Eine Nacht in der Großen Halle

112 12 1
                                        

Da war etwas in Snapes Augen, was Draco beunruhigte.
Ihr Hauslehrer hatte sich rasch wieder abgewandt, aber Draco hatte es trotzdem gesehen: Snapes Gesichtsausdruck war eine Maske wie sonst auch, aber seine üblicherweise so kühlen, ausdruckslosen Augen brannten vor Hass.
Sie mussten sich beeilen, um ihm zu folgen. Mit wehendem, schwarzen Umhang rauschte er vorweg, den Zauberstab irgendwie bedrohlich in der Hand, und er schien es eilig zu haben.
Terence und Lu waren nach vorne gesprintet, um ihn mit Fragen zu löchern, aber er ignorierte das Vertrauensschülerpaar vollkommen.
Was zur Hölle war passiert?
In der Großen Halle kamen sie fast zeitgleich mit den Ravenclaws und Hufflepuffs an. Die Gryffindors standen bereits dicht zusammen gedrängt in der Halle.
Draco verdrehte die Augen.
Natürlich. Vermutlich hatten diese Idioten wieder einmal etwas mit der ganzen Sache zu tun.
Die Lehrkäfte liefen irgendwie aufgescheucht herum, verschafften sich einen Überblick, ob alle Schülerinnen und Schüler anwesend waren und schließlich kamen auch noch Hogwarts Geister herein geschwebt.
Draco tauschte beunruhigte Blicke mit seinen Freunden.
Irgendetwas Schlimmes musste passiert sein.
Die Lehrkräfte zogen sich in eine Ecke zurück, um leise miteinander zu reden.
Es waren die Gryffindors, die schließlich Licht ins Dunkel brachten - sie erzählten, was passiert war und wie ein Lauffeuer wurde es unter den drei anderen Häusern weiter gegeben: Sirius Black war ins Schloss eingedrungen. Er war tatsächlich irgendwie an den Dementoren vorbei gekommen und hatte im Schloss sein Unwesen getrieben. Dabei hatte er wohl versucht, auch in den Gryffindor-Gemeinschaftsraum einzudringen, wobei er die Fette Dame - das Porträt, das den Eingang bewachte - mit einem Messer angegriffen hatte.
Beunruhigtes Gemurmel war daraufhin zu hören, was aber erstarb, als der Schulleiter die Halle betrat.
„Alle anwesend? Gut", befand Dumbledore und er wirkte überraschend ruhig. „Ich werde nun mit den Lehrkräften das Schloss durchsuchen. Ich fürchte, zu eurer Sicherheit müsst ihr heute die Nacht zusammen hier in der Großen Halle verbringen. Die Vertrauensschüler stellen sich gleich bitte an den geschlossenen Türen auf und bewachen sie."
Draco sah zu Terence und Lu, die beunruhigte Blicke tauschten. Offensichtlich gefiel es ihnen nicht, die erste Angriffsfläche zu bieten, sollte ein berüchtigter Massenmörder versuchen, in die Halle einzudringen.
„Ich übergebe die Verantwortung den Schulsprechern", fuhr Dumbledore fort. Draco sah Percy Weasley mit vor Stolz durchgedrückter Brust zu dem Schulleiter treten. „Jeder Zwischenfall ist mir sofort zu melden. Schicken Sie dann einen der Geister zu mir."
Er wandte sich zum Gehen, die anderen Lehrkräfte folgten ihm.
Draco tauschte ungläubige Blicke mit den anderen Slytherins. Sie konnten es nicht fassen, dass man sie offensichtlich ohne eine erwachsene Aufsichtsperson hier lassen würde, obwohl ein Mörder frei im Schloss herumlief.
Da drehte Dumbledore sich noch einmal um und Draco glaubte schon, dass auch dem Schulleiter genau dieses Problem aufgefallen war, aber dem war nicht so.
„Ah, wir sollten hier noch etwas Umdekorieren", sagte er.
Ein Schlenker seines Zauberstabs, und die Tische und Bänke flogen ganz an den Rand der Halle. Ein weiterer Schlenker und der Boden war bedeckt mit dicken, kuscheligen Schlafsäcken.
„Schlaft gut", sagte Dumbledore und schloss die Tür hinter sich.
„Alle in die Schlafsäcke!", rief der Schulsprecher, Weasley. „In zehn Minuten geht das Licht aus! Los jetzt! Und kein Getuschel mehr!"
Die Schlafsäcke waren fein säuberlich aufgereiht, aber fast ausschließlich alle Schülerinnen und Schüler zogen sie sich zu kleinen Gruppen zusammen.
Auch Draco und die vier anderen Jungs suchten sich eine Ecke, wo sie ihre Schlafsäcke etwas dichter zusammen zogen. Sie zogen ihre Schuhe aus und schlüpften ansonsten angekleidet in ihre Schlafsäcke. Draco legte sich noch nicht hin, sondern saß, und sah sich um. Das ganze war schrecklich aufregend und auch beängstigend und er hatte keine Ahnung, wie er heute Nacht schlafen sollte.
Und im nächsten Moment sah er, wie Potter, Weasley und Granger sich drei Schlafsäcke ganz in die Nähe zogen und ebenfalls in Kleidung hinein schlüpften.
Grangers Blick traf kurz auf seinen, aber sie sah rasch wieder weg.
„Denkt ihr, Black ist noch im Schloss?", fragte Theo leise.
„Dumbledore denkt das scheinbar", antwortete Blaise.
Draco konnte derweil seinen Blick aus irgendeinem Grund nicht von Granger lösen, die mit Potter und Weasley flüsterte, während sie sich in ihren Schlafsack legte.
„Wie ist er an den Dementoren vorbei gekommen?", murmelte Theo.
Grangers Locken lagen wie ein Fächer ausgebreitet auf dem Boden, stellte Draco geistesabwesend fest.
„Vielleicht ist er appariert?", meinte Vincent.
„Oder mit einem Besen geflogen?", sinnierte Greg.
Theo gab ein genervtes Geräusch von sich.
„Ehrlich, Jungs, „Eine Geschichte von Hogwarts" ist Basiswissen! Habt ihr das Buch überhaupt mal gelesen? Darin steht, dass man in Hogwarts weder apparieren noch disapparieren kann und reinfliegen hätten die Dementoren ihn auch gesehen."
„Vielleicht hat er sich verkleidet?", schlug Greg vor.
„Na, die Verkleidung will ich sehen, die einen Dementor täuscht", schnaubte Blaise.
„Was sagst du dazu, Draco? Draco? Draco!"
Theo tippte ihn an.
„Wo starrst du denn hin?"
Draco riss seinen Blick von Granger los, die geistesabwesend an ihren Locken gedreht hatte.
Ehe Draco in Erklärungsnot kommen konnte, hörten sie Percy Weasley: „Das Licht geht jetzt aus! Alle schlafen jetzt, keiner redet mehr!"
Es wurde nicht vollkommen dunkel. Die Geister, die in der Nähe der großen Tür schwebten, leuchteten, und die Decke der Halle, die immer wie der Himmel draußen aussah, funkelte vor Sternen, so dass man alles noch überraschend gut erkennen konnte.
An den Türen patroullierten die Vertrauensschüler und -schülerinnen und Draco fand es eine richtige Sauerei, dass von Terence und den anderen erwartet wurde, dass sie die ganze Nacht wach blieben und aufpassten.
Überall hörte man Getuschel und dazwischen immer wieder ein wütendes „Shhh!" von Percy Weasley. Auch Draco flüsterte noch mit seinen Freunden.
Langsam wurde es aber ruhiger. Die Geister zogen sich mehr in die Ecken zurück, offensichtlich, damit sie besser schlafen konnten und nicht durch ihr Leuchten gestört wurden.
Theo krabbelte tief in den Schlafsack, nur sein brauner, wilder Haarschopf guckte noch heraus und auch Blaise machte es sich gemütlich.
Draco hörte Vincent und Greg noch miteinander flüstern, während er an die Decke starrte und den Sternenhimmel betrachtete.
In diesem Moment war er sich sicher, niemals einschlafen zu können. Sirius Black war vielleicht noch im Schloss, der Schlafsack war nicht so bequem wie sein Bett, das Getuschel störte, er war aufgeregt.
Gerade, als er darüber nachdachte, sich doch wieder hinzusetzen und seine Freunde zu fragen, ob sie noch quatschen wollten, egal was dieser dämliche Percy Weasley sagte, sah er, wie Blaise aufstand und sich geduckt davonschlich.
„Was machst du?", flüsterte Draco.
Blaise drehte sich zu ihm und legte den Zeigefinger auf die Lippen, ehe er weiter schlich.
Gezielt huschte er zwischen den Schlafsäcken hindurch, bis er einen bestimmten erreichte.
Draco konnte über die Entfernung nicht erkennen, wer dort lag, aber er wusste es trotzdem, als die Person sofort zuließ, dass Blaise zu ihr in den Schlafsack schlüpfte.
Draco musste grinsen. Blaise hatte sich tatsächlich zu seiner Freundin geschlichen.
In diesem Moment erhob sich eine Gestalt aus dem Schlafsack daneben.
Dracos Puls beschleunigte sich, als er begriff, dass es Lynn war, die übervorsichtig und geduckt in seine Richtung huschte.
Als sie näher kam, reagierte er schnell - er warf einen raschen Blick zum Schulsprecher, und da dieser sich gerade am anderen Ende der Halle befand und Draco sogar den Rücken zukehrte, öffnete er rasch seinen Schlafsack, um es Lynn zu erleichtern, sich schnell zu verstecken, damit sie nicht erwischt wurde.
Die Slytherin grinste, als sie dies bemerkte. Rasch schob sie sich zu Draco in den Schlafsack und zog diesen dann so gut es ging zu.
„Hey", flüsterte Draco.
„Hey", gab sie ebenso leise zurück.
Bedingt durch die Enge des Schlafsacks lag Lynn dicht an ihn gepresst da, ihre Gesichter waren nur Zentimeter voneinander entfernt.
„Ich hoffe, Weasley merkt nicht, dass ich hier bin."
Draco verdrehte die Augen.
„Ach, der Idiot soll die Fresse halten."
Lynn kicherte nach seiner Aussage.
Draco schmunzelte, wurde aber sofort wieder ernst. Ihre Blicke trafen sich.
Ein merkwürdiges Flattern breitete sich in seinem Bauch aus, eine Mischung aus Aufregung und etwas anderem.
Zufällig glitt sein Blick über Lynns Kopf hinweg - und er sah Granger, die sich leicht aufgerichtet hatte und böse zu ihnen herüber starrte.
Natürlich, solange ihr Liebling Potter und sein dämliches Wiesel die Regeln brachen, war es in Ordnung, aber das hier passte ihr ganz offensichtlich nicht.
Draco erwiderte ihren Blick einen Herzschlag lang provokativ, dann sah er wieder Lynn an.
Wie Blaise es ihm geraten hatte, hob er die Hand und klemmte ihr eine Haarsträhne hinter das Ohr. Sie zuckte nicht zurück, sie schien sogar noch näher zu rücken.
Und Draco küsste sie.
Wir vorhin auf dem Rückweg aus Hogsmeade umspielten ihre Zungen sich und Draco fühlte sich nun schon viel sicherer bei dieser Sache. Er war selbst erstaunt, wie selbstverständlich es war, wie natürlich es sich anfühlte. Vielleicht waren solche körperlichen Dinge einfach Instinktsache, überlegte er. Man durfte nur nicht zu sehr nachdenken, dann passierte eigentlich alles von alleine.
Draco drückte Lynn auf den Rücken und beugte sich über sie, um sie erneut zu küssen. Das Mädchen ging absolut bereitwillig darauf ein.
Kurz unterbrach Draco den Kuss und er sah wieder zu Granger, die zwischen ihm und dem Ende der Halle hin und her blickte. Offensichtlich überlegte sie, den Schulsprechern zu petzen, was sie hier trieben.
Draco grinste sie provokativ an und küsste seine Freundin erneut.
Als er nach kurzer Zeit wieder zu Granger blickte, hatte die sich mit dem Rücken zu ihm gedreht und war so tief in den Schlafsack gekrochen, dass er nur einen Teil ihres buschigen Haarschopfes sehen konnte.
Er fühlte Lynns Hand an seiner Wange, sie drehte sanft sein Gesicht wieder zu sich.
Es war aufregend, so lange und intensiv herumzuknutschen.
Lynn streichelte seine Brust und seinen Rücken über dem T-Shirt, er ließ ihr seidiges, glattes Haar durch seine Finger gleiten.
Irgendwann lag er halb auf ihr, eins seiner Beine zwischen ihren Beinen. Es war fast unerträglich warm in diesem Schlafsack, fand Draco. Sein Herz raste und er atmete mittlerweile etwas schneller durch die Nase.
Und das angenehme Ziehen in seiner Lendengegend machte ihn regelrecht wahnsinnig.
Er hörte auf, Lynn zu küssen, legte sich wieder neben sie und zog sie nah an sich. Mit einem zufriedenen Seufzen schmiegte sie sich an ihn.
Draco musste es einfach abbrechen. Das ganze hier hatte sich mittlerweile fast schon zu gut angefühlt, und auch wenn er sich gerne weiter ausprobiert hätte, war er sich sicher, das die Entscheidung, sich etwas zurück zu ziehen, die Richtige gewesen war. Dies hier war wahrlich der falsche Moment, um weiter zu gehen.
Aber er hatte eine kleine Ahnung davon bekommen, warum die älteren Jungs aus der Quidditch-Mannschaft ständig so von Sex schwärmten.
Allerdings hatten sie wohl gerade rechtzeitig aufgehört, denn Percy Weasley lief Patrouille. Lynn zog den Kopf ein und Draco versuchte, sie so gut es ging mit dem Schlafsack zu verstecken.
Weasley bemerkte sie zum Glück nicht.
„Glaubst du, Black ist noch im Schloss?", flüsterte Lynn, als der Schulsprecher sich entfernt hatte.
„Ich weiß nicht", murmelte Draco. Genau genommen konnte er sich kaum vorstellen, dass der Gefangene, der aus Askaban ausgebrochen war, es überhaupt ins Schloss geschafft hatte. Vielleicht hatte die Fette Dame einfach Blödsinn geredet.
„Ich hoffe, sie schnappen ihn", sagte Lynn leise.
„Hast du etwa Angst?", erkundigte sich Draco leise und ein bisschen erstaunt.
„Ein bisschen schon", gestand Lynn und Draco zog sie enger in eine Umarmung, wie um sie zu schützen. Sie schmiegte sich zufrieden an ihn.
Sie lagen lange schweigend so da, bis sie beide ein wenig eindösten.
Dann ließ ein Geräusch sie aufschrecken.
„Erwische ich Sie so noch einmal, ziehe ich meinem eigenen Haus Punkte ab."
Die Stimme war nur ein leises Zischen.
Es war Snape, der bei Blaise und seiner Freundin stand. Offensichtlich war er lautlos in die Halle gekommen, um nach dem Rechten zu sehen.
Blaise schaltete schnell, er schlüpfte in den Schlafsack neben Anastasia. Draco war froh, dass Blaise nicht zu seinem eigenen Schlafsack zurück gehuscht war.
Allerdings nutzte es ihm nichts.
Snape ging weiter und entdeckte mit einer beinahe erschreckend präzisen Genauigkeit, dass neben Draco ein Schlafsack leer war und Dracos eigener zu breit für eine Person wirkte. Natürlich hatte er versucht, Lynn zu verstecken, aber ihre Haare lugten trotzdem hervor. Und so eine schlampige Tarnung half vielleicht bei Percy Weasley, aber nicht bei Snape.
Snape sah stumm und eisig auf sie herab. Er sagte kein Wort, aber das war auch nicht nötig. Ihm musste klar sein, dass sie jedes seiner Worte gehört hatten, die er Blaise zugezischt hatte.
Selbst in dem mangelnden Licht sah Draco, wie Lynn errötete, ehe sie aus dem Schlafsack schlüpfte und in den neben Draco kriechen wollte.
„Tauschen mit Mr Zabini", schnarrte Snape.
Nur wenige Herzschläge später lagen sowohl Lynn als auch Blaise an ihren angestammten Plätzen.
Snape verließ die Große Halle wieder, und einen Augenblick war es tatsächlich still bis auf die Vertrauensschüler, die zum Teil leise redeten, während sie die Türen bewachten.
Dann hörte Draco ein leises Prusten.
Es war Theo, der versuchte, ein Lachen zu unterdrücken.
Offensichtlich amüsierte er sich über die Situation und dass Draco und Blaise mit ihren Freundinnen erwischt worden waren.
Nur Sekunden später prustete Blaise ebenfalls, und auch Draco musste leise lachen. Die ganze Situation war irgendwie grotesk und Snapes grimmiges Gesicht war schon lustig gewesen.
„Ruhe!", zischte Percy Weasley und sie mussten noch mehr lachen.
„Ich sagte Ruhe! Ich bin hier Schulsprecher!"
Es dauerte mehrere Minuten, bis Weasley sie ruhig gestellt hatte.

Sie schliefen unruhig, einerseits natürlich deshalb, weil das ganze eine ungewohnte Situation war und es sowieso merkwürdig war, mit so vielen Menschen in einem Raum zu schlafen, zusätzlich weil sie sich alle bezüglich Sirius Black Sorgen machten, und andererseits auch, weil Snape stündlich hereinrauschte und einen Rundgang durch die Halle machte, wodurch sie aus ihrem leichten Schlaf aufgeschreckt wurden.
Gegen drei Uhr morgens öffnete sich die Tür zur Halle erneut, doch dieses Mal war es der Schulleiter persönlich, der die Halle betrat.
In Dracos Nähe blieb er stehen und redete leise mit Percy Weasley.
„Irgendeine Spur von ihm?", flüsterte der Schulsprecher.
„Nein", antwortete Dumbledore. „Hier ist alles in Ordnung?"
„Ja, alles unter Kontrolle, Sir."
„Gut. Ich habe einen anderen Wächter für das Porträtloch der Gryffindors gefunden. Morgen können alle wieder in ihre Schlafsäle. Jetzt lassen wir sie hier schlafen."
„Und die Fette Dame, Sir?"
„Sie versteckt sich im zweiten Stock in einer Landkarte von Argyllshire. Sie hat sich offenbar geweigert, Black ohne Passwort in den Gemeinschaftraum zu lassen. Daraufhin hat er sie attackiert. Sobald sie sich wieder beruhigt hat, werde ich Filch bitten, sie zu restaurieren."
Die Tür quietschte erneut und man hörte Schritte.
„Direktor?"
Das war Snape.
„Wir haben den gesamten dritten Stock durchsucht. Keine Spur von Black. Filch war in den Kerkern. Auch dort ist er nicht."
„Was ist mit dem Astronomieturm?", hakte Dumbledore nach. „Und dem Zimmer von Professor Trelawney? Die Eulerei?"
„Alles durchsucht. Er ist nirgendwo auffindbar."
„Danke, Severus."
„Haben Sie eine Idee, wie Black hier herein gekommen ist?", fragte Dracos Hauslehrer leise.
„Verschiedene, aber ich denke nicht, dass eine davon die richtige ist."
Snape schien zu zögern.
„Direktor, Sie erinnern sich an unser Gespräch kurz vor Beginn des Schuljahres?", sagte er dann, die Stimme merkwürdig eisig. „Ich möchte zu bedenken geben, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass Black es ohne Hilfe ins Schloss geschafft hat. Ich habe damals bezüglich einer gewissen Stellenbesetzung meine Bedenken geäußert und-"
„Ich bin mir sicher, dass niemand im Schloss Black geholfen hat", unterbrach Dumbledore ihn und sein Tonfall machte unmissverständlich klar, dass für ihn das Thema damit beendet war. „Ich werde nun zu den Dementoren gehen und ihnen mitteilen, dass die Suche beendet ist."
Dumbledore entfernte sich.
Draco hob seinen Kopf vorsichtig an.
Er sah, wie Percy Weasley sich ebenfalls entfernte. Snape stand einen Augenblick wie versteinert da, das Gesicht vor Zorn und Hass verzerrt. Dann ging ein sichtbarer Ruck durch seinen Körper und sein Gesichtsausdruck wurde steinern wie sonst auch. Mit raschen Schritten verließ er hinter dem Schulleiter die Große Halle.
Kaum, dass die Lehrkräfte gegangen waren, richtete Draco sich vollständig auf.
Gregory, Vincent und auch Blaise schliefen, aber Theo hatte die Augen weit geöffnet, das Sternenlicht spiegelte sich in ihnen. Draco sah, dass er auf die geschlossene Tür starrte, so als hätte er Snape hinterher gesehen.
Auf seinem Gesicht war ein merkwürdiges Wechselbad aus Gefühlen zu erkennen, das Draco nicht richtig deuten konnte.

A Death Eater's Tale Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt