„Heute habe ich eine besondere Lernaufgabe für Sie, die Sie bitte bis zwei Wochen nach den Weihnachtsferien erledigt haben müssen, und zwar mit einem festen Teampartner", verkündete Professor Babbling in ihrer letzten Stunde Alte Runen vor Weihnachten.
Blaise seufzte genervt.
Ja, auch Draco ärgerte die Tatsache, dass das bedeutete, dass sie vermutlich über die Weihnachtsferien Runentexte übersetzen mussten.
Granger neben ihm tippte mit ihrer Feder kurz gegen das Tintenfass, es wirkte wie eine geistesabwesende, aber irgendwie verärgerte Geste, die sie unterbewusst ausführte.
Draco konnte sich allerdings kaum vorstellen, dass es Granger tatsächlich störte, dass sie diese Aufgabe bekamen - sie erledigte Schularbeiten doch sehr gerne und riss sich sogar um Zusatzstoff noch mehr als Theo.
Irgendetwas schien sie zu beschäftigen.
„Hier sind die Texte", fuhr Babbling fort und hielt drei unterschiedliche Pergamente hoch. „Ich füge Sie nun zu Paaren zusammen. Mr Zabini, Sie sitzen sowieso neben Miss Turpin, nehmen Sie diesen Text hier."
Blaise grinste Lisa Turpin an, die daraufhin rot wurde.
Draco schmunzelte. Blaise war noch nicht lange von Anastasia getrennt, aber es war klar, dass er schnell wieder versuchen würde, ein neues Mädchen aufzureißen.
Na, das passte ja prima, dachte er. Blaise konnte mit der Ravenclaw flirten, Draco konnte mit Theo zusammen arbeiten und Granger mit Mandy Brocklehurst, die zweite Ravenclaw im Kurs.
Aber da redete Babbling weiter.
„Mr Malfoy, Sie sitzen neben Miss Granger, also bilden Sie ein Team."
„Was?", entfuhr es Draco und Grangers Kopf ruckte schockiert in Richtung der Professorin.
„Mr Nott, Sie finden sich bitte mit Miss Brocklehurst zusammen", fuhr Babbling fort, als hätte Draco gar nichts gesagt.
„Verzeihung Professor", sagte Draco. „Warum kann ich nicht mit Theo zusammen arbeiten?"
Babbling lupfte kurz die Mundwinkel.
„Weil ich dieses Zusammenrotten von Freunden nicht möchte."
Ehe Draco noch einmal widersprechen konnte, legte Babbling ihnen einen Text vor die Nase.
„Fangen Sie in dieser Stunde schon einmal mit der Partnerarbeit an", wies die Professorin sie an.
Theo warf Draco einen bedauernden Blick zu, erhob sich dann aber und setzte sich mit Brocklehurst zusammen.
„Setzen Sie sich mit etwas Abstand zu den anderen Paaren hin", riet Babbling. „Damit Sie sich nicht gegenseitig stören."
Der Klassenraum für Alte Runen war nicht allzu groß. Theo schien mit Brocklehurst am Tisch sitzen bleiben zu wollen, die beiden flüsterten bereits miteinander und sahen nachdenklich auf den vorgegebenen Text.
Blaise war gerade dabei, sich mit Turpin an einen kleinen Tisch in der Ecke zu setzen, wobei er ihr tatsächlich den Stuhl zurecht rückte, was sie wieder erröten ließ.
„Komm, wir setzen uns da hin", sagte Draco kurz angebunden zu Granger.
Zu seiner Überraschung warf sie ihm einen eisigen Blick zu, erhob sich aber und setzte sich mit ihm auf die kleine Couch beim Kamin, in dem das Feuer munter flackerte.
Es war unglaublich lästig, dass Babbling ihn ausgerechnet mit Granger zusammen gewürfelt hatte, aber es ließ sich nun wohl leider nicht ändern.
„Wie wollen wir uns den Text aufteilen?", fragte Draco.
Granger nahm ihm das Pergament aus der Hand und studierte es.
„Ich meine, du erwartest wohl nicht, dass ich den Text mit dir zusammen übersetze", schnarrte er, aber Granger beachtete ihn nicht.
Draco runzelte die Stirn.
„Also teilen wir den Text auf?"
Granger gab einen undefinierbaren Laut von sich, der alles mögliche bedeuten konnte und studierte weiter die Runen.
„Hast wohl einen sehr guten Tag", meinte Draco. „Das merke ich an deiner Gesprächigkeit."
Ein Schnauben war Antwort.
„Wenn du die Zusammenarbeit verweigerst, kann ich mich gerne bei Babbling beschweren, ich habe keine Lust auf eine schlechte Note wegen dir."
„Ich werde den Text schon gut übersetzen", fauchte sie.
„Du?", sagte Draco sofort. „Das ist eine Partneraufgabe, falls du es noch nicht gemerkt hast."
„Hab ich gemerkt", antwortete sie kurz angebunden.
„Gut, dann benimm dich eben bescheuert", fuhr er sie an.
Ihr Kopf ruckte hoch.
Ihre Augen blitzten, sie war wütend, aber Draco sah auch, dass ihre Augen gerötet waren, so als habe sie sehr wenig Schlaf gehabt oder geweint oder beides.
„Fragt sich wer sich hier bescheuert benimmt", konterte sie.
„Was? Ich mache doch gar nichts! Ich will doch nur diesen scheiß Text-"
„Es geht nicht um den Text!", untebrach sie ihn hitzig, wobei sie offensichtlich versuchte, ihre Stimme gesenkt zu lassen.
„Ach? Worum geht es dann?"
Ihre Wangen röteten sich vor Zorn.
„Oh, jetzt stell dich nicht dumm! Ich kann nicht glauben, dass du das getan hast! Du hast gesagt, du würdest es nicht tun!"
„Wovon zur Hölle redest du?"
Langsam wurde Draco ungeduldig und ärgerlich.
„Von der Sache mit Seidenschnabel! Es ist unfassbar, dass dein Vater seine Position ausnutzt, um gegen Hagrid vorzugehen... Eine Untersuchung vom Ausschuss, also wirklich!"
Langsam setzten sich die Puzzleteile in Dracos Kopf zusammen.
Seidenschnabel. Der Hippogreif. Ja, da war etwas gewesen Anfang des Schuljahres... Dracos Vater hatte ihm mitgeteilt, dass sich das Ministerium an der Sache mit Dracos Unfall in Pflege magischer Geschöpfe Interesse zeigte, und Draco hatte damals nicht verstanden, was das Ministerium mit diesem Wildhüter zu tun hatte beziehungsweise inwiefern es dafür sorgen konnte, dass Hagrid entlassen wurde.
War das tatsächlich möglich? Würde das Ministerium verlangen, dass dieser katastrophale Möchtegern-Professor entlassen wurde? Draco wusste, dass sein Vater zu Cornelius Fudge, dem Zaubereiminister, einen sehr guten Draht hatte, und auch ansonsten wurde er an vielen Stellen im Ministerium geschätzt.
Aber woher wusste Granger von Dingen, die die Familie Malfoy betrafen?
„Reg dich ab", schnarrte er und versuchte, lässig zu wirken und so zu tun, als wüsste er genau, wovon Granger redete. „Wenn dieser ständig betrunkene Hagrid gefeuert wird, ist das kein Verlust für die Schule."
„Hagrid wird nicht gefeuert!", stellte sie wütend klar. „Der arme Seidenschnabel soll verurteilt werden! Hagrid hat darüber eine Information erhalten."
Draco blinzelte.
Der Hippogreif? Wieso das? Der konnte doch nichts dafür, dass der Wildhüter ihn in den Unterricht geschleppt hatte!
Aber nun wusste Draco, woher Granger die Information hatte - sie musste den Brief gelesen haben, den das Ministerium an Hagrid geschrieben hatte.
„Ich dachte wirklich, ich kann dir vertrauen!", fuhr sie fort, als er sie nur anstarrte. „Du hast damals im Krankenflügel gesagt, du wirst Hagrid keinen Ärger machen!"
Draco verspürte sofort das Bedürfnis, sich zu verteidigen.
„Ja und? Er kriegt ja keinen Ärger, sondern dieses Hippogreif-Vieh. Und ich sehe keinen Grund, warum du mir vertrauen solltest. Übrigens lege ich darauf auch keinen Wert."
Genau genommen fand er gar nicht, dass Seidenschnabel eine Strafe verdient hatte, aber das sagte er nicht.
Grangers Wangen standen in Flammen.
„Seidenschnabel ist kein Vieh! Und er ist unschuldig! Ich dachte wirklich nicht, dass du gegen ein unschuldiges Tier vorgehst. Das ist erbärmlich!"
Draco fühlte die Wut heiß seinen Hals hinauf kriechen.
„Er hat mich angegriffen!", knurrte er wütend. „Mein Arm war ewig verletzt und ich konnte fast nicht am Quidditch-Auswahltraining deswegen teilnehmen!"
„Oh, und so ein dämliches Training ist wichtiger als ein Lebewesen?"
„Das Training ist nicht dämlich! Nur weil du keine Ahnung von Quidditch hast, wertest du es ab!", schnarrte Draco ärgerlich.
„Darum geht es doch nicht! Es geht darum-"
„Ist mir egal, worum es geht", unterbrach Draco sie wütend. „Das Ministerium wird schon wissen, was sie mit diesem Hippogreif tun müssen, die kennen sich mit sowas ja aus."
Zu seiner Überraschung sah er es in ihren Augen verdächtig glitzern.
Mit einem Ruck stand sie auf.
„Verzeihung, Professor Babbling", sagte sie. „Mir geht es nicht gut. Ich würde gerne in den Krankenflügel gehen."
Die Professorin sah Hermine halb erstaunt, halb besorgt an.
„In Ordnung, Miss Granger."
Da Hermine Granger eigentlich nie im Unterricht fehlte und immer einen so guten Eindruck machte, da sie strebsam und klug war, hinterfragte Babbling ihre Bitte nicht. Hermine Granger war einfach nicht der Typ, der schwänzte.
Draco beobachtete sie, wie sie fahrig ihre Sachen zusammen packte. Erst jetzt bemerkte er, wie müde sie aussah, wie gestresst ihr Blick war. Unter ihren Augen waren dicke Ringe. Ihr Haar war zu einem unordentlichen Zopf gebunden. Sie blinzelte angestrengt, so als müsse sie sich zusammenreißen, nicht in Tränen auszubrechen.
Es geht ihr nicht gut, dachte Draco. Und das nicht nur wegen ihres Streits gerade und wegen des Hippogreifs. Irgendetwas belastete sie, das ganze Schuljahr über schon, und es schien sich immer mehr zu steigern.
Mit einer - wieder einmal übervollen - Schultasche stürmte sie aus dem Klassenraum.
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A Death Eater's Tale
FanfictionJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
