Das Labyrinth

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Die Nachricht vom Labyrinth, das auf den Ländereien von Hogwarts mit Hilfe von Zauberei entstand, verbreitete sich relativ schnell, obwohl vorerst eigentlich nur die Champions darüber Bescheid wissen sollten.
Draco und seine Freunde waren sogar die ersten, die davon erfuhren, da Viktor als Durmstrang-Champion und Niko als Lehrer in Ausbildung natürlich ziemlich schnell in Kenntnis gesetzt wurden.
Die letzte Aufgabe würde also ein Rennen durch ein aus hohen Hecken bestehendes Labyrinth sein.
Viktor war sich ziemlich sicher, dass es bei der Aufgabe nicht einfach darum gehen würde, den Weg durch das Labyrinth bis zum Pokal zu finden, sondern auch darum, einige Hürden zu meistern, und Draco stimmte ihm zu.
Es war bereits viel wärmer geworden, die Wochen waren schnell vergangen und der Mai brachte eine überraschend kräftige Sonne mit sich. Viktor trainierte noch härter als sonst und sie alle mit ihm.
Draco tat es gut, sich körperlich zu verausgaben - es lenkte ihn von diesem drückenden Gefühl im Magen, diesem Schatten auf seinem Gemüt ab.
Es gab so vieles, was ihn belastete.
Der Briefkontakt zu seinen Eltern war merkwürdig geworden, irgendwie wirkte es immer so, als würde sie etwas beschäftigen, wovon sie aber nichts in den Briefen erwähnten, aber es schwang zwischen den Zeilen mit; Draco kannte sie zu gut, als dass er es nicht wahrgenommen hätte.
Nach wie vor lag ihm außerdem das Gespräch vom Weihnachtsball mit Viktor schwer im Magen. Manchmal lag Draco abends wach und die Worte kreisten wieder und wieder in seinem Kopf.
Dann war da noch die Anspannung wegen Kimmkorn. Bisher war kein Artikel erschienen, aber es machte Draco eher nervöser, als dass es ihn beruhigte. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass sie den richtigen Moment abwartete, um den größtmöglichen Skandal zu erschaffen.
Und natürlich waren da noch Pansy und Granger.
Dracos schlechtes Gewissen gegenüber Pansy äußerte sich allgemein in schlechter Laune und einer unfassbaren Wut und Aggression gegenüber McLaggen. Er konnte wirklich für nichts garantieren, sollte er diesen Wichser einmal alleine auf einem der Gänge treffen.
Und Granger...
Da waren diese vielen Kleinigkeiten. Wie sie ihre Locken nach hinten strich, wenn er sie direkt vor sich in Arithmantik beobachtete. Die Art, wie sie auf ihrer Unterlippe kaute, wenn sie in der Bibliothek an einem Aufsatz arbeitete. Ihr Lächeln, wenn Viktor ihr etwas zuflüsterte. Und ihr Duft, der ihm in Alte Runen, wenn sie so dicht neben ihm saß, in die Nase stieg. Karamell und Rosen.
Draco konnte seine Lieblingsschokolade, die er sich auf Vorrat in Hogsmeade gekauft hatte, kaum noch essen, weil der Karamellanteil darin ihn wahnsinnig machte.
Und dann der Regen... Nach wie vor verknüpfte er auch den Geruch von Regen mittlerweile untrennbar mir Granger. Er wurde noch wahnsinnig.
„Draco, was ist los?" Theo stellte die Frage zwischen zwei Zügen an seiner Zigarette.
Sie saßen zu zweit auf dem Astronomieturm und überblickten die Ländereien von Hogwarts. Obwohl es bereits dämmerte, war das Labyrinth gut zu erkennen - die Magie zeigte ihre Wirkung und ließ die Hecken wirklich schnell wachsen. Fast fand Draco den Anblick ein wenig bedrohlich.
Krummbein hatte sich zu ihnen gesellt; er suchte gerne Dracos Nähe und mochte auch Theo. Gerade spielte er mit einer verzauberten Stoffmaus, die Draco ihm vom letzten Hogsmeade-Besuch mitgebracht hatte.
„Nichts", behauptete er, denn er konnte ja schlecht sagen, dass seine Gedanken wieder einmal um Granger gekreist waren. Und über die andere Sache, die ihn bedrückte, wollte er auch nicht reden.
Theo zog gelassen an der Zigarette, beobachtete Draco schweigend.
Seufzend wandte er den Kopf ab und blickte in die Ferne.
Das war das Schlimme an Theo - er kannte Draco einfach zu gut und ließ sich nichts vormachen. Und gleichzeitig wusste er genauso, dass es nichts brachte, Draco zu drängen. Allerdings wusste er auch, dass Draco so oder so einknicken würde, wenn er nur lange genug schweigend daneben saß.
„Es ist wegen Pansy", sagte er in die Stille hinein. Denn ja, auch wenn er eigentlich keine Lust hatte, über das Thema zu reden, so schob er es trotzdem gerne vor, denn über die andere Sache, über Granger und diese Ungeheuerlichkeit an Gefühlen, die er mittlerweile mit ihr verknüpfte, darüber konnte er wahrlich mit niemandem reden.
Theo schwieg weiterhin, aber er wusste, dass Draco von alleine weiterreden würde, was er nach einer kurzen Pause auch tat.
„Diese Sache mit McLaggen... Ich komme einfach nicht darüber hinweg."
