„Jetzt... Schnell! Es guckt gerade keiner!"
Sie beeilten sich, nach Blaise' geflüsterten Worten hastig ihre Gepäckwagen durch die Absperrung zwischen den Gleisen neun und zehn zu schieben.
Greg und Vincent warteten auf der andere Seite bereits mit Pansy und Millicent, während Draco zusammen mit Blaise und Theo durch die Absperrung geschlittert kam.
„Woooohhh... Sorry!" Blaise grinste Daphne Greengrass und ihre jüngere Schwester Astoria an, die er durch den Schwung beinahe mit seinem Gepäckwagen gerammt hätte, während sie sich von ihrer Familie verabschiedeten.
„Kommt, der Zug ist schon sehr voll", stellte Vincent fest.
Sie halfen sich gegenseitig mit dem Gepäck und mussten eine Weile suchen, ehe sie ein Abteil fanden, in dem sie alle Platz hatten - beziehungsweise Greg, Vincent, Millicent, Theo und Blaise, denn Draco selbst sowie Pansy ließen lediglich ihr Gepäck zurück.
„Komm, wir müssen ins Vertrauensschülerabteil", sagte Pansy gewichtig, kaum, dass der Zug sich in Bewegung gesetzt hatte. Sie trug, genau wie Draco, bereits ihre Slytherin Schuluniform, auf der das Vertrauensschülerabzeichen prangte.
Draco warf einen entschuldigenden Blick in Theos Richtung, der dies mit einem schiefen Grinsen quittierte.
Ja, Draco hatte zuerst tatsächlich geglaubt, Theo sei sauer auf ihn.
Aber er war es nicht. Er war wütend auf die Situation und er war enttäuscht - sehr enttäuscht. Aber sein Zorn richtete sich nicht gegen Draco, worüber dieser froh war. Er hätte es nicht ertragen, wenn Theo ihn womöglich vor Wut ignoriert hätte. Doch kaum, dass sie im Manor wieder alleine gewesen waren, hatte Theo zwar seinen Frust kundgetan, Draco aber trotzdem versichert, dass er ihm definitiv nicht böse war. Zur Bekräftigung hatte er sogar seinen kleinen Finger mit Dracos verhakt, so wie sie es getan hatten, als sie noch kleine Kinder gewesen waren, und sie hatten ihren üblichen Spruch dazu aufgesagt: Freundschaft für immer, egal was kommt.
„Aber warum ich und nicht du?", hatte Draco danach gefragt. Er verstand es wirklich nicht. Theo war definitiv die klügere Wahl: Er lernte viel, war unfassbar belesen, arbeitete stets mehr als nötig und hatte auch mehr Zeit, da er, anders als Draco, nicht im Quidditch-Team spielte.
„Snape", hatte Theo nur knapp geantwortet.
Bei Draco fiel der Knut fast augenblicklich.
Snape. Natürlich.
Ihr Hauslehrer verzieh nicht leicht, das wussten sie. Eigentlich war er den Slytherins gegenüber sehr kulant, doch Theo hatte scheinbar bezüglich Professor Lupin einen sehr wunden Punkt bei Snape erwischt - warum auch immer.
„Aber da waren wir in der Dritten!", echauffierte Blaise sich, als sie ihm davon erzählten. „Das ist ewig her!"
Doch Draco war sich sicher: Es gab Dinge, die vergaß Snape nie. Und sich für Professor Lupin einzusetzen gehörte offensichtlich dazu.
Natürlich entschied offiziell die Schulleitung darüber, wer Vertrauensschüler wurde. Aber diese nahm Vorschläge von den Hauslehrern an, die eigentlich immer angenommen wurden.
Theo hatte sich Snape offensichtlich zum Feind gemacht.
Pansy war stolz wie verrückt, zur Vertrauensschülerin ernannt worden zu sein. Die Parkinsons hatten zusammen mit Dracos Eltern sogar ein Treffen arrangiert, bei dem sie gemeinsam im kleinen Kreis Dracos und Pansys Amt feierten.
„Was glaubst du, wer aus den anderen Häusern gewählt wurde?", fragte Pansy, während die Landschaft immer schneller vorbeizuziehen begann.
Sie mussten ganz nach vorne laufen, denn das Abteil für die Vertrauensschüler befand sich direkt hinter dem Lokführer.
„Naja, welche Pfeifen aus Gryffindor es werden, ist ja jetzt schon klar", schnarrte Draco.
Er tauschte einen raschen Blick mit Pansy.
„Potter und Granger", sagten sie dann gleichzeitig und grinsten sich an.
Draco mochte Pansy. Er wünschte sich wirklich, Blaise und Theo irrten sich, was Pansys Schwärmerei für ihn anging. Sowas musste sich doch irgendwann mal verwachsen, verdammt!
