Slytherins Erbe

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Jetzt sind schon zwei Gryffindors ausgeschaltet, unseren Hausgeist nicht mitgezählt, und eine Ravenclaw und eine Hufflepuff", hörte Draco McLaggen posaunen. „Wann begreifen endlich alle, wer hinter diesen Angriffen steckt?"
Draco und Blaise griffen gleichzeitig zu, als Theo herumfahren und sich auf McLaggen stürzen wollte.
„Oh dieser miese-"
„Lass es", flüsterte Blaise „Du weißt, Snape sieht es nicht gerne, wenn du dich prügelst."
„Das stimmt", bestätigte ein anderer Gryffindor McLaggens Worte - Theos Ausbruch hatte die Gruppe gar nicht mitbekommen - und er fuhr fort: „Hat denn von den Lehrkräften noch niemand mitbekommen, dass die Slytherins noch vollständig sind?"
„Eben", griff McLaggen es sofort auf. „Ich meine... Es ist glasklar, dass die Angriffe von Slytherin ausgehen. Der Erbe von Slytherin, das Monster von Slytherin... Warum werfen sie nicht einfach alle Slyherins raus?"
Dracos Magen zog sich unwohl zusammen, und das gleich aus mehreren Gründen.
Erstens hatten die Gryffindors in gewisser Weise Recht, und das ärgerte ihn. Zweitens machte sich seit dem Doppelangriff tatsächlich genau diese Angst in Draco breit - dass sie als Schülerschaft des Hauses Slytherin zur Verantwortung gezogen wurden. Und drittens machte es ihn wütend, dass wieder einmal alle Slytherins über einen Kamm geschert wurden.
Oh, wie er die anderen Häuser mittlerweile hasste!
Wie sie sich gegenseitig stritten und konkurrierten und sogar untereinander ständig Stress hatten, aber wenn es um das Haus Slytherin ging, da hielten sie plötzlich alle zusammen. Verlogenes Pack.
„Hey, Diggory!", rief McLaggen. „Was sagst du dazu? Es ist wichtig, dass dieser Hinweis von allen Häusern an das Lehrpersonal getragen wird, damit endlich etwas gegen die Slytherins unternommen wird!"
Cedric Diggory, ein beliebter Hufflepuff aus der Vierten, drehte sich zu McLaggen, aber Draco und seine Freunde warteten nicht ab, um zu hören, was dieser antworten würde.
„Diese scheiß Gryffindors", knurrte Theo. „Halten sich immer für unfehlbar und die Tollsten hier an der Schule."
„Nicht nur die Gryffindors", schnaubte Draco. „Auch wenn die die Schlimmsten sind. Aber auch die anderen Häuser halten sich alle für was Besseres."
„Stimmt", bestätigte Theo mit finsterem Blick.
Zu ihrer Überraschung grinste Blaise.
„Dabei ist es doch eindeutig, dass unser Haus das Beste ist", meinte er, und er sagte es so selbstbewusst, so überzeugt, dass Draco auch ein klein wenig leichter ums Herz wurde.