Theo entließ den Rauch aus seiner Lunge und drückte die Zigarette gründlich aus, nur um sich sofort die nächste anzuzünden. Draco für seinen Teil war gerade nicht nach rauchen zumute.
„Vielleicht sollten wir uns an ihm rächen", meinte Theo. „Ihn irgendwie verhexen. Ihm einen Fluch auf den Hals hetzen, der zu Erektionsstörungen führt oder so. Ich kann ihm auch gerne noch mal die Nase brechen - wahlweise auch andere Körperteile."
Draco spürte, wie seine Mundwinkel zuckten.
„Klingt verlockend. Aber das war es tatsächlich nicht, was ich meinte." Er zögerte kurz. Es fiel ihm unglaublich schwer, darüber zu reden, aber wenn er es nicht mit Theo tat, mit wem denn dann? „Weißt du, Pansy meint, es ist meine Schuld, dass das alles passiert ist. Ich glaube, sie ist richtig sauer auf mich."
Das Gespräch mit Pansy war nun schon eine ganze Weile her, aber es ging Draco beim besten Willen nicht mehr aus dem Kopf.
„Was?" Theo klang fast ein wenig schockiert.
„Eigentlich hat sie ja Recht", fuhr Draco fort. „Es ist meine Schuld, dass es passiert ist."
Theo gab seine lässige Haltung auf und lehnte sich leicht angespannt in Dracos Richtung.
„Draco, was redest du denn da? Es ist nicht deine Schuld! Warum sollte es deine Schuld sein?"
Draco schluckte schwer und presste den Kiefer fest zusammen. Einen Augenblick lang konnte er Theo kaum in die Augen sehen und mochte ihm auch nicht antworten.
„Ich habe mich am Ballabend Pansy gegenüber scheiße verhalten", gab Draco ehrlich zu. „Sie weiß bis heute nicht, warum ich sie gefragt habe, ob sie meine Tanzpartnerin sein möchte. Natürlich hat sie mit mehr Aufmerksamkeit gerechnet und naja... aus verschiedenen Gründen habe ich sie ignoriert und zum Teil sogar echt abweisend behandelt."
„Aus welchen Gründen?"
„Aus Gründen eben", erwiderte Draco abweisend. Und kurz, ganz kurz, wünschte er sich, mit Theo über alles reden zu können. Über seine erste Begegnung mit Hermine Granger im Hogwarts Express. Über die gelegentlichen heimlichen Zusammenkünfte, sei es in der Bibliothek oder im Krankenflügel. Und über seine krankhafte Obsession mit ihr. Er wurde sie in Gedanken nicht richtig los, es war frustrierend.
„Und?", forderte Theo ihn zum Weitersprechen auf, da er einen Moment geschwiegen hatte.
„Sie war enttäuscht und wütend. McLaggen muss ihren Zustand bemerkt und ihn ausgenutzt haben. Sie dachte, sie wischt mir damit eins aus und macht mich eifersüchtig. Es ist meine Schuld, dass sie auf ihn reingefallen ist und sich hat abfüllen lassen."
„Draco, jetzt hör mir mal ganz genau zu", sagte Theo und klang dabei eindringlich und ernst wie Draco ihn selten erlebte. „Es ist nicht deine Schuld! Ja, vielleicht war die Situation für Pansy scheiße und vielleicht war dein Verhalten falsch - aber das ist kein Grund-"
„Jetzt gib nicht Pansy die Schuld", fuhr Draco dazwischen, heftiger als beabsichtigt, „Er hat sie absichtlich betrunken gemacht und-"
„Beruhig dich, Draco. Weder Pansy ist schuld noch du. Wenn jemand Schuld hat, dann McLaggen."
Kurz war es still.
„Meinst du?"
„Auf jeden Fall!", bestätigte Theo mit Nachdruck. „Du hast dich abweisend verhalten - ok. Pansy war gekränkt und hat aus Verweiflung gehandelt - meinetwegen. Aber McLaggen, dieser Bastard, hat die Situation ausgenutzt und sich wie ein riesengroßes Arschloch benommen. Er ist eben ein Mistkerl... wie alle Gryffindors. Und ich sage dir, eines Tages kriegen wie den Penner noch ran für den ganzes Scheiß, den er fabriziert."
Verrückterweise war es Draco sofort nach Theos Worten leichter ums Herz. Es war, als würde Theo eine Wahrheit aussprechen, die Draco tief in seinem Innern bereits gewusst, aber verdrängt hatte.
„Danke, Theo", sagte er leise.
„Kein Ding", schmunzelte Theo und zog erneut an seiner Zigarette, „Wir-"
Krummbein hörte auf zu spielen und spitzte die ohnehin auffallend spitzen Ohren, dann sträubte er das Fell und fauchte. Im nächsten Moment hörten sie leise Schritte unten am Fuße der Treppe und eine Stimme.
Ganz offensichtlich Filch, der mit seinem dämlichen Katzenvieh sprach.
Ohne ein Wort zu wechseln, beeilten Theo und Draco sich, einen Tarnzauber zu sprechen und sich in die Schatten zurückzuziehen. Von Filch nach Sperrstunde außerhalb des Gemeinschaftsraums erwischt zu werden, war schon schlimm genug, und erst recht, wenn er auch noch sah, dass Theo rauchte.
Während sie warteten, dass der Squib weiterzog, musste Draco wieder einmal feststellen, dass es ein Segen war, Freunde wie Theo zu haben.

A Death Eater's Tale Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt