Von heimlichen Beobachtungen und Erkenntnissen

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„Ok, rück mit der Sprache raus, was bedrückt dich?"
Theo war dicht neben ihm aufs Sofa im Gemeinschaftsraum gesunken.
Der kurze Monat Februar war schnell vorbei gewesen, der Frühling begann sich anzukündigen und sie eilten mit großen Schritten den Osterferien entgegen.
Es hatte bisher keine weiteren Versteinerungen mehr gegeben, und viele fragten sich, ob der Erbe Slytherins wohl aufgegeben hatte.
Lockhart war natürlich der Meinung, er sei Grund dafür, dass der Erbe Slytherins Angst bekommen habe, denn selbstverständlich würde er es im Schlaf mit ebenjenem aufnehmen.
Draco warf einen raschen Blick auf Greg, Vince und Blaise, die zusammen mit Pansy und Millicent saßen und über irgendetwas lachten.
Draco hatte sich etwas abseits hingesetzt, in einer Sitzgruppe, wo er alleine war und - wieder einmal - nachdachte.
„Nichts", sagte er ausweichend.
Theo verdrehte die Augen.
Dann fühlte Draco Theos kleinen Finger an seinem, wie er sich darum schlang.
„Freunde für immer, egal was kommt", sagte Theo leise.
Draco seufzte.
„Freunde für immer, egal was kommt", bestätigte er resigniert und Theo zog den Finger weg.
„Du meinst also, weil du mein bester Freund bist, muss ich es dir erzählen?"
„Nein", sagte Theo. „Aber weil ich dein bester Freund bin, würde ich dir jederzeit zuhören."
Draco zögerte.
Dann beugte er sich nah zu Theo.
„Hör zu", flüsterte er. „Das klingt jetzt sicher total verrückt. Aber du erinnerst dich an Valentinstag, oder?"
Theo grinste.
„Wie könnte ich den Tag vergessen?"
Ja, es war ein lustiger Tag gewesen, aber mit ernstem Ausgang, und das nicht nur, weil Blaise' Freundin mit ihm Schluss gemacht hatte und er seitdem solo war. Sie war nämlich sauer gewesen, dass Blaise nicht nur von ihr, sondern auch von etlichen anderen Mädchen Liebesbekundungen bekommen hatte, und er sich auch noch darüber gefreut hatte. Da hatte es sogar nichts genutzt, dass Blaise ihr auch eine kurze Nachricht über einen Zwerg („Ich denk an dich.") hatte zukommen lassen.
Nein, auch für Draco war der Tag überschattet gewesen.
„Ja, aber erinnerst du dich außer an Herzkonfetti und Zwerge auch noch an Potters Buch, das ich aufgehoben habe?"
Theos Stirn legte sich in Falten.
„Ja, schon, wieso?"
Draco schluckte.
Rasch sah er sich um.
Nein, niemand hörte zu, niemand beachtete sie, er konnte gefahrlos reden.
„Dieses Buch... Es ist das Buch, was das Weasley-Mädchen das ganze Schuljahr mit sich rumgeschleppt hat."
„Ok", machte Theo verständnislos. „Und nun hatte Potter es. Das beschäftigt dich seit Wochen?"
„Nein. Theo, das ist nicht irgendein Buch. Ich habe es erst begriffen, als ich es an Valentinstag in der Hand gehalten habe. Dieses Buch hat meinem Vater gehört."
Jetzt war es raus.
Auf Theos Gesicht war absolute Verwirrung zu sehen.
„Was? Deinem Vater?"
„Ja. Theo, hör zu. Kurz vor Schulbeginn war ich mit meinem Vater in der Nokturngasse. Er wollte dort einige schwarzmagische Artefakte loswerden, was zum Glück gelungen ist. Er schrieb mir kürzlich, dass das Ministerium tatsächlich eine Hausdurchsuchung durchgeführt hat, aber glücklicherweise haben wir ein heimliches Kellergewölbe, in dem Vater wohl schon vor etlichen Jahren die schwarzmagischen Artefakte von unserem Hauself Dobby unterbringen lassen hat. Das hat er mir erzählt, bevor wir in die Nokturngasse aufgebrochen sind. Daher konnten sie nichts finden. Jedenfalls sind wir damals von der Nokturngasse in die Winkelgasse gegangen und dort kam es zu der Prügelei, weil der alte Weasley meinen Vater angegriffen hat."
Theo nickte, um zu bestätigen, dass er sich an diese Erzählung erinnerte.
„Jedenfalls hat mein Vater eins der heruntergefallenen Bücher aus dem Kessel der kleinen Weasley dahin zurück geworfen - also, eigentlich war es nur ein Buch, aber mein Vater hat ein zweites dazu getan. Dieses schwarze Buch, was nun Potter hat."
„Was? Draco, bist du dir sicher?", wisperte Theo.
„Absolut sicher. Ich habe es genau gesehen, aber mein Vater hat es geleugnet. Und es ist ganz sicher das selbe Buch. Von der Weasley ist es irgendwie zu Potter gekommen."