Sie erreichten den vordersten Waggon und kurz bevor die Schiebetür hinter ihnen zuschnappen konnte, huschte ein roter Schatten durch den schmalen Spalt.
Draco schmunzelte.
„Na sieh mal einer an...", murmelte er und ging in die Hocke, um Krummbein zu streicheln, der begeistert zu schnurren begann. „Wenn das nicht mein kleines Knieselchen ist..."
„Draco? Wo bleibst du denn?"
Pansy war weiter gelaufen und hatte nicht bemerkt, dass er stehengeblieben war.
Draco erhob sich und holte sie rasch ein - und genau in diesem Moment wurde die Schiebetür hinter ihnen wieder aufgerissen.
Hinter sich hörte Draco aufgeregtes Geplapper einer ihm nur allzu bekannten Stimme und er drehte sich bewusst nicht um, sondern konzentrierte sich darauf, was Pansy tat - diese hatte nämlich genau in diesem Moment die Tür zum Abteil der Vertrauensschüler erreicht und riss sie auf.
Draco war milde erstaunt.
Das Abteil war nicht nur groß, sondern auch herausragend komfortabel. Auf den gepolsterten Sitzen lagen Kissen verteilt, und es gab Sitzgruppen in den jeweiligen Häuserfarben.
Auch die alten Vertrauensschüler waren anwesend, wie Draco erfreut feststellte, und nachdem sie kurz vom Schulsprecherpaar - einer Hufflepuff und einem Ravenclaw - begrüßt worden waren, setzten sie sich in die Slytherin-Sitzgruppe.
Es wunderte ihn nicht, dass kurz darauf die Abteiltür erneut aufgerissen wurde. Krummbeim kam hereingehuscht, kaum, dass die Tür einen Spalt geöffnet war, und lief gezielt zum Fenster, wo er auf die Ablage davor sprang, um hinaus zu schauen.
Granger betrat nach dem Knieselmix das Abteil.
Ihre Blicke trafen sich sofort, und Draco sah es deutlich: Ein minimales Zögern, bevor sie das Abteil vollständig betrat. Sie musste ihn bereits auf dem Gang gesehen haben, aber der direkte Blickkontakt schien sie aus der Bahn zu werfen.
Sie trug ihre Gryffindor-Uniform und an ihrem Umhang glänzte das Vertrauensschülerabzeichen.
Dracos Herz schlug verräterisch schnell, als er alles wahrnahm, woran er die ganzen Sommerferien über krampfhaft nicht hatte denken wollen: Die vollen, wilden Locken. Die dunklen Augen. Ihre Wangen röteten sich, so wie eigentlich immer - seit der verdammten ersten Klasse! - wenn sich ihre Blicke trafen. Ihre durchaus ansehnlichen Lippen öffneten sich leicht, so minimal, dass es kaum auffiel. Der Anblick machte etwas mit Dracos Magen, was ihm überhaupt nicht gefiel. Nervös spielte er mit seinem Daumen an dem neuen Siegelring, den er am Zeigefinger trug.
Schlammblut, schoss ihm durch den Kopf, und gleichzeitig: Hermine.
Wieso zur Hölle hatte sich seit Ende letzten Schuljahres ihr bescheuerter Vorname so bei ihm eingebrannt?
Er dankte in diesem Moment allen vier Gründern, dass er eine absolut lässige Körperhaltung eingenommen hatte. Bewusst legte er leicht den Kopf nach hinten, hob das Kinn, senkte minimal die Lider. Auf keinen Fall wollte er nach außen hin zeigen, was ihr Anblick mit ihm machte.
Sie holte deutlich Luft, dann wandte sie sich mit einem Ruck ab - die Locken flogen - und zwang sich ganz offensichtlich zu einem Lächeln, als sie die Schulsprecher begrüßte.
Im nächsten Moment hob Draco ehrlich überrascht eine Augenbraue - denn es war nicht Potter, der nach Granger das Abteil betrat, sondern dessen rothaariges Haustier.
Das Wiesel, mit unordentlich gebundener Krawatte und zerzaustem Haar, fuhr sich mit dem Ärmel über die lange Nase und sah sich dann einmal im Abteil um, wobei seine Augen sich weiteten, als er Draco und Pansy sah. Offenbar hatte er sie auf dem Gang noch nicht bemerkt.
Weasley war Vertrauensschüler und nicht Potter? Wie kam das?
Das war tatsächlich unerwartet.
Draco überwand seine Überraschung allerdings schnell, hob die Hand und zeigte Weasley, der immer noch starrte, den Mittelfinger. Pansy prustete.
