Abschied und Anfang

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Sie stellten ihre gepackten Koffer zu der Masse an Gepäck im Eingangsbereich.
Das Frühstück war beendet, bald mussten sie sich mit den Kutschen auf den Weg zum Bahnhof machen.
Doch vorher galt es noch, sich von den Gästen zu verabschieden.
Sie tauschten Adressen aus - Theo mit dem Durmstrang-Mädchen, das er in den letzten Monaten gedatet hatte, und Blaise mit dessen Freundin. Tatsächlich ergab es sich auch, dass Draco seine Adresse mit Océane austauschte. Sie hatten sich zwar in den letzten Wochen ein wenig aus den Augen verloren, wollten beide aber unbedingt in Kontakt bleiben.
Direkt vor dem Eingang herrschte ein großes Durcheinander. Erst jetzt wurde Draco bewusst, wie viele Freundschaften sich in den vergangenen Monaten entwickelt hatten. Es waren zwar nur zwei Dutzend fremde Schülerinnen und Schüler dagewesen, aber diese hatten offensichtlich zu vielen Menschen in Hogwarts Kontakt gehabt.
Maxime stand an der Kutsche und redete mit Hagrid. Die beiden riesigen Lehrkräfte gaben miteinander ein erschreckend harmonisches Bild ab. Niko, der Referendar und Viktors guter Freund, schüttelte gerade - vermutlich als Ersatz für Karkaroff - Dumbledore höflich die Hand. Die anderen Durmstrang-Jungs verabschiedeten sich herzlich von ein paar älteren Schülern aus Slytherin.
Außer Viktor.
Draco presste fest den Kiefer zusammen, als er sah, wie der Quiddtich-Profi etwas abseits mit Granger beisammen stand und ihr auf Wiedersehen sagte.
Wütend wandte er sich ab - und wäre beinahe in Potter hinein gerannt, der sich in diesem Moment von Fleur Delacour verabschiedet hatte.
Potter, der neben Weasley stand, sah genauso begeistert aus Draco zu sehen, wie dieser umgekehrt ihn.
„Glotz nicht so, Narbenfresse", fuhr er den Gryffindor an, eigentlich nur, weil er sich dabei ertappt fühlte, Hermine Granger angestarrt zu haben.
Scheinbar hatte Potter seine Blicke aber gar nicht bemerkt - glücklicherweise.
Stattdessen schien Potter aber etwas anderes zu beschäftigen.
„Du solltest wirklich keine so große Klappe haben, Malfoy!", zischte er. „Wenn du denkst, dass ich meinen Mund halte, hast du dich geirrt. Ich habe Dumbledore alle Namen genannt."
Draco musterte Potter abfällig.
„Was redest du für wirres Zeug, Potter?", schnarrte er. „Ach, weißt du was? Es spielt keine Rolle. Dein dummes Gequatsche interessiert mich nicht."
Er wollte sich gerade abwenden und Sankt Potter und sein Wiesel stehenlassen, als Ersterer sagte: „Es sollte dich aber interessieren, Malfoy. Ich habe Dumbledore alle Namen gesagt. Ich habe jeden einzelnen Todesser aufgezählt!"
Draco erstarrte.
Langsam drehte er sich wieder zu Potter herum.
„Was?", fragte er leise und kniff die Augen zusammen.
Potter sah anders aus, bemerkte er. Trauriger und härter als sonst.
„Die Namen", zischte Potter, und Weasley legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. „Dumbledore kennt alle Namen. Von den Todessern, die angekrochen gekommen sind. Auf diesem Friedhof, auf dem Voldemort zurückgekehrt ist."
Draco verdrehte die Augen.
„Quatsch andere mit deinem Scheiß voll, Potter."
„Oh, es ist Quatsch, ja? Dann sind sowohl Cedric Diggory als auch Mr Crouch einfach von alleine tot umgefallen, ja?"
„Mach dich nicht lächerlich", entgegnete Draco abfällig. „Diggorys Tod war ein Unfall und Crouch hatte eine Vollmeise. Vermutlich ist er vollkommen verwirrt durch den Verbotenen Wald gerannt und sonstwas hat ihn angegriffen."
„Es waren Todesser, die es getan haben, bei Crouch und Cedric!", fuhr Potter ihn an.
Draco wollte sich augenverdrehend erneut abwenden.
„Avery", knurrte Potter. „Und die Väter deiner Freunde. Nott. Crabbe. Goyle. Sie alle waren dort, Malfoy."
Dracos Kiefer mahlte. Er sah sich um, aber glücklicherweise hörte niemand zu.