Theos Augen wurden groß.
„Und du glaubst, dein Vater hat versucht, ein schwarzmagisches Buch bei den Weasleys loszuwerden?", fragte er entsetzt. „Das ist es, was du denkst, oder?"
„Loswerden, oder... es bewusst an jemanden geben, der bald nach Hogwarts geht und bei dem es egal ist, ob er oder sie gefährdet wird durch das schwarzmagische Objekt."
„Aber Draco-"
„Warte", flüsterte Draco. „Das ist noch nicht alles. Ich habe das Buch aufgeschlagen, und auf der ersten Seite stand ein Name. Tom Marvolo Riddle."
Theo packte Dracos Oberarm so fest, dass es beinahe schmerzhaft war.
„Draco, Tom M. Riddle? Tom Marvolo Riddle? Der Vertrauensschüler und Schulsprecher aus Slytherin?"
Draco nickte.
Theo ließ seinen Arm wieder los.
„Das ist verrückt. Dein Vater hat ein fünfzig Jahre altes Buch von einem ehemaligen Slytherin-Schulsprecher, mit großer Wahrscheinlichkeit ist es ein schwarzmagisches Artefakt, und er hat es absichtlich dieser Weasley untergejubelt. Gleichzeitig kommt es dieses Schuljahr zu Angriffen und offensichtlich ist Slytherins geheime Kammer geöffnet worden. Und Potter hat das Buch jetzt. Das stinkt alles gewaltig."
Draco starrte Theo an.
„Sag das noch mal."
„Das stinkt alles gewaltig", wiederholte Theo irritiert.
„Nein nein. Das, was du am Anfang gesagt hast!"
„Äh... Dein Vater hat das Buch dieses Slytherin-Schulsprechers-"
„Genau, du sagtest es ist fünfzig Jahre alt. Theo, dieser Tom Riddle war vor fünfzig Jahren hier Schüler. Ich dachte die ganze Zeit, dass ich was übersehe, aber überleg mal selbst, was du gerade noch gesagt hast."
Theos Augen wurden groß und sein Mund klappte auf.
„Die Kammer des Schreckens wurde gleichzeitig geöffnet, seitdem dieses fünfzig Jahre alte Buch hier ist."
„Richtig", flüsterte Draco aufgeregt. „Und vor fünfzig Jahren-"
„-wurde die Kammer schon einmal geöffnet", beendete Theo seinen Satz.
„Ja. Theo, das können doch keine Zufälle sein!"
„Das glaube ich auch nicht", bestätigte Theo. „Dieser Riddle war vor fünfzig Jahren hier Schüler. Die Kammer wurde in seiner Zeit geöffnet. Und jetzt ist sein Buch, das mit großer Wahrscheinlichkeit schwarzmagisch ist, hier an der Schule und wieder öffnet sich Slytherins Kammer."
Kurz schwiegen sie.
Dann sagte Theo, was Draco sich die ganze Zeit nicht traute, auszusprechen: „Draco, glaubst du dieser Riddle ist der Erbe Slytherins?"
Draco sah Theo an.
„Ja, das glaube ich."
Theo kaute auf seiner Unterlippe.
„Ok, dann hat er vor fünfzig Jahren die Kammer geöffnet, und heute wieder? Aber wie?"
„Riddle hat eine Auszeichnung für besondere Verdienste an der Schule erhalten", sinnierte Draco. „Das passt irgendwie nicht zusammen. Ich glaube kaum, dass er eine Auszeichnung dafür bekommen hat, dass er die Kammer geöffnet und ein Schlammblut getötet hat."
„Hm, das stimmt", bestätigte Theo. „Das widerspricht unserer Theorie. Aber trotzdem macht der Rest Sinn. Dein Vater hat dieses Buch nach Hogwarts bringen lassen, damit dadurch die Kammer geöffnet wird."
Draco nickte und ignorierte das mulmige Gefühl in seinem Bauch.
Wenn das alles so stimmte, dann wäre es das Verschulden seines Vaters, wenn Schlammblüter durch das Monster getötet wurden.
Draco wusste, dass sein Vater Schlammblüter hasste und auf Muggel herabsah. Und ja, sein Vater war in illegale Machenschaften verstrickt, auch das wusste Draco. Die Besuche in der Nokturngasse, die schwarzmagischen Artefakte und verbotenen Tränke, mit denen Draco aufgewachsen war, auch wenn er nie direkten Kontakt dazu gehabt hatte.
Aber... Sein Vater, ein skrupelloser Monster-Entfessler? Jemand, der den Tod eines Menschen, und sei es nur ein Schlammblut, in Kauf nahm?
Vor fünfzig Jahren war es zu einem Todesfall durch das Monster in der Kammer gekommen.
Wäre sein Vater dazu imstande, in Kauf zu nehmen, dass so etwas wieder passieren würde?

A Death Eater's Tale Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt