„Guten Morgen, Mr Malfoy."
Pomfrey war mit einem kleinen Tablett an seinem Bett erschienen, auf dem die Tränke standen, die er einnehmen musste.
„Guten Morgen", brummte er und nahm unter wachsamen Blicken der Heilerin die Heiltränke zu sich.
Er seufzte, als der Trank gegen Schmerzen seine Wirkung beinahe augenblicklich entfaltete.
Dracos Arm war gut bandagiert und befand sich in einer Schlinge.
Pomfrey hatte tags zuvor die Wunde äußerlich sofort heilen lassen, aber die Feinheiten übernahmen nun Salben und Tränke.
„Sagen Sie, was glauben Sie, wann ich den Arm wieder benutzen kann?"
Pomfrey schnaubte.
„Es war eine sehr tiefe Wunde", erklärte sie und klang ein wenig missbilligend dabei. Offensichtlich gefiel ihr der Gedanke nicht, dass Drittklässler in Kontakt mit Hippogreifen kamen. „Mein Heilzauber kam allerdings schnell genug, um bleibende Schäden zu verhindern. Die Salben und Tränke tun ihr Übriges. Theoretisch können Sie den Arm sofort wieder benutzen, aber ich empfehle Ihnen, ihn eine Weile zu schonen."
„In Ordnung", sagte Draco. „Aber... wie lange? Ich meine, bald findet die Auswahl der Quidditchmannschaft statt und ich möchte unbedingt daran teilnehmen."
Pomfrey schnalzte missbilligend mit der Zunge.
„Sie hätten die Brauchbarkeit Ihres Armes verlieren können, und alles, was Sie interessiert, ist Quidditch?"
Draco öffnete den Mund, um Pomfrey empört mitzuteilen, dass Quidditch essentiell wichtig war, aber sie redete bereits weiter.
„Ich würde Sie morgen entlassen und Ihnen raten, den Arm noch in etwa eine Woche zu schonen. Die Tränke werden Sie vermutlich ab morgen nicht mehr benötigen."
Nachdem Pomfrey gegangen war, vertrieb Draco sich die Zeit damit, in den Büchern zu schmökern, die Theo und Blaise ihm gebracht hatten und ein paar Bertie Bott's Bohnen zu naschen, die Greg und Vince ihm geschenkt hatten. Er hatte Glück und erwischte nur gute Geschmacksrichtungen, außer einmal eine, die nach Seife schmeckte.
Draco sah auf, als er Schritte hörte.
„Hey Draco", sagte seine Besucherin leise.
„Pansy, was machst du hier?", erkundigte er sich überrascht.
Pansy ignorierte den Besucherstuhl und ließ sich auf der Bettkante nieder.
Besorgt griff sie nach der Hand seines gesunden Arms.
„Ich wollte unbedingt nach dir sehen", flüsterte sie.
„Das ist nett von dir, Pansy, aber du warst doch gestern Abend bis kurz vor Sperrstunde bei mir."
„Ich wollte eben wissen, wie es dir heute geht. Tut dein Arm noch sehr weh?"
„Schon", gab Draco zu. „Aber durch die Tränke geht es einigermaßen."
Er sah Pansy überrascht an, als diese sich vorbeugte und ihm eine Haarsträhne aus der Stirn strich.
„Wann darfst du wieder gehen?", fragte sie. Und dann ergänzte sie mit leicht geröteten Wangen: „Ich vermisse dich, weißt du?"
„Aber Pansy", lachte Draco. „Ich bin doch nicht mal seit vierundzwanzig Stunden hier und wie gesagt, gestern Abend warst du doch noch hier."
„Trotzdem", sagte Pansy und sah ihm fest in die Augen.
„Miss Parkinson, was machen Sie hier?"
Pomfrey war so lautlos erschienen, dass sie beide zusammenzuckten.
Ehe Pansy überhaupt antworten konnte, tadelte die Heilerin: „Sie müssten schon längst im Unterricht sein! Raus hier, sofort!"
Es war fürchterlich langweilig im Krankenflügel, so langweilig, dass er unendlich froh war, dass Marcus Flint ihn in der Mittagspause besuchen kam.
„Bei Salazar, Draco, was machst du für Sachen?", fragte der Siebtklässler laut, als er sich auf den Besucherstuhl sinken ließ, und Draco sah, dass Pomfrey einen kurzen, aber missbilligenden und tadelnden Blick in seine Richtung warf aufgrund der Lautstärke. Der Stuhl knarzte unter Marcus' muskulöser Masse.
„Ich freue mich auch, dich zu sehen", frotzelte Draco und Marcus lachte schallend.
„Mensch Draco, du hast allen echt einen gehörigen Schreck eingejagt. Ich hoffe, diesen Wildhüter kriegen sie dafür so richtig ran."
„Ich hoffe das auch. Pomfrey sagte, hätte sie mich nicht so schnell behandelt, hätte ich die volle Funktionsfähigkeit meines Arms verlieren können."
Marcus schüttelte schockiert den Kopf.
„Stell dir das mal vor", sagte er düster. „Andererseits... Pomfrey hat schon so einiges wieder zusammen geflickt, es hätte mich sehr gewundert, wenn sie das mit deinem Arm nicht hinbekommen hätte. Wie auch immer..."
Marcus zog etwas aus seiner Umhangtasche.
„Hier, hab dir Lakritzzauberstäbe mitgebracht. Und ich wollte dich fragen, wie es denn mit dem Auswahlspiel nächste Woche aussieht."
Draco schluckte.
„Pomfrey sagt, sie kann mich morgen entlassen. Und sie meint, ich soll den Arm dann noch ungefähr eine Woche schonen."
Marcus verzog das Gesicht.
„Ich hoffe doch sehr, dass du bis zum Auswahlspiel wieder fit bist. Terence und du, ihr seid momentan einfach am besten geeignet für die Position des Suchers, und Terence will definitiv nur auf die Reservebank, wegen seines Vertrauensschüler-Postens, und, naja, sein Mädel macht ihm auch die Hölle heiß, sie will so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen... Aber wir haben ja dich und du spielst einfach unfassbar gut. Doch du musst dich auch wieder für den Posten qualifizieren."
„Aber hast du daran Zweifel?", fragte Draco erschrocken.
„Natürlich nicht", meinte Marcus. „Aber du musst bei der Auswahl dabei sein. Wenn nicht, müssen wir die Position anders besetzen. Harper will wohl auch sein Glück versuchen."
„Harper?", fragte Draco überrascht.
Harper war ein Jahr unter ihm und Draco hatte bisher nicht gewusst, dass dieser sich so sehr für Quidditch interessierte.
„Ja. Er spielt nicht schlecht, aber du bist natürlich um Längen besser. Momentan sehe ich ihn noch nicht in der Mannschaft. Vielleicht in ein oder zwei Jahren, wenn er fleißig weiter trainiert."
„Ich bin bestimmt wieder fit bis zur Auswahl", versicherte Draco hastig.
Das fehlte ihm noch, dass er seinen Posten in der Mannschaft verlor wegen dieses dämlichen Wildhüters und seiner Fehleinschätzung, was gefährliche Kreaturen anging!
„Dein Wort in Merlins Ohr", meinte Marcus.
DU LIEST GERADE
A Death Eater's Tale
FanfictionJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
