindeutig nicht.
„Hey, Granger!"
Sie zuckte zusammen und fuhr herum.
Draco konnte gerade so wahrnehmen, wie müde und gestresst sie wirkte und dass sie hastig etwas in den Kragen ihrer Bluse schob, als es auch schon passierte: Durch ihr ruckartiges Drehen riss der Träger ihrer heillos überfüllten Schultasche und der Inhalt verteilte sich auf dem feuchten Boden.
Und Dracos Körper reagierte, ohne dass er bewusst darüber nachdachte.
Er hörte, wie Hermine Granger ein erschrockenes Keuchen von sich gab, als er sich blitzschnell bückte, ihre Lehrbücher beiseite schob und das fand, was er suchte, um es an sich zu reißen.
„Gib das her!", rief Granger und grabschte nach dem Stundenplan, um ihn ihm aus der Hand zu reißen, aber Draco reagierte schnell; er hob den Arm so weit, dass sie das Pergament nicht erreichen konnte und legte den Kopf in den Nacken, um den Stundenplan lesen zu können.
„Lass das!", kreischte Granger und stellte sich auf die Zehenspitzen, um so vielleicht das Pergament zu fassen zu bekommen.
Draco reckte den Arm noch mehr.
Da er Granger davon abhalten musste, den Stundenplan zurück zu erobern, konnte er diesen um einiges schlechter lesen, als es ihm eigentlich lieb gewesen wäre, aber Granger hüpfte mittlerweile an ihm auf und ab und zeterte ununterbrochen.
„Was zur Hölle, Granger?", fragte er und las dann vor: „Montag - neun Uhr: Wahrsagen. Auch neun Uhr: Muggelkunde, und dann auch um neun Arithmantik."
„Gib mir den Stundenplan!", schrie Granger.
Ihr Körper war mittlerweile nah an seinen gepresst, sie stützte sich mit einer Hand auf seiner Schulter ab, während sie auf den Zehenspitzen tänzelte und mit der anderen Hand nach dem Pergament grabschte.
„Und an den anderen Tagen sieht es genauso aus", fuhr Draco ungerührt fort. „Granger, du hast zehn Fächer an jedem Tag!"
„Ich sagte", knurrte Granger gepresst. „Gib mir meinen Stundenplan!"
Bei den letzten Worte versuchte sie besonders aggressiv an das Pergament in Dracos Hand zu kommen, auf eine so panische Art, dass Draco auf dem nassen, frisch gemähten Rasen das Gleichgewicht verlor.
Er hätte sich sicherlich noch fangen können und nicht stürzen müssen, wenn Granger sich nicht so stark an ihn gedrückt hätte, dass sie nun selber das Gleichgewicht verlor und nach vorne kippte, wodurch sie Draco unabsichtlich noch schubste.
Also kippte Draco nach hinten, Granger nach vorne.
Nachdem er hart auf dem Rücken aufgekommen war, benötigte er einen Augenblick, um zu begreifen, dass Granger nicht mehr versuchte, ihm den Stundenplan aus der Hand zu reißen - was daran lag, dass sie auf Draco lag und vollkommen erstarrt war.
Es war eine groteske Situation.
Draco nahm alles überdeutlich wahr:
Seinen schmerzenden Rücken vom Sturz, die Regentropfen auf seinem Gesicht, das Gewicht von Granger auf ihm. Er fühlte ihre schnelle Atmung und die Wärme ihres Körpers. Ihre dunkelbraunen Augen waren weit aufgerissen, und er konnte förmlich sehen, wie die Hitze in ihre Wangen stieg. Ihre Lippen waren leicht geöffnet... Ihre Lippen, die nur zwei Zentimeter von seinen entfernt waren.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob ein Mädchen dich küssen will, dann berühr ihr Haar, streich ihr eine Strähne hinters Ohr oder tu so, als würdest du ihr ein Blatt aus den Haaren ziehen, hatte Blaise zu ihm gesagt, und er fragte sich, wieso zur Hölle er ausgerechnet in diesem Moment daran denken musste.
Mehrere Sekunden starrten sie sich einfach schwer atmend in die Augen.
Dann kam wieder Leben in Hermine Granger.
Sie angelte nach dem Stundenplan, den Draco immer noch festhielt, und er ließ sich ihn widerstandlos abnehmen.
Dann richtete Granger sich hastig auf, und überdeutlich spürte er dabei ihre Hände auf seiner Brust, als sie sich darauf abstützte.
Draco setzte sich hin, als sie aufstand, und beobachtete sie schweigend dabei, wie sie ihre Sachen zusammen klaubte, in die Tasche stopfte und sich diese dann unter den Arm klemmte, da sie sich scheinbar nicht einmal die Zeit nehmen wollte, den Tragegurt mit einem Reparo zu reparieren.
Er sah ihr nach, wie sie mit hochrotem Kopf und wehenden Locken verschwand.
Den Geruch von Regen bekam er den ganzen restlichen Tag nicht mehr aus der Nase.
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A Death Eater's Tale
FanfictionJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