Draco hatte geglaubt, dass sich irgendetwas an der Schule verändern würde ohne Dumbledore, aber er hatte sich geirrt.
Ja, sein Vater hatte als einer der Schulräte tatsächlich bewirkt, dass Dumbledore die Leitung der Schule aufgeben musste.
Da alle Welt immer davon redete, was für ein großartiger Zauberer der ehemalige Schulleiter sei, hatte Draco irgendwie geglaubt, man würde seine Abwesenheit bemerken, aber dem war nicht so.
Leitung der Schule war nun die alte McGonagall, und Draco hatte Snape einmal provokativ vor den Gryffindors gefragt, warum eigentlich nicht er Schulleiter geworden war. Das würde den Gryffindors und auch den anderen Häusern einmal guttun, also Snape als Leitung. Nicht, dass Draco allzu viel von Snape hielt, aber er würde den anderen einfach mal gönnen, dass sie dumm guckten, wenn plötzlich die Slytherins bevorzugt werden würden.
Draco für seinen Teil hatte das Gefühl, Dumbledore sei gar nicht fort, so sehr lief alles wie immer.
Aber irgendwie war es auch logisch, denn schließlich hatte er niemals auch nur ein einziges Wort mit Dumbledore gewechselt, und aufgrund seines Postens hatte er auch nie unterrichtet.
Lediglich bei den Mahlzeiten und bei Veranstaltungen bekam Draco Dumbledore zu Gesicht, daher war er für ihn tatsächlich nicht greifbar. Er verband nichts mit dem alten Zauberer, der bisher nicht einmal Blickkontakt mit Draco gehabt, geschweige denn mit ihm geredet hatte.
Aber genau genommen legte er auch keinen Wert darauf.
Nachdenklich blätterte Draco in dem Buch auf dem Tisch vor ihm.
Eigentlich wollte er hier in der Bibliothek für die Schule lernen, aber er konnte sich nicht konzentrieren.
Immer wieder schweiften seine Gedanken zur Kammer des Schreckens und zum Erben Slytherins. Er hatte das Gefühl, dass er etwas Wichtiges übersah, etwas, das mit Tom Riddle zu tun hatte, aber er kam einfach nicht darauf, was es sein könnte.
Außerdem erschien vor seinem inneren Auge immer die versteinerte Gestalt von Hermine Granger.
Salazar, was kümmerte es ihn, was mit dem Schlammblut war? Ganz abgesehen davon, dass sie bald sowieso wieder durch Hogwarts laufen würde, der Alraunentrank war nämlich bald fertig, wie Pomfrey nicht müde wurde, zu verkünden.
Was sollte also Schlimmes passieren?
Er seufzte und schlug das Buch geräuschvoll zu.
Eigentlich sah er auf, um zu schauen, was seine Freunde machten - und blickte direkt in riesige, hellblaue Augen.
„Hi."
Draco blinzelte und musterte die Erstklässlerin, die vor dem Tisch stand, an dem er saß.
Eine Ravenclaw, wie er sofort an der Schuluniform bemerkte. Das lange, hellblonde Haar fiel ihr bis zur Hüfte über die Schultern hinab.
Ihre Augen waren wirklich riesig, und weil ihre Wimpern so hell waren, wirkte es fast, als hätte sie keine, was ihre Augen noch größer wirken ließ. Sie starrte ihn an, ohne zu blinzeln.
An ihren Ohren baumelten merkwürdig aussehende Ohrringe und sie trug mehrere Ketten mit auffälligen Anhängern.
Automatisch kramte sein Hirn in den allerhintersten Windungen nach einer Erinnerung, bis es sie schließlich fand - die Erstklässlerin, die ihm und seinen Freunden zu Beginn des Schuljahres im Hogwarts Express entgegen gehüpft war und sie fröhlich angelacht hatte, als seien sie alte Bekannte.
„Bitte?", schnarrte Draco, denn die Kleine wirkte für ihn wie jemand, der unter seinem Niveau war.
„Ich wollte dir nur sagen, dass du nicht so grübeln solltest", sagte das Mädchen. „Ich beobachte das schon eine ganze Weile. Die Schlickschlupfe kreisen schon um deinen Kopf und warten nur darauf, ihre Chance zu ergreifen, weil du so zerstreut bist."
„Die- Was?"
Draco begutachtete die Erstklässlerin nun noch intensiver.
Sie hatte ihn schon eine Weile beobachtet? Das war ja beinahe gruselig.
Und was zur Hölle waren Schlickschlupfe?
Dann fiel sein Blick auf die Füße des Mädchens.
„Warum trägst du keine Schuhe?"
Sie senkte den Blick, das blonde Haar fiel nach vorne, und sie guckte so erstaunt, als fiele ihr jetzt erst auf, dass sie auf Socken unterwegs war. Auf selbst gehäkelten, pastellfarbenen Regenbogensocken.
„Oh, die verschwinden andauernd", sagte sie leichthin, sah wieder auf und lächelte ihn an.
„Hey, Loony, halt dich von den Slytherins fern!"
Sowohl das blonde Mädchen als auch Draco sahen zu der Person, die gesprochen hatte.
Es war die Ravenclaw Milana, aus der Dritten, das Mädchen, das Draco seit der ersten Zugfahrt hasste, da sie sich über seinen Namen lustig gemacht hatte. Wie immer war sie umringt von Freundinnen, die alle dümmlich kicherten, vermutlich aufgrund des Namens der Erstklässlerin.
Diese lächelte nur versonnen, während die Gruppe Mädchen vorbeilief.
Dracos Mundwinkel zuckten.
„Du heißt Loony?", prustete er.
Der Name war tatsächlich mehr als passend für diese Verrückte, fand er.
„Luna", korrigierte sie ihn sanft und nicht so, als sei sie beleidigt. „Die anderen machen sich einen Spaß daraus, mich Loony zu nennen, warum auch immer."
„Ich komm auch nicht drauf", meinte Draco mit vor Ironie triefender Stimme.
„Das ist das merkwürdige an Namen, nicht?", sinnierte das Mädchen und es wirkte, als hätte es Dracos Worte gar nicht wahrgenommen. „Viele glauben, man bekommt einen Namen bei der Geburt und behält ihn ein Leben lang, aber dem ist nicht so. Manchmal werden uns andere Namen gegeben, manchmal geben wir sie uns selbst. Und dabei wird häufig unterschätzt, das Namen Macht haben, nicht wahr? Worte sind Magie, das vergessen wir nur allzu gerne."
Draco kräuselte halb verwirrt, halb angewidert die Nase.
Bei allen vier Gründern, was für durchgeknallten Kram erzählte diese Ravenclaw?
Aber gleichzeitig brachten ihre Worte in seinem Innern etwas zum Klingen, und es war als würde ihm in diesem Moment das letzte, große Puzzleteil vor die Füße fallen, aber er konnte es einfach nicht greifen.
Es ärgerte ihn, da er dieses Mädchen für völlig verrückt hielt, aber irgendetwas an ihren Worten war wichtig.
Gerade, als er glaubte, der Lösung ganz nahe zu sein, erscholl Schulleiterin McGonagalls Stimme magisch verstärkt durch die Bibliothek und vermutlich auch durch das ganze Schloss.
„Die gesamte Schülerschaft findet sich bitte in der Großen Halle ein. So schnell es geht!"
„Oh, das klingt interessant", meinte Loony verträumt, lächelte ihn noch einmal an und hüpfte dann Richtung Ausgang.




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