Die Posteulen hatten es dieser Tage besonders schwer. So kurz vor den Weihnachtsferien gab es rund um das Schloss immer wieder Schneestürme, durch die die Tiere sich quälen mussten.
Auch die dunkle Adlereule, das favorisierte Tier seines Vaters, kam geringfügig zerzaust und sehr nass beim Frühstück an und landete etwas weniger elegant als sonst neben Dracos Schüssel mit Porridge.
„Was wollen denn meine Eltern schon wieder?", brummte Draco. Er hatte erst kürzlich Briefkontakt zu ihnen, um mit ihnen abszusprechen, dass er dieses Jahr selbstverständlich über Weihnachten in Hogwarts blieb.
Er bot der Eule einen Haferkeks aus einer Schüssel vom Tisch an, nachdem er ihr den Brief abgenommen hatte.
Gerade, als er das Siegel brach, lenkte ihn ein begeisterter Aufschrei wenige Plätze neben ihm ab.
„Merlin und Morgana! Ich glaube es nicht! Hört euch das an!"
Es war Pansy, die mit der neuesten Ausgabe der 'Witch & Wow' herumwedelte, die sie offensichtlich gerade per Eule bekommen hatte.
„Die 'Weird Sisters' geben ein Konzert", fuhr Pansy laut fort und erhob sich nun sogar von ihrem Platz um stehend den Artikel in die Runde zu zeigen. „Ist das zu fassen? Hier in Hogwarts!"
Überraschtes und auch begeistertes Gemurmel war in Pansys Umgebung zu hören.
„Blödsinn", sagte Daphne Greengrass und warf das volle, blonde Haar zurück. „Das glaube ich nicht."
„Hier steht es, schwarz auf weiß", sagte Pansy beleidigt und hielt die Zeitschrift näher in Daphnes Richtung. „Es ist offiziell bestätigt, dass sie beim Ball hier auftreten werden."
Daphne klappte der Mund auf.
„Ja, da staunst du, was?", schnarrte Pansy und setzte sich wieder, um den Kopf mit Millicent über der 'Witch & Wow' zusammenzustecken.
Auch Daphne tuschelte nun aufgeregt mit Tracey.
„Krass, ein Konzert von den 'Weird Sisters'!", sagte Blaise zu Draco und den anderen. „Richtig cool. Aber schade, dass es nicht die Venomous Vipers sind."
„Macht nichts", grinste Theo. „Dann gehen wir eben mal in den Ferien zusammen zu einem Konzert von denen, Blaise. Ich komme gerne mit. Die Songs auf den Partys, die ich bisher von ihnen gehört habe, gefallen mir richtig gut. Vielleicht haben wir ja mal Glück und es gibt ein Konzert in der schulfreien Zeit."
„Meinst du denn, dein Vater erlaubt das?", fragte Blaise zögerlich.
Theos Blick verfinsterte sich.
„Ist mir scheißegal", sagte er. „Ich sage einfach, ich übernachte bei dir und dann gehen wir hin. Er muss es ja nicht wissen. Er redet sowieso nicht mit deiner Mutter, also wird er es nie herausfinden. Draco, Greg, Vince? Wärt ihr auch dabei?"
Draco brummte nur geistesabwesend, denn er hatte den Brief seines Vaters entfaltet und begonnen zu lesen.
„Was soll denn der Scheiß?", entfuhr es ihm.
Theo, der sich gerade einen Löffel Müsli einverleibt hatte, fragte mit vollem Mund: „Was ist denn los?"
Einen Augenblick war Draco tatsächlich sprachlos. Er überflog die Zeilen noch einmal, um sicher zu gehen, dass er nichts missverstanden hatte.
„Ich fasse es nicht", zischte er und zerknitterte den Brief in seiner Faust.
„Sagst du es uns jetzt freiwillig oder müssen wir dir den Brief mit Gewalt entwenden?", erkundigte Blaise sich.
Draco warf einen raschen Blick in Richtung Pansy. Unter gar keinen Umständen wollte er, dass sie etwas mitbekam. Aber sie war immer noch hellauf begeistert von dem Artikel in ihrer Zeitschrift und kicherte und kreischte mit Millicent auf eine mädchenhafte Art und Weise, die Draco so gar nicht von ihr kannte.
Er beugte sich vor, so dass er sicher sein konnte, dass nur Blaise und Theo, maximal noch Greg und Vincent, ihn hören konnten.
„Mein Vater will entscheiden, mit wem ich zum Ball gehe", zischte er.
„Was?", fragte Blaise empört.
„Genauso wie vom Turnier selber wusste er wohl durch Zaubereiminister Fudge schon länger vom Ball", fuhr Draco fort. „Er schreibt nun, ich solle mir eine angemessene Tanzpartnerin suchen."
Theo zuckte mit den Schultern.
„Das wollte mein Vater auch. Ich habe ihm dann geschrieben, dass das Durmstrang-Mädchen, mit dem ich gehe, reinblütig ist und aus einer priviligierten Familie kommt, das war für ihn in Ordnung."
„Ist doch auch logisch, dass unsere Familien darauf achten, mit wem wir uns bei einer solch wichtigen Veranstaltung zeigen", mischte sich Gregory ein.
„Genau", bestätigte nun auch Vincent. „Ich meine, wenn ihr mit irgendwelchen halbblütigen Mädchen kurzzeitig was habt, ist das eine Sache - wobei eure Eltern auch das vielleicht nicht unbedingt erfahren sollten. Aber bei einer so hochoffiziellen Sache wie dem Yule Ball kann man ja nicht mit einem Halbblut auftauchen - über diese widerlichen Schlammblüter müssen wir ja gar nicht erst reden."
Draco wich Vincents Blick beim letzten Satz aus.
„Darum geht es nicht", sagte er und starrte den zerknüllten Brief in seiner Faust wütend an. „Er will unbedingt, dass ich mit Pansy gehe."
Blaise zog überrascht die Augenbrauen hoch.
„Warum ausgerechnet mit Pansy?", fragte er.
Theo schnaubte.
„Ist das nicht offensichtlich?", fragte er und klang dabei abfällig. „Seine Eltern rechnen sich jetzt schon aus, welche Kontakte der Familie in Zukunft am meisten nutzen würden."
„Aber die Parkinsons haben doch sowieso schon guten Kontakt zu den Malfoys", sagte Blaise verwirrt.
„Ja, aber sie denken hier schon in eine andere Richtung", erklärte Theo und ließ seinen Löffel sinken, so als habe er plötzlich nicht mehr so viel Lust auf sein Frühstück.
„Wie?", machte Blaise und sah zwischen Theo und Draco hin und her. „Sie denken jetzt schon darüber nach, wen Draco in zehn Jahren oder so heiraten könnte?"
Theo machte eine zustimmende Geste.
„Wir sind nicht nur reinblütig, Blaise", sagte er.
„Du verstehst das nicht", ergänzte Draco bitter. „Du bist zwar reinblütig, aber keiner der Unantastbaren."
Blaise' Gesicht verhärtete sich.
„Oh, natürlich, ich verstehe das nicht."
Draco, der wieder das zerknüllte Pergament angestarrt hatte, sah hastig auf.
„Tut mir leid", sagte er schnell. „So war das nicht gemeint."
Nur zu gut erinnerte er sich daran, wie Blaise vor Hogwarts und zu Beginn des ersten Schuljahres stets um ihre Gunst gebuhlt hatte - er mochte Draco und Theo, wollte immer gerne viel Zeit mit ihnen verbringen, aber häufig hatten sie ausweichend reagiert, obwohl sie Blaise mindestens genauso gerne mochten.
Aber die Familien der Unantastbaren Achtundzwanzig blieben nun einmal gerne unter sich.
Blaise fuhr sich mit der Hand durchs Haar.
„Schon ok", sagte er und wirkte etwas versöhnlicher.
„Aber Theo hat Recht", seufzte Draco. „Unsere Familien müssen schon sehr früh vorausschauend planen. Die Unantastbaren wollen ihren Stand erhalten - viel Auswahl gibt es da allerdings nicht. Im Prinzip können Theo, Greg, Vince und ich jetzt schon an einer Hand abzählen, wer später dafür in Frage kommt, dass wir sie heiraten."
Das war natürlich etwas überspitzt formuliert, aber den Kern des Problems traf es einfach.
„Das ist auch der Grund, warum Theos Mutter..." Draco brach ab. „Entschuldigung."
Theo hatte den Blick gesenkt.
Erst in diesem Moment wurde Draco bewusst, wie lange er schon nicht mehr mit Theo über dessen verstorbene Mutter gesprochen hatte.
„Ich verstehe schon", sagte Blaise schnell.
Sie alle wussten, wie groß der Altersunterschied zwischen Theos Vater und seiner Mutter gewesen war. Sie war noch nicht lange volljährig, als ihre Familie sie an Nott Senior verheiratete. Was einfach daran lag, dass die Auswahl im Prinzip gegen null ging.
„Und was ist, wenn ihr vielleicht gar nicht heiraten wollt?", fragte Blaise, sichtlich verstört aufgrund des Gesagtem.
Theo lachte humorlos auf.
„Machst du Witze? Nicht heiraten? Keine Familien gründen? Und das als Unantastbarer?", meinte Theo und klang fast ein wenig bitter.
„Es ist nun einmal unsere Pflicht, unsere besondere Reinblütigkeit zu erhalten und das Fortbestehen der Unantastbaren zu gewährleisten", kam es von Vincent. „Was regt ihr euch denn so auf?"
„Salazar, du klingst wie mein Vater", meinte Theo angewidert.
„Um auf das eigentliche Thema zurückzukommen", sagte Blaise rasch. „Draco, wieso scheißt du nicht einfach auf das, was dein Vater sagt und fragst wen auch immer? Wobei du langsam echt mal loslegen solltest, es sind so gut wie keine Mädchen mehr über, die für dich in Frage kommen."
„Ich weiß", seufzte Draco. „Ein Grund mehr, tatsächlich Pansy zu fragen. Leider. Aber hauptsächlich ist das Problem... Blaise, weißt du, das war im Brief meines Vaters keine Bitte. Es war eine Anordnung, und es wird üble Konsequenzen geben, wenn ich mich der Anordnung widersetze. Vater kann bei so etwas sehr ungemütlich werden. Und dann kommt eben das dazu, was du sagst. Ich hatte nie viel Auswahl und die ist nun auch noch auf ein Minimum geschrumpft."
Er seufzte.
„Und Pansy?", fragte Blaise und runzelte die Stirn. „Meinst du, sie weiß, dass du diese Anweisung bekommen hast?"
Draco warf einen Blick in Pansys Richtung.
„Vermutlich nicht." Wütend schob er seine Schüssel mit Porridge von sich. „Ach, fuck! Das macht alles so kompliziert!"
Seine Freunde schwiegen. Sie alle wussten, dass Pansy schrecklich verschossen in Draco war und es seit diesem Schuljahr besonders emotional angespannt zwischen den beiden war, weil Draco auf der Party betrunken mit ihr geknutscht hatte.
Draco hätte es niemals gedacht, aber Reinblütigkeit konnte auch ein richtiger Fluch sein.
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A Death Eater's Tale
FanfictionJeder kennt sie - die Geschichte vom Jungen, der überlebte. Auch Draco Malfoy muss in seinem Leben immer wieder feststellen, dass die Geschichte dieses Jungen Einfluss auf seine eigene Geschichte hat. Auch wenn er es anfänglich nicht bemerkt und spä...
