Granger verließ am nächsten Morgen den Krankenflügel bereits wieder und Draco hatte die starke Vermutung, dass überhaupt niemandem aufgefallen war, dass ihr etwas passiert war. Ihre beiden dämlichen Freunde, Potter und Weasley, sahen sie wie immer morgens beim Frühstück und verhielten sich vollkommen normal. Draco nahm an, dass Granger ihnen gar nicht erzählt hatte, dass sie zur Strafarbeit mitten in der Nacht in den Verbotenen Wald musste, damit sie sich keine Sorgen machten. Und die Mädchen aus Gryffindor, mit denen Granger sich den Schlafbereich teilte, hatten sowieso gar keinen Kontakt zu ihr und offensichtlich interessierte es sie nicht, dass ihre Mitschülerin über Nacht nicht im Gryffindor-Turm gewesen war. Lavender Brown war sehr gut mit der einen der beiden Patil Zwillinge, Parvati, befreundet, Granger schien da vollkommen außen vor zu sein. Und ansonsten war Granger mit niemandem befreundet, lediglich zu Longbottom hatte sie ein wenig Kontakt sowie zu der kleinen Schwester vom Wiesel.
Draco ging ihr aus dem Weg.
Was in dieser Nacht im Wald geschehen war, wühlte ihn mehr auf, als er vor sich selbst oder vor anderen zugeben wollte. Nicht nur, dass er in Lebensgefahr geschwebt hatte. Draco beschäftigte außerdem, dass Umbridge klar gewesen sein musste, was Granger im Wald erwarten würde. Er war sich sehr sicher, dass Snape und Sprout nicht umsonst normalerweise zu zweit das Fluxkraut sammeln gingen. Sie waren magisch hervorragend ausgebildete Erwachsene - mit den Gefahren des Waldes kamen sie vermutlich gut zurecht, insbesondere, da sie wussten, was sie dort erwartete.
Umbridge hatte Granger absichtlich ins offene Messer laufen lassen, Draco war sich dessen ziemlich sicher.
Und es waren noch so viele weitere Punkte, die ihn beschäftigten: Granger, die zurückgerannt gekommen war, da sie offensichtlich gehört hatte, dass er Probleme mit den Zentauren hatte. Ihre gemeinsame Flucht auf dem alten Schulbesen. Dann ihr Zusammenbruch und später ihr Blut an seinen Händen. Und, was er am meisten verdrängte: Sie hatte ihn Draco genannt.
Er lenkte sich mehrere Tage damit ab, indem er sich ins Lernen für die ZAGs stürzte, mehr Patrouillengänge als Vertrauensschüler übernahm als nötig, wie ein Irrer Quidditch trainierte und Sport machte sowie sein Amt als Mitglied des Inquisitionskommandos extrem ernst nahm. Wenn er beschäftigt war, musste er nicht an Granger denken, und er konnte eventuellen neugierigen Fragen seiner Freunde aus dem Weg gehen. Nicht, dass noch mehr Slytherins Verdacht schöpften außer Theo.
Und dann kam es zu dieser bescheuerten Situation in der Bibliothek.
Draco lernte mit Theo und Blaise, als McLaggen den Raum betrat, als würde er ihm gehören.
Mittlerweile hatte Draco sich angewöhnt, diesen Mistkerl so gut es ging zu ignorieren. Er hoffte, ihn eines Tages mal hinterrücks verhexen zu können, wenn keiner etwas mitbekam. Denn dass dieser Gryffindor-Mistsack eine saftige Abreibung verdient hatte, stand für Draco außer Frage.
Dracos Hand verkrampfte sich um seine Schreibfeder und er spannte den Kiefer an, als McLaggen und seine beschissene Bande sich an dem Tisch neben ihnen ausbreitete. Mittlerweile hatte er das Gefühl, er hasste den Sechstklässler sogar mehr als Potter. Und das wollte schon etwas heißen, denn Potter konnte er ja nun wirklich nicht auf den Pelz gucken.
Draco hasste die breitbeinige, großkotzige Art, mit der McLaggen am Nachbartisch saß. Er hasste sein arrogantes, hässliches Grinsen und die drahtigen, blonden Locken.
McLaggen redete mit seinen Freunden über Mädchen, während sie scheinbar an irgendeinem Astronomie-Aufsatz schrieben.
„Einmal ficken, weiterschicken, sag ich nur", schnarrte McLaggen in diesem Moment und seine Freunde lachten dreckig.
„Was für ein widerlicher Bastard", murmelte Theo dicht neben Draco.
