Das Inquisitionskommando

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Das Krötengesicht? Großinquisitorin von Hogwarts? Was soll das heißen?"
Stirnrunzelnd beugte Blaise sich näher zu Theo, der den Tagespropheten regelrecht angewidert in der Hand hielt und die Überschrift des Titelblatts laut vorgelesen hatte.
Draco kaute sein Müsli und lauschte aufmerksam.
Theos Augen flogen regelrecht über die Zeilen in der Zeitung.
„Es heißt", sagte er dann finster, „dass Umbridge vom Ministerium die Befugnis bekommen hat, die Lehrkräfte zu überprüfen."
„Überprüfen?", wiederholte Vincent. „Inwiefern? Müssen die Tests schreiben oder was?"
„Blödsinn", schnarrte Theo und warf einen abfälligen Blick auf Vince. „Natürlich nicht. Mit großer Wahrscheinlichkeit darf sie den Unterricht überprüfen, also den Lehrkräften Besuche während des Unterrichts abstatten, und sicherlich auch in die Planung der Stunden einsehen."
Greg lachte. „Na, da kann sich Trelawney aber warm anziehen."
Gregory und Vincent hatten nach wie vor als Wahlfach neben Pflege magischer Geschöpfe Wahrsagen und sie machten sich regelmäßig darüber lustig.
„Nicht nur sie", stellte Vincent zufrieden fest. „Dieser Halbriese auch, sollte er zurückkehren."
„Bringt vielleicht mal Ordnung hier rein", meinte Gregory.
Theo guckte böse, Blaise hatte nachdenklich die Stirn kraus gezogen.
„Da könntet ihr Recht haben", bestätigte Draco. „Ich glaube, das ist auch das, was mein Vater sich erhofft hat, als er von ihr geschrieben hat."
„Das Krötengesicht ist total ätzend", stellte Blaise sachlich fest.
„Klar", bestätigte Draco mit vollem Mund, da er immer noch sein Frühstücksmüsli in sich hineinschaufelte. Kurz dachte er, dass er so Zuhause niemals hätte reden und gleichzeitig essen dürfen. Hogwarts hatte eben auch Vorteile. „Aber wenn sie was gegen den Wildhüter unternimmt und wir dann die Raue-Pritsche behalten dürfen, soll mir das nur recht sein. Die macht viel besseren Unterricht. Und ich habe gehört, dass Umbridge Potter nachsitzen lässt, und das wohl auch nicht wenig. Welche Lehrkraft - außer vielleicht Snape - macht das schon? Die pudern dem Narbengesicht doch alle den Hintern... Sankt Potter..."
Vincent und Gregory lachten.
Theo zerknüllte den Tagespropheten.
„Schon", stimmte Blaise zu. „Trotzdem mag ich die Alte nicht. Und ihr Unterricht ist total dröge."
„Ihr Unterricht ist eine Katastrophe", knurrte Theo.
Irgendwie war die Laune mies, als sie sich aus der Großen Halle zum Unterricht aufmachten. Vielleicht hatte es auch damit etwas zu tun, dass sie heute noch Verteidigung haben würden.
Ihre schlechte Laune musste sich auf ihren Gesichtern spiegeln und zu allem Überfluss kam ihnen auf dem Gang auch noch McLaggen mit seinem Pulk an Vollidioten entgegen.
Natürlich entging dem Gryffindor nicht, dass bei ihnen miese Stimmung herrschte.
„Hey, Schlangenzungen", rief er im Vorbeigehen. „Was ist los? Schon länger keinen guten Fick mehr gehabt, was?"
Draco war froh, dass er Theo so gut kannte und dass er so schnelle Reflexe hatte. Sein bester Freund schoss mit einer unglaublichen Geschwindigkeit vor, aber Draco war schneller. Blitzschnell hielt er Theo mit viel körperlicher Kraft zurück.
McLaggen und die anderen Gryffindors lachten und zogen weiter.
„Warum hast du nicht zugelassen, dass ich ihm die Fresse poliere?", fuhr Theo ihn an und machte sich los.
„Handel dir keinen Ärger ein", sagte Draco knapp und er sah an Theos Gesichtsausdruck, dass diesem jetzt erst bewusst wurde, welchen Ärger er von Snape bekommen würde, da dieser sowieso ein Problem mit Theo hatte, seitdem er Professor Lupin verteidigt hatte.
Zuerst hatten sie Kräuterkunde, was bedeutete, dass sie heute einer geballten Ladung nerviger Hufflepuff-Energie ausgesetzt waren - erst in den Gewächshäusern, dann im Unterricht beim Krötengesicht.
Sie tauschten rasche, genervte Blicke, als sie das Gewächshaus betraten - offensichtlich hatte Umbridge vor ihrem Unterricht bei ihnen eine Freistunde, denn sie saß in einer Ecke zwischen dem Mondsteingewächs und den jungen Alraunen und tippte mit einem pinken Stift auf ein Klemmbrett.
Scheinbar startete sie ihren Job als Inquisitorin sofort.
Sprout schien die Anwesenheit der Kröte nicht im Geringsten zu stören.
„Derzeit ist unser Fluxkraut beinahe aufgebraucht", erklärte Hufflepuffs Hauslehrerin ihnen lächelnd. „Ihre Aufgabe ist es daher heute, die Samen hier in diesen Kästen ordentlich einzupflanzen und danach zu düngen. Professor Snape teilte mir mit, dass er dringlichst neues Fluxkraut benötigt, um mit den Sechstklässlern den Fokustrank brauen zu können. Da ist Fluxkraut, auch Flussgras genannt, eine sehr wichtige Zutat. Teilen sie sich bitte in Vierergruppen auf und beginnen Sie sogleich!"
Sie taten, wie ihnen geheißen.
Umbridge fiel während der gesamten Stunde nicht sonderlich auf. Sie beobachtete den Unterricht, machte Notizen, schlich zwischendurch zu Sprout und stellte leise Fragen, kam zu der Schülerschaft herüber gerauscht und beobachtete sie einen Augenblick beim Düngen.
Draco schaffte es, einen kurzen Blick auf das Klemmbrett zu erhaschen, wo die Kröte einige fein säuberliche Notizen gemacht hatte. Außerdem sah er jede Menge Häkchen. Offensichtlich war die Inquisitorin mit Sprouts Unterricht zufrieden.
„Sagen Sie", hörte er sie später flüstern, „wird das Fluxkraut denn rechtzeitig gewachsen sein, um den Unterricht in Zaubertränke im sechsten Jahrgang gewährleisten zu können?"
Der Stift schwebte in Umbridges Hand unheilvoll über dem Klemmbrett.
„Wir werden sehen", flötete Sprout. „Wir haben natürlich immer einen Plan B zur Überbrückung. Schulleiter Dumbledore kauft im Notfall einen Vorrat von extern - und sollte dieser knapp sein und daher nicht geliefert werden, gibt es eine Quelle im Verbotenen Wald, an der das Flussgras in großen Mengen wächst. Professor Snape und ich sind auch schon gemeinsam dorthin gegangen, um das Kraut zu ernten."
„Vorzüglich." Umbridge lächelte schmallippig und setzte einen weiteren Haken auf ihrer Liste.
Nach Beenden der Stunde zogen sie die Gartenhandschuhe aus, räumten auf, machten sich auf den Weg zurück ins Schloss und sammelten sich in dem Gang, in dem sich der Klassenraum für Verteidigung gegen die Dunklen Künste befand.
Pansy und Draco patrouillierten den Gang auf und ab, so wie es ihre Aufgabe war, bis das Krötengesicht kam.
In Verteidigung sollten sie wieder einmal still lesen und Dracos Gedanken schweiften ab. Er dachte darüber nach, warum Theo momentan wieder einmal so angespannt war und zu Aggressionsausbrüchen tendierte. Eigentlich hatte er geglaubt, dass er das endlich unter Kontrolle hatte.
Als das Krötengesicht ihn nach der Stunde zu sich beorderte, glaubte er im ersten Moment, sie habe bemerkt, dass er gar nicht richtig gelesen hatte und dass er nun Strafarbeit bekommen würde, aber zu seiner Überraschung sagte Umbridge: „Bleiben Sie auch einen Augenblick, Miss Parkinson."
Pansy wirkte ebenso verdutzt wie Draco. Sie schien genauso wenig eine Ahnung zu haben, was Umbridge wollte.
„Professor?", fragte Draco, nachdem alle anderen den Klassenraum verlassen hatten und sah dem Krötengesicht fragend in die wässrigen Augen.
Umbridge setzte sich hinter ihren Schreibtisch und faltete die Hände in ihrem Schoß.
„Mister Malfoy, Miss Parkinson, Sie sind das Vertrauensschülerpaar für das Haus Slytherin, und wie ich hörte, kommen Sie der Aufgabe sehr gewissenhaft nach. Das freut mich zu hören, denn, so ganz unter uns, ich hege eine besondere Sympathie für das Haus Slytherin. Hinzu kommt, dass Sie beide aus den allerbesten Familien stammen. Ich bin gerade auf der Suche nach speziellen Schülerinnen und Schülern. Sicherlich haben Sie mitbekommen, dass ich dem Schulleiter bereits nach so kurzer Zeit im Prinzip gleichgestellt bin?"
Draco blinzelte. „Dem Schulleiter gleichgestellt?"
Umbridge nickte zufrieden.
„Auf Geheiß des Zaubereiministers persönlich. Ich wurde zur Großinquisitorin von Hogwarts ernannt."
„Das haben wir gelesen", beeilte Pansy sich zu sagen.
„Ich wusste nicht, dass Sie damit dem Schulleiter mehr oder weniger gleichgestellt sind", warf Draco ein.
„Nun, bin ich aber", erklärte die Kröte honigsüß. „Derzeit überprüfe ich alle Lehrkräfte. Allerdings... möchte Minister Fudge, dass auch die Schülerschaft unter Beobachtung steht, insbesondere eine gewissen Gruppierung. Sie wissen, dass es hier derzeit einen gefährlichen Schüler gibt, der Falschinformationen verbreitet?"
Draco schaltete schnell.
„Potter."
„Sehr richtig, Mr Malfoy." Umbridge nickte anerkennend. „Mr Potter versucht gerade, labile Mitschüler um sich zu scharren und Lügen zu verbreiten, um dem Zaubereiministerium zu schaden. Seine Aussagen könnten zu Massenpaniken führen, und das vollkommen unbegründet. Um es kurz zu machen: Ich suche zuverlässige Schüler aus den höheren Jahrgangsstufen, die Potter und seinen engen Kreis im Blick behalten und mir regelmäßig über... sagen wir... verdächtige Aktivitäten Bescheid geben."
Umbridge sah sie gespannt an.
Draco gingen etliche Dinge durch den Kopf.
Zuerst dachte er daran, dass er Potter liebend gerne einen rein würgen würde.
Aber dann kamen ihm noch weitere, wichtigere Gedanken.
Sein Vater hatte ihm geraten, sich mit Umbridge gut zu stellen. Außerdem versuchte die Kröte gerade im Keim zu ersticken, was auch Dracos Vater zu vertuschen suchte: Die Verbreitung der Tatsache, dass der Dunkle Lord zurückgekehrt war.
„Ich... ja, ich könnte mir das vorstellen...", sagte Draco langsam.
„Ich wäre dann auch dabei", kam es von Pansy.
„... allerdings", fuhr Draco fort, „habe ich ein wenig Sorge, wie ich diese Aufgabe zeitlich bewerkstelligen soll. Neben dem Lernen für die ZAGs bin ich, wie Sie selber sagen, Vertrauensschüler. Außerdem ist mir das Quidditchtraining sehr wichtig. Dafür möchte ich keine Zeit durch andere Dinge verlieren."
„Oh, keine Sorge", beeilte Umbridge sich zu sagen. „Diese Aufgabe wird sich ganz natürlich in Ihren Alltag einbetten. Außerdem habe ich bereits geplant, Ihnen eine Sondergenehmigung auszustellen. Alle, die in mein Inquisitionskommando kommen - fragen Sie also gerne noch Freunde - , dürfen sich jeden Abend auch nach Sperrstunde frei im Schloss bewegen - notfalls auch nachts. Das geht weit über die Befugnisse eines Vertrauensschüler hinaus, denn da haben Sie diese Möglichkeit nur bei Ihren Patrouillengängen und dann auch zeitlich begrenzt. Außerdem kann ich Ihnen dauerhaften, freien Zugang zur Verbotenen Abteilung garantieren. Das macht das Lernen für Ihre Zauberergrade gleich viel einfacher. Sie sparen also unglaublich Zeit für Recherchen. Außerdem... Als Mitglieder dieses engen Kreises kann ich bewirken, dass wir eine kleine Ausnahmeregelung für Sie erwirken: Sie dürfen auch anderen Vertrauensschülern Punkte abziehen. Ich denke, das wäre ein gutes Mittel für die Außenwirkung. Was sagen Sie?"

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