Das nächste Hogsmeade Wochenende rückte näher, und Draco war froh, dass ihre Strafe daraus bestanden hatte, Pokale zu putzen, und ihm und seinen Freunden nicht verboten worden war, nach Hogsmeade zu gehen. Das war wohl Longbottom passiert, was auch immer der ausgefressen hatte.
Tatsächlich redete schon nach kürzester Zeit niemand mehr darüber, was Draco zusammen mit Vincent, Gregory und Marcus beim Quidditchspiel getan hatte, selbst Theo, der im Vorfeld immer wieder betont hatte, für was für eine dumme Idee er es hielt, sagte nichts mehr dazu, und Blaise bemerkte nur trocken, dass die schlimmsten Streiche-Spieler sowieso die Weasley-Zwillinge seien und kaum jemand so viele Punkte verlor wie die beiden, weil sie sich ständig in Schwierigkeiten brachten.
Ansonsten ging der Schulalltag erschreckend normal weiter - in Alte Rune war Draco immer wieder genötigt, mit Hermine Granger zusammen zu arbeiten, und in Arithmantik starrte er häufig mehr ihren lockigen Hinterkopf an, als dass er zur Tafel blickte.
Ihr ging es nach wie vor schlecht - offensichtlich redeten Potter und Weasley, die Idioten, immer noch nicht mit ihr.
Als sie sich schließlich zu fünft nach Hogsmeade aufmachten, hatte Draco merkwürdigerweise immer wieder ihr trauriges Gesicht vor Augen.
Es war schön, mit den Jungs unterwegs zu sein, und fast bedauerte Draco es, dass Blaise und Theo sich nachher noch mit Lisa und Cho trafen, zu viert, als Doppeldate sozusagen.
Die Zeit verging auch viel zu schnell und die beiden wollten sich aufmachen, zu Madam Puddifoot's.
„Zieh nicht so ein Gesicht, Draco", sagte Theo. „Du hättest auch mitkommen können, mit Megan."
Tatsächlich hatten Dracos Bemühungen Früchte getragen und er hatte nun eine neue Freundin: Die Hufflepuff Megan Jones. Er war froh, den Mut aufgebracht zu haben, sie anzusprechen.
Andererseits...
„Ja, ich weiß...", sagte er und verdrehte die Augen.
„Du hast keine Lust auf sie!", lachte Theo.
„Sie ist ein bisschen anstrengend, das stimmt", gab Draco zu.
Mit Megan war es komplett anders als mit Lynn, und Draco fragte sich, ob eine häuserübergreifende Beziehung tatsächlich funktionieren konnte. Lynn und er waren einfach auf einer Wellenlänge gewesen, sie war genauso experimentierfreudig wie er gewesen, was Rumknutschen und ähnliches anging, und sie hatten sich eigentlich wirklich gut verstanden. Wäre da nicht dieser Konflikt wegen Blaise' Trennung von Anastasia gewesen, wäre die Beziehung zu Lynn wirklich eine angenehme gewesen.
Megan war alberner, kicherte ständig, und insbesondere, wenn Draco sie küsste, störte ihn das doch ungemein. Aber jede Intimität schien sie verlegen zu machen, und mehr als Küssen war bei ihr auch nicht drin. Sie reagierte immer peinlich berührt, zurückhaltend und verlegen, wenn er irgendwie versuchte, sie zu berühren. Er machte sich nichts vor: Er brauchte sie gar nicht erst zu fragen, ob sie über das Küssen hinausgehen würde. Einmal hatte er angedeutet, dass sie sich ja auch abends nach Sperrstunde treffen könnten, und sie war komplett entsetzt gewesen über den Gedanken, gegen Regeln zu verstoßen.
„Wenn du nicht mit ihr klar kommst, solltest du dich wieder trennen", tadelte Blaise.
„Hast grundsätzlich Recht", seufzte Draco. „Aber ich warte noch ein bisschen ab. Wir sind ja noch gar nicht so lange zusammen. Vielleicht müssen wir uns einfach noch etwas besser kennen lernen."
„Vielleicht", bestätigte Blaise. „Aber jetzt müssen Theo und ich erstmal los. Tut mir leid, Draco."
„Schon gut. Vince, Greg und ich machen bestimmt was Nettes, nicht wahr?"
Vincent und Gregory nickten.
Als sie kurz darauf durch Hogsmeade schlenderten, konnte Draco nicht widerstehen, erneut Leckerchen für Knieselchen zu kaufen - und außerdem mehrere Tafeln seiner Lieblingsschokolade aus dem Honigtopf, und merkwürdigerweise hatte er wieder Hermine Grangers traurige Augen im Kopf, als er die Schokolade einpackte.
Ja, es war auch ihre liebste Schokolade. Dieses Detail würde er wohl nie vergessen.
Es war regnerisch gewesen und er hatte lange mit Vincent und Gregory im Drei Besen gesessen und Butterbier getrunken, aber nun, da die letzten Regenwolken sich verzogen hatten, brauchte Draco dringend etwas frische Luft und seine beiden Freunde begleiteten ihn.
Da sie es bei ihren bisherigen Besuchen nicht zur Heulenden Hütte geschafft hatten und Draco dringend seine Beine vertreten wollte, machten sie sich auf den Weg dorthin.
Draco war sich sicher, dass Theo später meckern würde, dass sie sich die Hütte angesehen hatten, ohne ihn mitzunehmen, aber Draco sagte sich, dass das alte Gebäude ja nicht weglief und sie noch genug Chancen haben würden, es nochmals zu besuchen.
Lachend und plaudernd liefen sie also zu dritt zu dem am meisten von Spuk heimgesuchten Gebäude des Landes.
Dracos Schritte verlangsamten sich, als er sah, wer in der Nähe der Hütte stand und diese betrachtete.
Weasleys roter Schopf leuchtete ihnen entgegen, und Draco fragte sich, warum er irgendetwas vor sich hin plapperte, obwohl er alleine war.
Draco wusste, dass Potter nach wie vor nicht nach Hogsmeade durfte, und mit Granger hatte Weasley sich überworfen, kein Wunder, dass Weasley alleine hier war.
In diesem Moment hörte er auch auf zu plappern, denn er hatte Draco und seine beiden Freunde entdeckt.
Und Draco fühlte unbändigen Zorn in sich aufsteigen, als sein Blick auf den Blick der blauen Augen von diesem Weasley-Versager traf.
Ich habe doch nur die beiden...
Das war der Satz gewesen, den Granger zu ihm gesagt hatte, als sie geweint hatte.
War es diesem Idioten nicht bewusst, dass sie litt?
Weasley war ein Arschloch, das war Draco so oder so klar.
Die Worte verließen seinen Mund, ohne dass er sich überhaupt sonderlich Gedanken über sie machen musste - es war, als würden sie sich von allein in seinen Hirnwindungen bilden.
„Was machst du hier, Weasley?", schnarrte er. „Vermutlich würdest du gerne in dieser hässlichen Hütte wohnen? Träumst wohl davon, ein eigenes Zimmer zu haben? Ich habe gehört, ihr schlaft alle in einem Zimmer... Stimmt das?"
Vincent und Gregory grölten vor lachen, Weasley lief puterrot an und die Scham stand ihm ins Gesicht geschrieben.
Selbstverständlich hatte Draco nichts dergleichen gehört, aber sie wussten beide, dass es einfach eine Anspielungen auf die Armut der Weasleys war.
Natürlich fiel Weasley nichts Besseres ein, als einen drohenden Schritt auf Draco zuzumachen, gewaltbereit wie er nun einmal war. Aber er stockte, als würde ihn etwas zurück halten.
Draco öffnete gerade den Mund, um die nächste Nettigkeit von sich zu geben, als es passierte.
Der Schlamm traf ihn vollkommen unvorbereitet im Nacken, lief über seine Haare und in seinen Kragen. Er gab einen erschrockenen Laut von sich.
Weasley lachte laut.
Aber er war es definitiv nicht gewesen.
„Woher kam das?", fauchte Draco und versuchte, sich den Schlamm aus den Haaren zu reiben.
„Spukt ganz schön hier oben, was?", lachte Weasley gehässig.
Sowohl Draco als auch seine beiden Freunde sahen sich um.
Geister, die mit Schlamm warfen? Wohl kaum. Auf solche Ideen kamen höchstens Poltergeister und Draco bezweifelte, dass hier einer war.
Im nächsten Moment flog wieder Schlamm durch die Gegend, aber diesmal wurde Greg getroffen.
„Es kommt von dort!", rief Draco und zeigte in die entsprechende Richtung, ein paar Meter von Weasley entfernt.
Flatsch! Dieses Mal landete Schlamm in Vincents Gesicht.
Wütend stapfte Vince in die Richtung los, in die Draco gezeigt hatte.
„Pass auf!", rief Draco ihm warnend zu, als er sah, wie sich ein leichter Ast vom Boden erhob.
Seine Warnung nutzte nichts. Der Ast traf Vincent hart im Rücken.
Weasley grölte vor Lachen, und Vincent ging in seinem Zorn auf ihn los.
Allerdings stolperte er, als hätte ihm jemand ein Bein gestellt, und im nächsten Moment-
Draco keuchte erschrocken, als urplötzlich Potter zu sehen war, wie aus dem Nichts.
Wobei es nicht tatsächlich Potter war, sondern nur sein Kopf.
Potters Kopf schwebte über dem Boden, so als sei der Rest seines Körpers unsichtbar.
Und Draco begriff.
„Kommt!", rief er seinen beiden Freunden zu und lief los, Richtung Schloss.
Das musste er dringend Snape erzählen...
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A Death Eater's Tale
FanfictionJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