Weasleys Gesicht verzog sich vor Zorn, aber gerade, als er die Hand heben wollte, um scheinbar Dracos Geste zu erwidern, wandte sich Granger ihm zu und zog ihn am Ärmel zum Schulsprecherpaar.
Nach und nach trudelten auch die restlichen Schülerinnen und Schüler ein. Als sie vollzählig waren, ergriffen die beiden Schulsprecher das Wort.
„Hi, ich bin Siobhan O'Flaherty, und das ist Roger Davies", begann die Hufflepuff-Schülerin. Draco kannte sie nicht, aber der Schulsprecher, Davies, war ihm durchaus ein Begriff: Er war in den vergangenen Jahren Quidditch-Kapitän der Ravenclaws gewesen und mit Fleur Delacour zum Ball gegangen. Während das einzig Auffällige an der Hufflepuff lediglich ihr rotbraunes Haar sowie der leicht irische Akzent waren und sie ansonsten eher unscheinbar wirkte, war Davies wohl das, was die meisten als attraktiv bezeichnet hätten. Sein schwarzes Haar war ein nicht unangenehmer Kontrast zu seiner hellen Haut, seine blauen Augen harmonierten mit den Farbakzenten der Ravenclaw-Uniform.
Draco beobachtete, wie ein paar Mädchen tuschelten und kicherten, während sie Davies ansahen.
Rasch huschte sein Blick zu Granger, um zu überprüfen, ob sie ähnlich reagierte, aber der Blick ihrer dunklen Augen blieb fest auf O'Flaherty gerichtet, während sie eifrig irgendetwas mitschrieb, wobei sie nur flüchtige Blicke aufs Pergament warf.
Was, bei Merlin, schrieb sie? Bisher hatten die Schulsprecher doch so gut wie nichts gesagt.
„Wir sind das neue Schulsprecherpaar", fuhr die Hufflpuff stolz fort. „und wir freuen uns besonders, heute die neu ernannten Vertrauensschüler aus Jahrgang fünf begrüßen zu dürfen." Sie zog ein Pergament aus ihrer Umhangtasche. „Schauen wir mal... für Ravenclaw: Padma Patil und Anthony Goldstein... für Gryffindor: Hermine Granger und Ronald Weasley... für Hufflepuff: Hannah Abbott und Ernest Macmillan... und für Slytherin: Pansy Parkinson und Draco Malfoy."
O'Flaherty nickte jedem Vertrauensschülerpaar zu und schenkte ihnen ein Lächeln. Draco fiel durchaus auf, dass sie ihm und Pansy zwar zunickte, ihr Gesichtsausdruck dabei aber um einiges unterkühlter wurde. Er quittierte es mit einem möglichst arroganten Hochziehen einer Augenbraue.
„Roger wird euch nun ein paar wesentliche Dinge erklären", schloss O'Flaherty.
Davies übernahm das Wort.
„Von mir auch ein herzliches Willkommen. Und Glückwunsch an die Neuen! Ich bin Roger Davies, wie ihr schon gehört habt. Wenn ihr Fragen habt, kommt gerne jederzeit zu uns. Heute bekommt ihr eine kurze, erste Einweisung von uns. Als Erstes: Wir treffen uns alle zusammen nicht sehr häufig, grundsätzlich einmal im Monat, um die Pläne für den kommenden Monat zu besprechen. Welche Pläne ich meine, werde ich euch gleich erklären. Die Treffen dauern meistens nur eine halbe Stunde. Gelegentlich setzen wir Sondertreffen an, wenn besondere Ereignisse es verlangen. Organisationen bei Quidditchturnieren könnten solche Ereignisse sein und im letzten Jahr war es die Begrüßung der Gäste und der Ball. Zu besonderen Anlässen gibt es auch Treffen, bei denen die Teilnahme freiwillig ist. Beispielsweise vor den Ferien - da setzen wir uns gerne einfach mal auf ein Butterbier zusammen, oder wir gehen als Gruppe nach Hogsmeade. Da zwingt euch aber keiner, dabei zu sein. Die monatlichen Treffen zur Absprache der Pläne sind allerdings verpflichtend."
Er sah einmal in die Runde, um sicher zu gehen, dass alle ihm noch folgten. Hermine Grangers Feder hastete über das Papier.
„Eure Aufgaben sind - und das wissen die Alten - in erster Linie die Organisation in eurem eigenen Haus, außerdem seid ihr sowohl Ansprechpartner für die anderen Schüler - besonders die Jüngeren - sowie für die Lehrkräfte. Es ist ein verantwortungsvoller Posten! Ihr müsst auch einen Teil eurer Freizeit dafür opfern, das muss euch klar sein."
D
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A Death Eater's Tale
FanficJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