Er trat bedrohlich näher.
„Erzähl nicht von Dingen, von denen du keine Ahnung hast", schnarrte er.
„Macnair...", fuhr Potter fort.
Draco schnaubte. „Jeder würde dich auslachen, dem du das erzählst. Macnair arbeitet fürs Ministerium."
„...und Lucius Malfoy", sagte Potter wütend.
Draco trat noch näher. Weasley spannte sich an.
„Ich warne dich, Potter", zischte Draco. „Meine Familie ist hoch angesehen. Das Ministerium schätzt uns sehr. Verbreite keine Gerüchte. Mein Vater ist mächtig, er hat Geld und die richtigen Kontakte. Er zerquetscht dich wie eine Fliege für solche Falschaussagen."
Genau genommen klopfte sein Herz aber wie wild in der Brust, auch wenn er nach außen hin gelassen tat. Zwar glaubte er Potter kein Wort von irgendeinem Treffen auf einem Friedhof, aber Tatsache war, dass alle Genannten tatsächlich das Dunkle Mal trugen und sich auch zur Weltmeisterschaft mit seinem Vater getroffen hatten, um mit Toderesserroben die Menge aufzumischen. Gerüchte könnten dazu führen, dass seine Familie überprüft wurde, und er wollte nicht, dass seine Eltern in Schwierigkeiten gerieten.
„Lange kommt dein Vater und auch all die anderen nicht mehr damit davon", behauptete Potter.
Draco gab einen abfälligen Laut von sich.
„Du machst dich lächerlich", sagte er. „Du wiederholst nur die Namen, die in jeder alten Fallakte stehen und damals sowieso öffentlich waren. All diese Menschen, einschließlich mein Vater, wurden entlastet. Also halt einfach deine Fresse."
Mit diesen Worten drehte er sich ruckartig um und ging - bewusst lässig und nicht so, als sei er innerlich komplett aufgewühlt - ins Innere des Schlosses.
Er lief ein Stück rechts den Eingangsbereich hinunter und kam dann vor einem der beinahe bodentiefen Fenster zum Stehen.
Das Thema wühlte ihn mehr auf, als ihm lieb war.
Draco musste an so viele Dinge denken: Daran, dass es aufgeflogen war, dass es sein Vater gewesen war, der Riddles Tagebuch nach Hogwarts gebracht hatte. Und daran, wie sein Vater zusammen mit den Vätern seiner Freunde als Todesser bei der Quidditch-Weltmeisterschaft aufgetaucht war. Selbst daran, wie er in der Zweiten zusammen mit seinem Vater bei Borgin & Burkes versucht hatte, schwarzmagische Artefakte loszuwerden. Draco wusste, es gab einen geheimen Bereich im Kellergewölbe des Manor, wo sein Vater viele weitere Dinge versteckt hatte, über die er niemals sprach.
Der, dessen Namen nicht genannt werden durfte, konnte unmöglich zurückgekehrt sein. Potter log. Auch, was er eben gesagt hatte, war gelogen. Trotzdem waren solche Gerüchte gefährlich. Was, wenn Rita Kimmkorn davon erfuhr? Es war sowieso merkwürdig, dass es um die Reporterin so still geworden war. Doch auch ohne Kimmkorn konnten solche Gerüchte an die Presse geraten. Was, wenn das Ministerium Nachforschungen anstellte? Wenn man herausfand, was sein Vater getan hatte?
Da war sie wieder: Die nagende Angst, die er bereits direkt nach der Weltmeisterschaft verspürt hatte. Angst um seinen Vater. Draco musste alles dafür tun, um ihn zu schützen. Die Vorstellung, dass sein Vater nach Askaban musste, war grauenhaft.
Nein, Potter würde nicht dafür sorgen. Draco musste sich einfach gut überlegen, wie er Potter dazu brachte, sein dummes Maul zu halten. Sonst würde Potter dafür büßen müssen.
Auch sein Vater hatte Angst, selbst wenn Draco noch nicht ganz verstand, wieso. Aber er erinnerte sich nur zu gut an den beunruhigten Blick, den sein Vater dem heraufbeschworenen Mal am Himmel zugeworfen hatte.
„Draco?"
Er zuckte zusammen, als die Stimme ihn aus seinen Gedanken riss.
Als er sich umwandte, sah er Viktor mit großen, aber gelassenen Schritten auf ihn zukommen.
„Draco", wiederholte der Durmstrang-Schüler seinen Namen und kam vor ihm zum Stehen.

A Death Eater's Tale Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt