Dracheneier und Muggelspiele

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Sie hatten sich gute Plätze auf einer der Tribünen gesichert, die eigens für die erste Aufgabe aufgebaut worden waren.
Es war Ende November und kühl, und da sie erwarteten, länger hier sitzen zu müssen, hatten sie sich warm angezogen, einen einfachen Wärmezauber auf sich gelegt sowie sich Getränke in magischen Thermoskannen mitgenommen - Tee, Kakao, Kaffee.
Bisher hatte Draco sich noch gar nicht so viele Gedanken über das Turnier gemacht, aber als nun verkündet wurde, dass es bei der ersten Aufgabe um Drachen gehen würde und er das aufgeregte und ängstliche Gemurmel um sich herum hörte, wurde er nun doch aufgeregt. Die Anspannung übertrug sich auf ihn.
Während Bagman erklärte, dass die Drachen alle weiblich waren und gerade ein Gelege bewachten, unter das die Jury ein goldenes Ei geschummelt hatte, glitt Dracos Blick zu Hermine Granger, die ein paar Reihen schräg vor ihm saß und nervös die behandschuhten Hände im Schoß knetete.
Draco verdrehte genervt die Augen.
Machte sie sich schon wieder Sorgen um ihren geliebten Sankt Potter!
Er sah, wie ihr Blick unruhig zwischen dem großen Zelt neben den Tribünen und Bagman hin und her huschte. Ihre Lippen waren leicht geöffnet, die Augen vor Aufregung größer als sonst. Ihre Wangen waren gerötet von der Kälte, die wilden langen Locken quollen unter einer bordeauxroten Wollmütze hervor.
Er hasste sich selbst dafür, aber er hätte sie stundenlang betrachten können.
„Schlammblut...", murmelte er leise, nur zu sich selbst, um sich zu erinnern, wer sie war, ehe er den Blick abwandte.
Mittlerweile war ein Gelege von Dracheneiern in die Mitte der großen Fläche zwischen den Tribünen gebracht worden, zusammen mit einem goldenen Ei, das optisch deutlich hervorstach.
Die erste Aufgabe konnte beginnen.

Dracos Herz wummerte immer noch aufgeregt, als Viktor endlich aus dem Sanitätsbereich entlassen wurde und er ihm zusammen mit Niko und den anderen gratulieren konnte.
Ja, es war verdammt spannend gewesen, die Champions gegen die Drachen antreten zu sehen.
Die Menge hatte gezittert, getobt, angespannt zugesehen.
Diggory war der erste gewesen und er hatte einen wirklich perfekten Hund heraufbeschworen, der den Drachen ablenken sollte, was auch tatsächlich funktionierte - bis Diggory sich das goldene Ei schnappte, denn als das Drachenweibchen mitbekam, dass er sich dem Nest näherte, war der Hund plötzlich uninteressant und Diggory verlor jede Menge Punkte, da das Tierwesen ihn mit seinem Feueratem heftig verbrannte. Sicherlich musste Pomfrey all ihre Heilkunst aufbieten, um das wieder zu heilen.
Delacour war die nächste gewesen. Sie hatte den Drachen mit einem Beruhigungszauber ruhig gestellt, was grundsätzlich clever gewesen war, denn das Tier war dösig geworden und hatte schließlich gemütlich geschnarcht, während die Beauxbatons-Schülerin sich das goldene Ei schnappte. Allerdings entkam dem Drachen beim Ausatmen im Schlaf eine Stichflamme durch die Nüstern, die Delacours Kleidung in Brand setzte, den sie mit ihrem Stab löschen musste, was ihr Punkteeinbußung brachte.
Danach war Viktor dran. Er schoss dem Drachen einen Fluch direkt ins Auge, was ihn ablenkte, und Draco war sich sicher, dass Viktor den Fluch aus der Verbotenen Abteilung hatte. Er kam schnell und leicht an das goldene Ei, und Draco hatte schon die Hoffnung, dass er es so auf den ersten Platz schaffen würde, doch das Drachenweibchen konnte nicht mehr richtig sehen und zertrampelte so einen Teil der echten Eier, die aber nicht beschädigt werden sollten, so dass auch Viktor Punkte verlor.
Potter, dünn und tollpatschig, wie er nun einmal war und der desorientiert aus dem Zelt stolperte, bekam tatsächlich die höchste Punktzahl - er kam irgendwie auf die Idee, sich seinen Besen herbeizuzaubern und flog so schnell an dem für ihn vorgesehenen Drachen vorbei, dass er das Ei regelrecht in Rekordzeit in den Händen hielt, wobei er nur einen unbedeutenden Kratzer abbekam.
Aber Draco hatte jetzt keine Lust, seine Gedanken an diesen Schwachmaten zu verschwenden. Sicherlich feierte er heute im Gryffindor Gemeinschaftsraum und lag in Grangers Armen. Dummer, armseliger scheiß Sankt Potter. Wie sehr Draco ihn hasste.
Aber es war egal. Er wollte sich für Viktor freuen, der wirklich gut abgeschnitten hatte.
Viktors Freunde, Niko in die anderen, waren ganz aus dem Häuschen. Alle zusammen begleiteten sie Viktor zusammen mit Draco und den anderen aus dem Krankenflügel. Sie redeten durcheinander, klopften Viktor auf die Schulter. Dieser hatte seine Augenbrauen zusammengezogen wie sonst auch immer, wodurch sein Blick finster wirkte, aber ein Grinsen zupfte an seinen Mundwinkeln, während er in ihrer Mitte los stolzierte, das goldene Ei unter den Arm geklemmt und immer noch verschwitzt vom Kampf gegen den Drachen. Er war zufrieden, Draco sah es ihm an.
„Was haltet ihr davon, wenn wir deinen erfolgreichen Sieg gegen den Drachen zusammen feiern?", schlug Draco vor.
Viktor sah ihn an und grinste flüchtig.
„Gern. Wir würden euch gerne einladen, aber Karkaroff sieht Gäste auf unserem Schiff nicht so gerne", antwortete Viktor.
„Außerdem hat er ein Auge darauf, dass wir keinen Alkohol und ähnliches aufs Schiff schummeln", ergänzte Niko.
Sie blieben stehen und stellten sich ein wenig dichter aneinander, denn offenbar hatte Viktors kleiner privater Fanclub - ein paar Mädchen unterschiedlichen Alters - darauf gewartet, wann er den Krankenflügel verließ. Nun tuschelten sie und schienen zu hoffen, dass der Quidditch-Star ihnen einen Blick zuwarf.
„Wir könnten in unserem Gemeinschaftsraum feiern", schlug Draco vor, ehe er richtig darüber nachdenken konnte.
„Unsere letzte Party ist doch noch gar nicht so lange her", stellte Theo fest.
„Na und? Man kann nicht oft genug feiern."
Gelächter folgte auf Blaise' Aussage.
„Aber Draco", gab Gregory zu bedenken. „Es ist bisher noch nie jemand bei unseren Partys gewesen, der nicht zu unserem Haus gehört."
Das stimmte. Zwar war Draco selbst erst kürzlich das erste Mal auf einer Party im Gemeinschaftsraum gewesen, aber er hatte durchaus mitbekommen, wie sehr die Slytherins unter sich blieben.
Viktor musste sein Zögern bemerkt haben.
„Wir wollen keinen Ärger machen", sagte er und seine Freunde nickten bekräftigend. „Wenn es bei euch die Regel gibt, dass kein Fremder in euren Gemeinschaftsraum darf, dann ist das eben so."
Draco überlegte.
„Weißt du was, Viktor? Ich spreche mit Terence und Lu. Das sind unsere Vertrauensschüler. Ich frage sie einfach mal, ob etwas dagegen spricht, dass ihr kommt."

A Death Eater's Tale Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt