Werwölfe und Masken

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Lupins Bürotür stand offen. Er war mit Packen fast fertig.
Der leere Glasbehälter des Grindelohs, den er für die Prüfung gebraucht hatte, stand neben seinem zerbeulten alten Koffer.
Draco und Blaise gingen, ebenso leise wie Theo, der einen halben Meter vor ihnen war, zu seinem Schreibtisch, an dem der ehemalige Professor Papiere sortierte.
Er sah auf.
„Ah, Theo", sagte er, mit einem erfreuten Lächeln auf den Lippen. „Schön dich zu sehen. Und du hast deine Freunde mitgebracht."
Sein Blick glitt zu Draco und Blaise.
Theo schwieg. Er hatte den Blick gesenkt und starrte Lupins Schreibtisch an, oder vielmehr schien er durch diesen hindurch zu sehen.
„Wenn ihr wollt, mache ich uns einen Tee", fuhr Lupin im freundlichen Plauderton fort.
Blaise schüttelte den Kopf, und Draco murmelte: „Nein, danke."
Theo rührte sich nicht.
Draco unterzog Lupin einer unauffälligen Musterung.
Er sah krank und müde aus. Natürlich, er hatte ja auch gerade erst vor zwei Tagen eine Vollmondnacht hinter sich, auch noch eine ohne Wolfsbanntrank.
„Ihr seid heute aber nicht gesprächig", lächelte Lupin und sah sie der Reihe nach an.
Als Blaise und Draco ihn nur schweigend ansahen und Theo weiterhin den Schreibtisch anstarrte, wurde er ernst und seufzte.
„Nun schaut nicht, als wäre jemand gestorben. Ihr habt eure Prüfungen geschafft, bald gibt es Zeugnisse, und so wie ich euch drei kennen gelernt habe, werdet ihr hervorragende Noten haben. Und in wenigen Tagen sind Ferien! Ihr habt Wochen voller Freizeit, Sonne und Spaß vor euch. Warum so trübselig?"
„Es ist nicht fair!", platzte es aus Theo heraus. „Es ist nicht in Ordnung, dass Sie gekündigt wurden!"
Lupin lächelte leicht.
„Theo, ich wurde nicht gekündigt. Ich habe gekündigt."
Theos Kopf ruckte hoch. Fassungslos starrte er Lupin an.
„Was?"
„Du hast richtig gehört. Es war die einzig vernünftige Entscheidung."
„Aber... was.. wieso?", stammelte Theo.
Lupin lächelte milde.
„Die ersten Eulen der Eltern sind bereits eingetroffen. Es sind die ersten von vielen, die noch kommen werden. Und ich kann sie sogar verstehen."
„Was? Nein!", entfuhr es Theo. „Sie sind ein guter Lehrer, die Eltern werden das einsehen..."
Lupin schüttelte den Kopf.
„Genau genommen haben sie Recht, weißt du", sagte er sanft. „Schulleiter Dumbledore war sehr überzeugend, als er mich bat, die Stelle hier anzutreten. Es klang bei ihm alles so leicht. Er hat meine Zweifel vor einem Jahr mit einem einzigen Gespräch beiseite gewischt, und ich habe wirklich geglaubt, dass es eine gute Idee ist, hierher zu kommen. Es war eine wunderbare Vorstellung, als Lehrer nach Hogwarts zurück zu kehren, wisst ihr."
Er sah sie nachdenklich an.
„Aber es ist nicht richtig, dass ich hier bin. Die Eltern haben Angst, und das zu Recht. Es kann einfach zu viel schief gehen. Und das wäre es nun auch fast. Ich könnte jeden von euch verletzen, auch wenn ich es eigentlich nicht will. Das ist einfach nicht tragbar."
„Sie würden niemals-", begann Theo, aber Lupin unterbrach ihn mit einem Kopfschütteln.
„Sag das nicht, Theo. Ich bin nicht ich selbst, wenn ich die Gestalt eines Werwolfs habe."
Theo presste fest die Lippen zusammen.
Lupin schloss seinen Koffer.
„Ich wünsche euch für eure weitere Schullaufbahn und für eure Zukunft alles Gute. Wirklich", sagte er währenddessen und ohne sie anzusehen.
„Gehen Sie nicht", sagte Theo leise, seine Stimme brach gegen Ende des Satzes.
Lupin seufzte und kam hinter dem Schreibtisch hervor.
Vor Theo blieb er stehen.
„Ihr werdet einen neuen Lehrer in Verteidigung gegen die Dunklen Künste bekommen, bestimmt einen guten. Du wirst sehen, schon in wenigen Monaten wirst du keinen Gedanken mehr an den Werwolf verschwenden."
Theo schüttelte stur den Kopf.
„Bitte", flüsterte er.
Lupin legte seine Hand auf Theos Schulter. Dieser ließ den Blick gesenkt.
„Du bist ein guter Junge, Theo, vergiss das nie", sagte er. „Und damit meine ich nicht deine schulischen Leistungen. Du bist sehr schlau und fleißig, aber deine Noten sind es nicht, die dich ausmachen. Du hast ein gutes Herz, auch wenn du das selber nicht glaubst. Und du hast etwas sehr Bedeutendes. Gute Freunde. Und das ist so unfassbar wichtig. Sie werden in Zukunft für dich da sein."
Auch wenn ich es nicht bin, schien er stumm hinzuzufügen.
„Freunde, richtige, echte Freunde, sind das Wichtigste, was man im Leben haben kann, Theo. Du bist sehr reich dadurch."
Lupin sah kurz Draco und Blaise an.
Passt gut auf ihn auf, er wird es brauchen, schien sein Blick zu sagen. Dann sah er wieder Theo an, der zu Boden starrte.
„Ich weiß nicht, wie ich ohne unsere Treffen-"
Theo brach ab, weil seine Stimme erstarb. Beinahe zornig wischte er sich mit dem Handrücken über die Augen.
Lupins Arme zuckten, kurz wirkte es so, als würde er Theo in den Arm nehmen wollen und sich in letzter Sekunde daran erinnern, dass dies seine Befugnis als Lehrkraft überschreiten würde.
Stattdessen hob er die Hand und legte sie noch einmal auf Theos Schulter.
Draco sah, wie er seine Schulter kurz drückte.
„Du hast in diesem Jahr alles gelernt, was du in dieser Hinsicht brauchst", behauptete Lupin. „Und nun geht und genießt die Sonne. Freut euch auf die Ferien. Esst ein paar Schokofrösche für mich, ja?"
Blaise und Draco nickten.
„Alles Gute, Professor", sagte Draco und Blaise murmelte: „Auf Wiedersehen."
Blaise zog Theo am Arm, der sich zur Tür ziehen ließ, ohne Lupin noch einmal anzusehen.
Draco folgte ihnen.
An der Tür drehte er sich noch einmal um.
Lupin stand nun wieder hinter dem Schreibtisch, sein Gesichtsausdruck war bekümmert.
Aber dann lächelte er leicht, griff nach einem alten Pergament und faltete es auf.
Von Weitem konnte Draco nicht erkennen, was es für ein Pergament war, aber fast sah es so aus, als seien Gänge und Räume darauf verzeichnet.
Er wandte sich ab und verließ nach seinen beiden Freunden das Büro.


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