„Ignorier ihn", flüsterte Draco zurück. „Du kannst dir nicht leisten, Ärger zu bekommen. Überlass es also mir, ihm einen Erektionsstörungs-Fluch auf den Hals zu hetzen."
Theo lachte leise und Blaise gluckste: „Du meinst wohl eher: Auf den Schwanz."
Wieder lachten sie, tief über ihre Bücher gebeugt.
Ein wenig Ernst steckte für Draco aber tatsächlich dahinter. Er wollte McLaggen eines Tages so richtig dran kriegen.
Aber nicht jetzt, nicht mitten am Tag in der Bibliothek. Irgendwann würde sich die Chance schon ergeben.
„... die Patil-Zwillinge", sagte ein Freund von McLaggen in diesem Moment.
„Aber sowas von", bestätigte McLaggen selber und Draco vermutete, dass sie sich gerade darüber unterhielten, welche Mädchen ihnen gefielen und welche sie gerne rumkriegen würden. Dann ergänzte McLaggen: „Und wisst ihr, wer langsam auch echt Potential hat? Der Bücherwurm da drüben."
Draco wusste verrückterweise sofort, von wem er sprach. Sein Kopf ruckte hoch und er sah noch, wie McLaggen mit dem Kinn in eine Richtung deutete und sich daraufhin seine beschissenen Freunde in die angegebene Richtung drehten, um zu glotzen.
Natürlich stand, mit dem Rücken zu ihnen und mehrere Meter entfernt, Granger an einem Bücherregal.
Die Wut kochte so abrupt, so heiß in Draco hoch, dass es ihn selbst ein wenig erschreckte.
„Hermine Granger?", vergewisserte sich einer der Gryffindors am Nebentisch skeptisch.
„Glaub mir, die wäre was", befand McLaggen. „Guck dir mal ihren Hintern an. Die zieht sich zwar total frigide an, aber das kann trotzdem nur zum Teil ihren Körper verstecken. Und hübsch ist sie auch. War anscheinend früher nicht so, sie hatte wohl richtig hässliche Biberzähne, hab ich gehört, ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, hab früher nie auf sie geachtet. Ich sage euch, gebt ihr noch ein, zwei Jahre, dann will jeder von euch sie flachlegen."
Draco steckte seine Schreibfeder mit einem solchen Ruck ins Tintenfass, dass die Tinte überschwappte und sich auf Tisch und Pergament verteilte.
„Und die gehört zu denen, wo man sagt: Stille Wasser sind tief. Merkt euch meine Worte."
Draco knirschte mit den Zähnen.
„Das glaubst du doch nicht ernsthaft." In der Stimme von McLaggens Freund war Unglauben zu hören.
„Doch", widersprach McLaggen. „Ich sage dir: Ein wenig Feuerwhisky auf einer Party und sie schnurrt wie ein zahmes Kätzchen. Dann mag sie es bestimmt auch richtig hart."
Draco begriff erst, dass er auf den Beinen war, als McLaggen ihn halb angewidert, halb irritiert anblickte, da er direkt auf seinen Tisch zuging und ihn dabei fest mit dem Blick fixierte. Vor dem Tisch, an dem der Sechstklässler mit seinen Gryffindor-Freunden saß, kam er zum Stehen.
Laut rauschte das Blut, das schneller als noch vor wenigen Sekunden durch seinen Körper gepumpt wurde, in seinen Ohren. Auch seine Atmung hatte sich im Zorn beschleunigt.
Trotzdem stützte er sich bewusst lässig mit einer Hand auf dem Tisch ab. Die andere Hand hob er und schnippte beinahe beiläufig mit dem Finger gegen McLaggens Schreibfeder, die daraufhin mitsamt des Tintenfasses, in dem sie steckte, umkippte und sich so die Tinte vollständig über den Aufsatz des Gryffindors ergoss.
„Ups", machte Draco und grinste höhnisch.
McLaggen rückte erschrocken vom Tisch ab, da die Tinte über den Rand zu tropfen begann und beinahe seine helle Hose ruiniert hätte. Er überwand seinen Schreck allerdings schnell.
Zornig zog er seinen Zauberstab und richtete ihn auf Draco.
„Du mieser, kleiner-", begann er, aber Draco schnalzte mit der Zunge.
„Vorsicht, McLaggen", schnarrte er. „Du wirst doch nicht hier in der Öffentlichkeit eine Szene machen oder mich womöglich mit dem Zauberstab bedrohen? Das gibt dann nämlich leider zehn Punkte Abzug für Gryffindor. Schade, dass du meinst, dich mit einem Vertrauensschüler anlegen zu müssen."
M
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A Death Eater's Tale
FanficJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
